Wettskandal: Profi-Fußballer stehen im Visier der Justiz
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 10:24Düsseldorf (RP). Nach Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft sollen rund 200 Partien von Mitgliedern einer so genannten Wett-Mafia in diesem Jahr manipuliert worden sein. Daran beteiligt sind möglicherweise auch drei Spieler, die in der vergangenen Saison beim VfL Osnabrück unter Vertrag standen. In Würzburg wurde ein Landesliga-Akteur verhaftet.
Beim SV Sandhausen gibt man sich betont zurückhaltend. Man habe von den Ermittlungen gegen einen Angestellten des Vereins erfahren, weitere Einzelheiten zu den Hintergründen wolle man aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Es gelte die Unschuldsvermutung. Für die heutige Drittliga-Begegnung gegen Werder Bremen II wurde der Profi-Fußballer indes aus dem Kader gestrichen.
Dabei handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung um Marcel Schuon (24). Nach einer Hausdurchsuchung und anschließender Vernehmung wurde kein Haftbefehl gegen den früheren Junioren-Nationalspieler erlassen. Der Verteidiger spielte in der vergangenen Saison noch beim VfL Osnabrück in der Zweiten Liga. Zu seinen Arbeitskollegen dort gehörten Thomas Reichenberger (35), noch bei den Niedersachsen aktiv, und Thomas Cichon (33), mittlerweile in Südafrika unter Vertrag. Gegen sie sollen ebenfalls Ermittlungen laufen.
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"Ganze Nacht nicht geschlafen"
Dem Trio wird vorgeworfen, in den Wettskandal verstrickt zu sein. Ein 34-Jähriger aus Löhne soll sie angestiftet haben, zuvor besprochene Spiele absichtlich zu verlieren. Konkret geht es um die Auswärtsduelle von Osnabrück in Augsburg (0:3/17. April) und Nürnberg (0:2, 13. Mai).
Am Ende der Saison ist der VfL abgestiegen. Für die Beschuldigten ein lukratives Geschäft – der Drahtzieher soll beim asiatischen Wettanbieter "Sbobet" in einem Fall rund 150.000 Euro darauf gesetzt haben, dass Osnabrück mit drei Toren Differenz gegen Augsburg verliert.
Und genau das ist dann eingetreten. Reichenberger, früher unter anderem in Leverkusen und Uerdingen angestellt, bewies schon als Pokerspieler sein Talent. 2007 qualifizierte er sich für die Weltserie in Las Vegas, verzichtete aber auf eine Teilnahme, weil er sich mit Osnabrück auf die Saison vorbereiten wollte. Nun hat er sich möglicherweise verzockt.
"Für mich bricht eine Welt zusammen", sagt Ex-VfL-Trainer Pele Wollitz, der mittlerweile Cottbus trainiert. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich bin nicht nur erschüttert, sondern am Boden zerstört. Ich habe gedacht, der Fall Hoyzer wäre ein Einzelfall."
Die neue Wett-Affäre, die den deutschen und den europäischen Fußball erschüttert, zieht immer weitere Kreise. Gestern ist erstmals ein Spieler festgenommen worden. Der Landesligist Würzburger Kickers teilte mit, dass einer seiner Akteure im Zusammenhang mit dem Wettskandal verhaftet worden sei. Der Fußballer war laut dem Klub bereits in eine frühere Wettaffäre verwickelt.
In Deutschland stehen insgesamt 32 Spiele unter Verdacht, darunter auch vier Spiele der zweiten Liga. Der Regionalliga-Club SSV Ulm 1846 ist den Angaben zufolge offenbar stärker als bislang bekannt in den Wettskandal verwickelt. Nach Informationen des "Spiegels" stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: "Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat." Laut einem Zeitungsbericht haben die Ermittler den Verdacht, dass auch ein Freundschaftsspiel zwischen dem Club und Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 manipuliert wurde
Auch ein Spiel der Amateure von Borussia Mönchengladbach gegen den SC Verl steht unter Verdacht. Borussias Sprecher Markus Aretz sagt: "Wir haben bisher auch nur die Informationen aus den Medien. Darum können wir uns nur mit aller Vorsicht äußern. Wir wissen, dass DFL und DFB die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft mit allen Kräften unterstützen. Sollten sich irgendwelche von den Verdachtsmomenten bestätigen, muss man mit aller Härte vorgehen. Das wird der DFB im Rahmen der Sportgerichtsbarkeit auch tun."
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