Gruppe A: Spanien - Portugal 0:1 (0:0): Portugal schießt Spanien aus dem Turnier
zuletzt aktualisiert: 20.06.2004 - 22:40Lissabon (rpo). Ganz Portugal liegt im EM-Freudentaumel: Der hoch gehandelte Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft schaffte im iberischen Bruderkampf gegen Spanien durch ein 1:0 (0:0) am letzten Spieltag der Gruppe A noch den Einzug ins Viertelfinale und kann damit weiterhin vom ersten Titel der "goldenen Generation" um Superstar Luis Figo träumen.
Die als EM-Mitfavorit eingestuften Spanier konnten hingegen 40 Jahre nach dem bislang einzigen EM-Triumph im eigenen Land die hohen Erwartungen wieder einmal nicht erfüllen und müssen nach der Vorrunde die Heimreise antreten.
Der zur Halbzeit eingewechselte Nuno Gomes von Benfica Lissabon markierte in der 57. Minute mit einem Schuss aus der Drehung aus 18 Metern das erlösende 1:0 für die Portugiesen. Vor 50. 000 Zuschauern im ausverkauften Estadio Jose Alvalade von Lissabon ließ sich der brasilianische Weltmeister-Macher und Portugal-Coach Luiz Felipe Scolari feiern.
Nach dem 1:2 im Eröffnungsspiel gegen Otto Rehhagels Griechen und dem 2:0-Arbeitssieg gegen Russland stand seine "Seleccao" unter großem Druck, konnte aber den alten Erzrivalen niederkämpfen. Die spanischen "Furien" hatte ihre gute Ausgangsposition nach dem 1:0-Auftakterfolg gegen die russische "Sbornaja" durch ein 1:1 gegen die Hellenen verspielt, wenngleich schon ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht hätte.
Portugal nach 23 Jahren erlöst
Nach 23 Jahren gelang den Portugiesen der erste Länderspielsieg gegen das Nachbarland, das nach 12 Partien ohne Niederlage wieder einmal als Verlierer den Platz verließ. Dagegen herrscht im westlichsten Land des europäischen Kontinents Fußball-Euphorie pur. Mit Hupkonzerten und Autorkorsos feierten landesweit Zehntausende das Weiterkommen. Vor vier Jahren hatten die "Brasilianer Europas" sogar im Euro-Halbfinale gestanden und unglücklich in der Verlängerung durch ein Handelfmetertor gegen den späteren EM-Champion Frankreich verloren.
In der Runde der letzten Acht treffen die Portugiesen als Sieger der Gruppe A am kommenden Donnerstag (24. Juni/20.45 Uhr) im Estadio da Luz von Lissabon auf den Zweiten der Gruppe B.
Am Sonntag lieferten sich die beiden Erzrivalen von der iberischen Halbinsel von der ersten Minute an eine hitzige Auseinandersetzung. In der Arena von Sporting Lissabon, in der sich rund 16.000 spanische Schlachtenbummler befanden, zeigte der schwedische Schiedsrichter Anders Frisk schon in den ersten zehn Spielminuten zwei Gelbe Karten für den Portugiesen Pauleta und den Spanier David Albelda; für beide Akteure war es die zweite Verwarnung im Turnierverlauf.
Die Spanier überließen zunächst Luis Figo und Co. die Initiative. Mit Pässen in die Tiefe suchen die Mannen von Scolari vor allem die schnellen Pauleta und Cristiano Ronaldo. Ronaldo, der bei Manchester United unter Vertrag steht, hatte von Scolari erstmals das Vertrauen von Anfang an erhalten. Der Jungstar war auffälligster Akteur in der ersten Halbzeit, stellte die spanische Abwehr mit seinen Tricks und Finten häufig vor große Probleme.
Bei den Spaniern verzichtete Trainer Inaki Saez zunächst auf Mittelstürmer Fernando Morientes. Stattdessen spielte Fernando Torres in vorderster Spitze. Starspieler Raul, Teamkollege von Figo bei Real Madrid, agierte in seinem 75. Länderspiel etwas zurückgezogener. Die Taktik der spanischen "Seleccion" war eindeutig auf Konter ausgelegt. Der angeschlagene Linksverteidiger Raul Bravo konnte bei den Spaniern doch eingesetzt werden. Es fehlte nur der gelbgesperrte Carlos Marchena, der durch Juanito ersetzt wurde.
In der 20. Minute besaß der Portugiese Miguel die erste gute Gelegenheit für die Hausherren. Seinen 14-m-Schuss konnte Torwart Iker Casillas nur mit Mühe parieren. Die Spanier hatten immer wieder mit den überfallartigen Angriffen der Portugiesen Probleme, dabei setzte ein ums andere Mal Ronaldo die Akzente. In der 27. Minute spielte Ronaldo Figo frei, doch dessen Schuss aus 15 Metern wurde von Carlos Puyol abgewehrt. Im Gegenzug hatte Torres die Chance zu Gästeführung, doch der herausstürzende Keeper Ricardo klärte per Fußabwehr.
Auffällig war, dass die Scolari-Mannschaft die Mehrzahl der Zweikämpfe gewann. Dagegen wirkte das Team um Ausnahmespieler Raul zu passiv, auch der spanische Kapitän kam nicht richtig ins Spiel. Sein Gegenspieler Costinho engte erfolgreich Rauls Aktionsradius ein. Erst in der 35. Minute kam das Real-Ass erstmals gefährlich vor das gegnerische Tor.
Nach dem Anfangsdruck der Portugiesen kamen die Spanier nach einer halben Stunde etwas besser zur Geltung. Die größte Chance in den ersten 45 Minuten besaß jedoch Ronaldo per Kopfball nach Flanke von Figo, doch der Ball strich kurz vor dem Halbzeitpfiff knapp am Tor vorbei.
Mit der Einwechslung von Nuno Gomes bewies Scolari eine glückliche Hand. Schon zwölf Minuten nach Wiederbeginn fasste er sich ein Herz und zog ab. Iker Casillas streckte sich vergeblich. Pech in der druckvollen Schlussoffensive der Spanier hatte Juanito mit einem Pfostenschuss (76.).
Die Bestnoten bei Portugal verdienten sich Ronaldo und Abwehrchef Andrade. Kapitän Figo war deutlich stärker als Spielmacher Deco. Bei den Spaniern gefielen Vicente und Carlos Puyol. Gefährlichste Offensivkraft war Torres.
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Spanien: Casillas - Puyol, Juanito (80. Morientes), Helguera, Raul Bravo - Joaquin (72. Luque), Xabi Alonso, Albelda (65. Baraja) - Raul, Vicente - Fernando Torres
Portugal: Ricardo - Miguel, Andrade, Carvalho, Nuno Valente - Costinha - Maniche, Deco, Figo (78. Petit) - Ronaldo (85. Couto), Pauleta (46. Nuno Gomes)
Schiedsrichter: Anders Frisk (Schweden)
Tor: 0:1 Nuno Gomes (57.)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Beste Spieler: Vicente, Puyol, Casillas - Ronaldo, Andrade, Figo
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Albelda (2), Juanito, Puyol - Pauleta (2), Nuno Gomes
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