1. Bundesliga 16/17
| 10.23 Uhr

Torwart Coltorti trifft für RB Leipzig
"Bälle halten ist mein Beruf, Toreschießen das Dessert"

Fotos: Leipzigs Torwart Fabio Coltori erzielt Siegtreffer
Fotos: Leipzigs Torwart Fabio Coltori erzielt Siegtreffer FOTO: dpa, woi hak
Leipzig. Aus dem Toreverhinderer wurde plötzlich der eiskalte Vollstrecker: Zuletzt rettete Torhüter Fabio Coltorti Zweitligist RB Leipzig mit spektakulären Paraden die Punkte und erhielt dafür den Spitznamen "Krake". Gegen den SV Darmstadt 98 wurde der 34-jährige Schweizer selbst zum Torschützen.

Für den Eidgenossen war es der erste Pflichtspieltreffer in seiner schon langen Karriere. "Bälle halten ist mein Beruf, Toreschießen das Dessert", freute sich Coltorti nach seinem Last-Minute-Treffer zum 2:1-Endstand gegen Darmstadt.

Seine Mitspieler trugen ihn zum Dank auf Händen und Schultern durch das Stadion. Zu oft will Coltorti aber künftig nicht im Sturm der Leipziger eingreifen: "Das sind fast 100 Meter bis nach vorne, in meinem Alter schafft man das nicht so oft", sagte er lachend.

RB-Trainer Achim Beierlorzer erklärte: "Als wir gesehen haben, dass nur noch eine Minute zu spielen ist, habe ich ihn mit nach vorne geschickt, weil er eine gute Größe hat. Dass er es dann flach macht, ist aber auch okay."

Coltorti hofft nun, dass dieser Sieg "nochmal ein Signal für die letzten vier Spiele ist". Der Leipziger Keeper schrieb am Freitag sogar Fußballgeschichte: Er ist der erste Schlussmann in der Bundesliga und der 2. Bundesliga, der aus dem Spiel heraus das Siegtor erzielt hat. Hans-Jörg Butt traf für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen 26-mal vom Elfmeterpunkt. Für die Torwart-Tor-Premiere aus dem Feld sorgte im Dezember 1997 Jens Lehmann, der in der Nachspielzeit das 2:2 für Schalke 04 im Derby gegen Borussia Dortmund köpfte.

Der Treffer von Coltortis Landsmann Marwin Hitz für den FC Augsburg zum 2:2 gegen Bayer Leverkusen Ende April war in der Erstliga-Geschichte erst das dritte Tor eines Schlussmannes aus dem laufenden Spiel heraus, außer Lehmann traf zuvor noch Frank Rost für Werder Bremen gegen Hansa Rostock im März 2002. Doch ein Siegtreffer durch einen Bundesliga-Torwart aus dem Spiel heraus? Coltorti sorgte für die Premiere.

Das Tor weckte in Leipzig wieder den Glauben an den eigentlich schon abgehakten Aufstieg. "Jetzt bin ich schon gespannt, wie wir die nächsten Spiele angehen", sagte Beierlorzer. Der dritte Platz ist wieder in Sichtweite, und bei zehn Punkten aus den letzten vier Spielen in St. Pauli, gegen den SV Sandhausen, beim vielleicht dann schon aufgestiegenen FC Ingolstadt und gegen die SpVgg Greuther Fürth scheint für Leipzig alles möglich.

Coltortis Siegtor machte nun die Brust der "Bullen" noch breiter – zumal das 2:1 ein Sieg des Willens war. Hanno Behrens (77.) hatte die Gäste in Führung gebracht, ehe Lukas Klostermann (79.) die Wende zum Guten für Leipzig einleitete. "Wie die Mannschaft zurückgekommen ist", sagte Beierlorzer, "war sensationell".

(dpa/sid)
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