Trainer Scolari verlängert seinen Vertrag mit den Portugiesen: Portugal erstmals im Finale
zuletzt aktualisiert: 01.07.2004 - 11:14Lissabon (rpo). Ein Land steht Kopf. Durch die Tore von Ronaldo und Maniche steht Portugal im Endspiel der eigenen Europameisterschaft. Der Matchwinner war aber ein anderer: Luis Figo wuchs über sich hinaus. Auf der anderen Seite enttäuschte fast die komplette niederländische Mannschaft. Nach dem sieg verlängerte Trainer Scolari seinen Vertrag.
Durch den 2:1 (1:0)-Erfolg steht Portugal zum ersten Mal überhaupt im Endspiel eines großen Turniers. Dort trifft die "Seleccion" am kommenden Sonntag auf Griechenland oder Tschechien, die sich am Donnerstag in Porto gegenüberstehen. Der letzte Gastgeber, der den EM-Titel gewann, war 1984 Frankreich.
Jungstar Cristiano Ronaldo (26.) und Maniche (58.) machten den größten Erfolg in der 90-jährigen portugiesischen Verbandsgeschichte perfekt und versetzten den Großteil der 46.679 Zuschauern im Estadio Jose Alvalade zu Lissabon in einen wahren Freudentaumel. Die Niederländer kamen nur durch ein Eigentor von Jorge Andrade (63.) noch zum Anschlusstreffer.
Happy-End für die goldene Generation?
Für die portugiesische Spielergeneration um die alternden Luis Figo und Rui Costa, die 1991 den WM-Titel bei den "U20"-Junioren gewonnen hatte, könnten sich damit die Hoffnungen auf einen großen Titel in der Endphase nun endlich erfüllen. Dreimal hatte Portugal schon in einem Halbfinale gestanden - und nie das Finale erreicht: 1966 unterlag die Mannschaft um die lebenden Legende Eusebio 1:2 gegen den späteren Weltmeister England und wurde am Ende WM-Dritter; bei der EM 1984 und der EM 2000 unterlag Portugal jeweils dem späteren Europameister Frankreich unter dramatischen Umständen.
Diesmal überließen die Gastgeber nichts dem Zufall. Angeführt vom überragenden Figo setzten die Portugiesen von Beginn an die Niederländer unter Druck und erspielten sich reihenweise Chancen. Vom Offensivspiel der "Oranjes" war dagegen lange Zeit nicht zu sehen. So hätte die Scolari-Elf bereits im ersten Durchgang die Vorentscheidung erzielen können.
Im Mittelpunkt stand zunächst Jungstar Ronaldo. Verpasste der 19-Jährige in der 18. Minute nach einer scharfen Flanke von Figo den Ball nur knapp, stand er acht Minuten später parat. Nach einer Ecke von Deco war der Stürmer von Manchester United per Kopf zur Stelle und erzielte seinen zweiten Turnier-Treffer.
Zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff hatten die portugiesischen Fans den Torschrei erneut auf den Lippen, doch Pauleta vergab völlig freistehend die Möglichkeit zur Vorentscheidung. In der 41. Minute war es dann Figo, der den Ball aus 18 m an den Pfosten setzte.
Während die Angriffe der Niederländer zwar gefällig vorgetragen wurden, fehlte es jedoch ab der Strafraumgrenze an der nötigen Konsequenz, um die gut organisierte portugiesische Abwehr zu überwinden. So kam lediglich bei einem Schuss von Marc Overmars (28.) aus nur zehn Meter einmal Gefahr für das von Ricardo gehütete Tor der Gastgeber auf.
Hoffnungsträger Makaay
Im zweiten Durchgang legte die "Elftal" dann ihre defensive Taktik ab. Bondscoach Dick Advocaat brachte in der 46. Minute Torjäger Roy Makaay vom deutschen Rekordmeister Bayern München und elf Minuten später Rafael van der Vaart als weitere Offensivakteure ins Spiel.
Die erste Chance besaßen jedoch die Portugiesen. Pauleta schoss in der 54. Minute dem "Oranje"-Keeper van der Sar freistehend in die Arme. Nur vier Minuten später wähnten sich die Gastgeber bereits im Finale, als Maniche mit einem Traumtor vom linken Strafraumeck das 2:0 erzielte.
Doch inmitten der Feierstimmung war es ausgerechnet ein Portugiese der die Gäste wieder ins Spiel brachte. Nach einer weiten Flanke in den Strafraum lenkte Abwehrspieler Jorge Andrade den Ball über den sich vergeblich streckenden Ricardo hinweg ins Tor (63.). Fortan setzten die Holländer alles auf eine Karte, die Gastgeber sorgten indes durch Konter stets für Gefahr.
Bei den Portugiesen verdienten sich Figo, Carvalho und Deco die Bestnoten. Auf Seiten der Niederländer, bei denen Wilfried Bouma und Marc Overmars wieder ins Team rückten, gehörten Clarence Seedorf, Edgar Davids und Schlussmann van der Sar zu den herausragenden Spielern.
Scolari verlängert seinen Vertrag
Luiz Felipe Scolari wird auch nach der EM-Endrunde die portugiesische Fußball-Nationalmannschaft trainieren. Der 55 Jahre alte Brasilianer einigte sich mit Verbandspräsident Gilberto Madail auf eine Vertragsverlängerung. Das gab der Trainer nach dem 2:1 (1:0)-Halbfinal-Sieg gegen die Niederlande am Mittwochabend bekannt. Scolari hatte im Janur 2003 das Traineramt beim EM-Gastgeber angetreten und die "Seleccion" nun erstmals in ein Finale bei einer EM- oder WM-Endrunde geführt. 2002 gewann Scolari mit Brasilien den WM-Titel.
STIMMEN ZUM SPIEL:
Trainer Luiz Felipe Scolari (Portugal): "Das ist ein Spiel, das in die Geschichte Portugals eingeht. Endlich haben wir das Finale geschafft. Das ist eine super Mannschaft, Portugal kann stolz sein. Der Sieg war verdient. Wir hatten heute die besseren Möglichkeiten."
Trainer Dick Advocaat (Niederlande): "Das ist eine Enttäuschung. In der ersten Halbzeit war Portugal die bessere Mannschaft, in der zweiten Halbzeit sind wir mehr Risiko eingegangen. Bei uns war die Angst mit im Spiel. Es gibt aber keine Ausreden. Portugal war die bessere Mannschaft. Unser sportliches Ziel wurde erreicht, und das mit einer schlechteren Mannschaft."
STATISTIK ZUM SPIEL:
Portugal: Ricardo - Miguel, Carvalho, Andrade, Nuno Valente - Maniche (87. Couto), Costinha - Ronaldo (67. Petit), Deco, Figo - Pauleta (75. Nuno Gomez)
Niederlande: van der Sar - Reiziger, Bouma (56. van der Vaart), Stam, van Bronckhorst - Davids, Seedorf, Cocu - Overmars (46. Makaay), van Nistelrooy, Robben (81. van Hooijdonk)
Schiedsrichter: Anders Frisk (Schweden)
Tore: 1:0 Ronaldo (26.), 2:0 Maniche (58.), 2:1 Andrade (63., Eigentor)
Zuschauer: 46.679
Beste Spieler: Figo, Carvalho, Deco - Seedorf, van der Sar, Davids
Gelbe Karten: Ronaldo, Nuno Valente, Figo - Overmars, Robben
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