1. Bundesliga 16/17
| 10.41 Uhr

Frank Edmond im Interview
"RB ist einfach nicht mein Verein"

Frank Edmond: "RB Leipzig ist einfach nicht mein Verein"
Frank Edmond (r.) spielte unter anderem für Lokomotive Leipzig, VfB Leipzig und Eintracht Braunschweig. FOTO: Frank Edmond
Leipzig/Düsseldorf. Frank Edmond ist der letzte Spieler, der in Leipzig für Leipzig ein Tor in der Bundesliga geschossen hat. Wir haben mit ihm über RB, kleinkarierte Fans und seinen guten Freund Dieter Hecking gesprochen.  Von Kilian Treß

Am 7. Mai 1994, dem letzten Spieltag der Saison 93/94, traf der 1,89 Meter große Libero für den VfB Leipzig zum zwischenzeitlichen 2:2 gegen Bayer Leverkusen. Das Spiel endete zwar 2:3 für die Rheinländer, ein Punkt hätte den Abstieg nicht mehr verhindert. Infolge stürzte der Leipziger Fußball in die Misere. Es folgte Zweitklassigkeit, und alsbald der Konkurs. Der Verein zerbrach und startete unter dem alten Namen Lokomotive Leipzig einen Neuanfang in der 3. Kreisklasse. Edmond wechselte schweren Herzens zur Eintracht Braunschweig, wo er nach seinem Karriereende studierte und eine Ausbildung beim Energieversorger "BS Energy" machte. Aus der Ferne betrachtet er neben seinen Ex-Klubs auch das Konstrukt RB Leipzig, das heute am selben Ort, an dem Edmond einst das letzte Tor Leipziger Bundesligageschichte erzielte, auf Borussia Dortmund trifft (18.30 Uhr/Live-Ticker).

Herr Edmond, Ihr letztes Tor in der Bundesliga ist heute 22 Jahre, vier Monate und drei Tage her. Wie gut sind Ihre Erinnerungen an die Bundesliga und an diesen Tag?

Frank Edmond Nur positiv: Es war für uns ein großes Erlebnis in den großen Stadien zu spielen. Oder vor 30.000 bis 35.000 Zuschauern im alten Zentralstadion. Am letzten Spieltag stand für uns Leipziger dann der Abstieg ja schon fest: Bayer Leverkusen wollte aber noch in den Europapokal: Und als ich den Ausgleich erzielte, kam Bayer-Stürmer und mein ehemaliger Kollege aus der DDR-Nationalmannschaft, Ulf Kirsten, auf mich zu und sagte: "Ey, Langer! Was machst du da!?" Ausgerechnet Kirsten traf dann aber doch kurz vor Schluss zum Leverkusener Sieg und die Bundesliga-Geschichte in Leipzig war vorbei.

Der VfB galt nach dem Abstieg über Jahre immer als der große Aufstiegskandidat für Liga eins: Warum ging es für Leipzig nur noch abwärts?

Edmond Auf dem Weg in die 1. Liga ging Anfang der 90er viel über die Emotionen und Leidenschaft. Wir waren fast alle in oder um Leipzig aufgewachsen, das Umfeld hat uns getragen. Als wir in die 2. Liga abgestiegen waren, schafften wir es aber nicht mehr, Fuß zu fassen.   

Am Samstagabend kehrt mit RB die Bundesliga zurück nach Leipzig in die Redbull-Arena, früher Zentralstadion. An den Ort, an dem Sie gegen Bundesligisten und im Europapokal gegen Topvereine angetreten sind. Fiebern Sie dem Spiel entgegen?

Edmond Nein. Zugegeben: Bei RB Leipzig bin ich sehr emotionslos. Viele Leipziger fiebern dem Spiel entgegen, aber dass ich dabei feuchte Hände bekomme, würde ich nicht sagen. 

Sie werden sich das Spiel also nicht im Stadion ansehen?

Edmond Nein. RB ist einfach nicht mein Verein. Das meine ich nicht böse. Aber ich bin und bleibe im Herzen "Blau-Gelb" (die Vereinsfarben von Lokomotive Leipzig; Anm. der. Redaktion). Für viele Leipziger, die Region, vielleicht den ganzen Osten, mag das Spiel eine Sensation sein. Aber nicht für mich.

