1. Bundesliga 16/17
| 19.30 Uhr

Viel Kritik an RB Leipzig
Fußball aus der Dose im Fadenkreuz

Kaiserslautern - Leipzig
Kaiserslautern - Leipzig FOTO: dpa, ua fdt
Düsseldorf. Viele sehen in dem Aufstieg von RB Leipzig den Untergang der Fußballkultur hierzulande besiegelt. Dabei sind viele Traditionsvereine vor allem froh, durch das mit Millionen von Red Bull unterstützte Projekt von eigenen Versäumnissen abzulenken. Von Gianni Costa

Der Untergang der Fußballkultur kommt also aus der Dose. Das sagen die Traditionalisten. Das müssen nicht unbedingt ältere Menschen sein. Am Montagabend wurde mal wieder demonstriert – diesmal in Kaiserslautern. Auf dem Betzenberg wetterten beim 1:1 ein paar Tausend Fans mit zum Teil wenig feinsinnigen Beiträgen gegen Rasenballsport Leipzig. Wegen einem davon ermittelt nun sogar der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Auf einem Plakat war das Konterfei des gebürtigen Lauterers Willi Orban im Fadenkreuz zu sehen. Orban, so empfinden es zumindest hartgesottene Fans, hat die Dreistigkeit besessen, nach 18 Jahren im Verein und überschaubaren Entwicklungsmöglichkeiten zu den Sachsen zu wechseln.

RB, mit den Millionen von Investor Red Bull des Österreichers Dietrich Mateschitz innerhalb weniger Jahre von der vierten Liga bis auf einen Aufstiegsplatz der Zweiten Liga aufgestiegen, wird als Bedrohung gesehen. Für viele in Schieflage geratene Traditionsvereine kommt Leipzig gelegen. So kann man prima von eigenen Versäumnissen ablenken und darüber schwadronieren, die Wettbewerbsfähigkeit in den Ligen würde aus den Angeln gehoben. Die gleichen Funktionäre würden sich allerdings die Hände reiben, einen Investor dieses Kalibers zu finden und mit ihm Geschäfte zu machen. Aber natürlich wird das in der Öffentlichkeit und dem eigenen Klientel gegenüber lieber nicht so offensiv vertreten.

In Berlin unterstützt der Hedgefonds KKR die Hertha mit Millionen. Die eigenen Fans wiederum haben unlängst in Hoffenheim lautstark protestiert, weil man die Unterstützung von Milliardär Dietmar Hopp für seinen ehemaligen Dorfverein als unlauter empfindet. In Hamburg hängt der HSV schon seit Jahren am Tropf von Logistikunternehmer Michael Kühne. Fortuna Düsseldorf hat sich einst in finanziell prekärer Lage dem Unternehmer Michael Kölmel (Kinowelt) ausgeliefert, Vermarktungsrechte an ihn abgetreten und sich erst Jahre später wieder aus seinen Fängen befreien können.

Großer Spielraum für "sächsischen Kunstverein"

In Leipzig ist ein Verein vom Reißbrett entstanden. Der Konzern hat dafür eine Anschubfinanzierung von 100 Millionen Euro geleistet. Offiziell firmiert "RB" als Verein. Die Minimalanforderung der Deutschen Fußball Liga (DFL), um bei den Großen mitspielen zu dürfen. In den Statuten nennt sich das 50+1-Regel. Danach muss die Mehrheit der Anteile eben in der Hand eines Vereins liegen. Aktuell hat der Klub 650 Mitglieder, von denen nur 17 stimmberechtigt sind. Der Grund für diese kleine Anzahl liegt an einem Beitrag von knapp 800 Euro im Jahr plus 100 Euro Aufnahmegebühr und diversen Möglichkeiten, unliebsamen Kräften den Eintritt per se zu verweigern. Der "sächsische Kunstverein", wie das Fußballmagazin "11 Freunde" spöttelte, hat von der DFL einen äußerst großzügigen Handlungsspielraum bekommen.

Es ist vermutlich nur der Anfang einer neuen Fußballwelt, in der Klubs wie Leverkusen (Bayer), Wolfsburg (Volkswagen) und Hoffenheim (Dietmar Hopp) schon jetzt eine gewichtige Rolle spielen. Ingolstadt (Audi) und Leipzig greifen an. Doch schon längst sind auch bei vielen Spitzenklubs des Landes Investoren mit an Bord. Bei Rekordmeister FC Bayern sind zum Beispiel Adidas, Allianz und Audi mit jeweils 8,33 Prozent an der ausgliederten Profiabteilung beteiligt. Der größte Anteilseigner ist zwar der FC Bayern München e.V. – doch die Einflussmöglichkeiten der Mitglieder sind in der Praxis begrenzt. Mit dem FSV Mainz 05, dem FC Schalke 04, dem VfB Stuttgart und dem Aufsteiger SV Darmstadt organisieren noch vier eingetragene Vereine den Erstliga-Spielbetrieb im Rahmen ihrer Vereinstätigkeit.

Ralf Rangnick, Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig, will sich auf Sport konzentrieren. "Wir lassen uns nicht nervös machen. Wir haben alles selbst in der Hand", sagt er. Viele dürften genau das als Bedrohung sehen.

Quelle: RP
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