1. Bundesliga 16/17
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Fußball, Eishockey, Formel 1, Extremsport
Das Sport-Imperium von Red Bull

Porträt: Dietrich Mateschitz – Milliardär und Red-Bull-Patriarch
Porträt: Dietrich Mateschitz – Milliardär und Red-Bull-Patriarch FOTO: dpa, woi hae wst nic
Düsseldorf. Red Bull hat ein gewaltiges Sport-Imperium aufgezogen. Der Bundesliga-Aufstieg von RB Leipzig ist nur ein Teil der Konzern-Strategie, die weit über den Fußball hinausreicht.

Das Imperium ist gigantisch. Deutscher Eishockey-Meister: Red Bull München. Österreichischer Fußball-Meister: RB Salzburg. Österreichischer Eishockey-Meister: RB Salzburg. Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga: RB Leipzig. Punktbestes Team der Major League Soccer 2015: New York Red Bulls. Viermaliger Formel-1-Weltmeister: Red Bull. Die unumstrittene Nummer eins im Fun- und Extremsport: Red Bull.

Der Energy-Drink-Riese und sein milliardenschwerer Boss Dietrich Mateschitz, 71, umspannen mit ihrem Sponsoring die Welt. Der Sprung in die deutsche Bundesliga ist nur ein neuer Höhepunkt einer Konzernstrategie, die weit über den Fußball hinausreicht.

Tödliche Unfälle als Schmutzfleck

Sie umfasst halsbrecherische Flüge beim "Red Bull Air Race", Base-Jumping, Gleitschirm-Akrobatik, Spektakuläres auf Schlittschuhen beim "Ice Cross Downhill", Skateboard, Motocross, Free Running und nahezu alles, was sonst noch jung und hip ist. Dabei kommt es naturgemäß zu Unfällen. Einige verliefen tödlich. Wie fragwürdig Red Bull mit Opfern und deren Angehörigen umgeht, war in der ARD-Doku "Die dunkle Seite" zu sehen. Ein Schmutzfleck.

Nach außen dagegen: immer eitel Sonnenschein. Formel-1-Pilot Daniel Ricciardo, Mark Webber sowie der Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier grinsten am Sonntag in die Kamera: Mateschitz hatte sie zum Jubeln nach Leipzig beordert.

Synergien werden bei Red Bull eben genutzt, wo es nur geht, Einschnitte gnadenlos unternommen. Und Mateschitz, "happy und überglücklich" mit dem Aufstieg, ist Red Bull. Er regiert mit einer Mischung aus cleveren Investments, resoluten Entscheidungen und erstklassigem Marketing.

Mateschitz regiert wie ein römischer Kaiser

Die Mittel gefallen nicht jedem. Manch einem mag der reichste Österreicher (acht Milliarden Euro Vermögen) wie ein römischer Kaiser vorkommen, der sein Imperium stetig auszudehnen sucht. Dafür setzte er 2009 den erfahrenen Bundesliga-Manager Dietmar Beiersdorfer ein, um die Fußball-Projekte in Salzburg, New York und Leipzig zu verantworten. Dieser übergab seine Stellung an Ralf Rangnick, heute RB-Trainer.

Im selben Jahr übernahm RB Leipzig die Fünftligalizenz des SSV Markranstädt und ritt in sieben Jahren in die Bundesliga durch. Parallel verdoppelte sich der Konzern-Umsatz – auf nun 5,9 Milliarden Euro, erwirtschaftet von fast 11.000 Mitarbeitern in 169 Ländern. 2015 wurden mehr als 5 Milliarden silberblaue Dosen verkauft.

Die Zügel sind stets fest in den Händen der von Mateschitz eingesetzten Personen. Auch in Leipzig: Dort sind es der Vorstandsvorsitzende Oliver Mintzlaff und zwei weitere Vorstandsmitglieder. Zu Beginn gab es neun stimmberechtigte Vereinsmitglieder, der Jahresbeitrag lag bei 800 Euro. Auf Geheiß der Deutschen Fußball Liga (DFL) wurde auf 14 aufgestockt.

Dennoch: Die Möglichkeit der Einflussnahme bleibt auf ein kalkulierbares Minimum beschränkt. "Wir sind ein völlig transparentes Unternehmen", konterte Mateschitz 2014, als er mit der undurchsichtigen Konzernstruktur konfrontiert wurde.

Mitarbeiter wollen Betriebsrat gründen – und werden entlassen

Wie sehr aber von Red Bull betriebene oder gesponserte Organisationen von ihm abhängig sind, zeigte sich Anfang Mai. Alle der mehr als 200 Angestellten der hundertprozentigen Red-Bull-Tochter Servus TV wurden entlassen, nachdem einige versucht hatten, einen Betriebsrat zu gründen. Offizieller Grund: mangelnde Rentabilität. Red Bull zog die Kündigung zurück, als die Belegschaft erklärte, doch keinen Betriebsrat zu wollen.

So resolut Red Bull im Inneren agiert, so aufgeschlossen begegnet das Unternehmen kreativen Ideen. Verrücktheiten wie der Überschall-Sprung des Extremsportlers Felix Baumgartner bilden seit jeher das Gerüst der Marketing-Aktivität. Den Stratosphärensprung 2012 übertrugen 200 TV-Sender live. Der Werbewert: unschätzbar.

Das Potenzial einer Idee zu bewerten, ist neben der finanziellen Übermacht die große Stärke von Mateschitz. "Es geht immer um dasselbe: Leistungspotenzial und Leistungsbereitschaft", sagt er. In Leipzig vereinte er beides. "Red Bull trifft auf eine am Boden zerstörte Fußballstadt. Derzeit könnte der Teufel persönlich kommen, wenn er ein paar Millionen dabei hat", sagte Matthias Gärtner vom "Bündnis Aktiver Fußballfans" 2009 im "Spiegel". Mateschitz hat die Nachfrage erkannt – und das Angebot geschaffen.

Ähnlich verlief die Entwicklung von Red Bull München. Der Eishockey-Verein dümpelte im Mittelfeld dahin. Mateschitz kombinierte Weltstadt-Flair mit Sportbegeisterung und Geld – er wurde innerhalb von vier Jahren Meister.

Mittelfristig soll allerdings der Meistertitel in der Fußball-Bundesliga her. "Irgendwann wird es so sein", prophezeite Mateschitz 2014. Das wiederum hört man in München nicht so gern.

(sid)
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