Der Kader des VfB war seiner Zeit gespickt von Spielern aus der Region: Beim Blick auf den RB-Kader: Fehlen echte Leipziger Jungs?

Edmond Am Ende ist es wichtig, ob RB Erfolg hat oder nicht. Die Qualität bei RB stimmt, die Philosophie junge, ehrgeizige, talentierte Spieler zu holen, ist gut. Wenn das Geld dafür da ist, dann ist das toll. Es wird ein schwieriges Jahr für RB, aber auf Dauer wird der Verein sich in der Bundesliga durchsetzen.

Stört sie solch ein "Konstrukt" wie RB im Profisport eigentlich?

Edmond Am Ende schmunzele ich über das Gerede. Eigentlich geht mir die Diskussion sogar hinten runter. Wenn ich sehe, wie einige Dortmunder Fans sich hinstellen, und auf RB schimpfen, das finde ich derart kleinkariert. Am Ende ist es so: Auch ein Pierre-Emerick Aubameyang oder André Schürrle bezahlt nicht der kleine Bäcker von nebenan. Manche Fans sollten überlegen, was sie von sich geben.

Sie spielten, nachdem sie von Trainer Dragoslav Stepanovic in Leipzig auf die Tribüne gesetzt wurden, bei Eintracht Braunschweig – auch ein Verein mit großer Tradition. Was halten Sie von den Diskussionen, dass RB diese fehlt?

Edmond Damit man mich nicht falsch versteht: Ich stelle mich nicht auf die Seite von RB. Nichtsdestotrotz ist es tolle Arbeit, die der Klub leistet. Tradition wird sich erst noch entwickeln. Aber der Nachwuchs und die jungen Leute werden sich damit identifizieren. So eine Marke etabliert sich schnell. Und wenn man das Leistungszentrum sieht: Solche Voraussetzungen sind für junge Spieler genial. Sie werden sich gerne dort ausbilden lassen. Leipzig gehört in die Bundesliga.

Was bedeutet RB für die Region Leipzig. Kann der Verein nicht doch wenigstens eine Chance sein, dass auch kleine Klubs in der Region davon profitieren?

Edmond Ich sehe die Vorteile. Am Ende ist so: Leipzig hat die Bundesliga, wodurch der Stellenwert des Fußballs in der Stadt wächst. Das wird Sponsoren anlocken, die gerne Geld investieren, um dabei zu sein. Am Ende könnte auch Lokomotive Leipzig davon profitieren.

Sie spielten früher mit Größen wie Dieter Hecking in Leipzig und Braunschweig, wo sie heute wohnen und arbeiten, zusammen in der Verteidigung. Haben Sie zu ihrem Weggefährten und Wolfsburg-Trainer noch Kontakt?

Edmond Dieter war derjenige, der mich damals aus Leipzig nach Braunschweig weggelotst hat. Er ist ein guter Freund, mit dem ich mich noch regelmäßig treffe und hin und wieder gehe ich auch ins Stadion beim VfL Wolfsburg. Wir beide sind ähnliche Typen und haben den Kontakt niemals abreißen lassen. Wir laden uns auch zu Geburtstagen ein.

Wo werden sie den Abend verbringen, wenn RB Leipzig heute gegen Borussia Dortmund spielt?

Edmond Eigentlich höre ich lieber Radio oder gucke die Sportschau. Heute werde ich mir das Spiel im Fernsehen aber doch angucken.

Wer dürfte denn der Nachfolger des Frank Edmond sein, der nach 22 Jahren in Leipzig für Leipzig ein Bundesliga-Tor erzielt?

Edmond Das ist mir egal. Entscheidend ist, dass Leipzig Erfolg hat. Ich drücke den Leipzigern die Daumen. Nicht RB. Aber dem Umfeld!

Übrigens spielt am Sonntag Lok Leipzig  in der Regionalliga Nordost gegen "RB Leipzig II". Wie wird das Spiel ausgehen?

Edmond Da darf natürlich gerne die "Loksche" gewinnen. Das ist ja wohl klar.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Frank Edmond: "RB Leipzig ist einfach nicht mein Verein"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.