Wilhelmshaven kämpft ums Überleben: Regionalliga Nord: Spreu trennt sich vom Weizen
zuletzt aktualisiert: 20.08.2000 - 18:22Leipzig (dpa). Begleitet von allerlei Nebengeräuschen trennt sich bereits nach dem vierten Spieltag der Fußball-Regionalliga Nord zwischen Lübeck und Aue die Spreu vom Weizen. Während der FC Erzgebirge Aue ohne Gegentor vor den gleichfalls noch ohne Punktverlust dastehendem 1. FC Union Berlin die Szenerie beherrscht, kämpft der Vorletzte SV Wilhelmshaven sportlich und wirtschaftlich ums Überleben. Im Westen ließen Essen und Köln noch nach dem Spiel die Muskeln spielen, während Sachsen Leipzig mit fünf Platzverweisen schon jetzt keine Ansprüche mehr auf einen Fair-Play-Preis anmelden kann.
Die Hiobsbotschaft des Wochenendes ereilte Wilhelmshaven. Nachdem sich Trainer Hans-Werner Moors und seine Mannschaft am Freitag über das 2:2 gegen Preußen Münster und den ersten Punktgewinn gefreut hatten, wurde bekannt, dass das Amtsgericht drei Insolvenzanträgen gegen die mit 1,5 Millionen Mark verschuldeten Niedersachsen stattgegeben hat. Das Ansinnen der Gläubiger kommentierte der SVW- Vorstand lapidar: "Wir haben die Forderungen inzwischen beglichen und sehen den Konkursantrag als gegenstandslos an.
Wie am Schnürchen läuft es beim FC Erzgebirge Aue. Mit Glück und Geschick verteidigte der Spitzenreiter beim 1:0 in Verl seine weiße Weste, doch Trainer Gerd Schädlich trat vor dem Spitzenspiel am Mittwoch gegen Uerdingen energisch auf die Euphorie-Bremse. "Man hat gesehen, dass wir keine Übermannschaft sind. Aber wenn man vorn steht, gewinnt man solche Spiele." Verl stand zwei Mal der Pfosten im Weg. Außerdem verschoss Christian Meyer einen Foulelfmeter.
Frust herrschte bei Fortuna Köln. Die Südstädter verloren das Westduell gegen Rot-Weiß Essen mit 0:1 und kassierten ihre erste Niederlage. In einer hektischen Partie an der Hafenstraße sah Fortuna-Torwart Peter Martin nach einer Tätlichkeit gegen Stürmer Ulf Raschke die rote Karte. Nach dem Spiel gerieten im Kabinengang Essener Ordner und RWE-Obmann Jürgen Grundheber mit Fortuna Kölns Manager Matthias Mink und Angreifer Marco Antwerpen aneinander.
Leipzig noch immer sieglos
Handfest ging es auch in Uerdingen zu, wo sich der FC Sachsen Leipzig 1:1 vom gastgebenden KFC trennte. Den Uerdingern reichte ein Punkt, um hinter den noch ungeschlagenen Mannschaften von Union Berlin (3:0 gegen Wattenscheid) und Preußen Münster Platz vier zu behaupten. Die Leipziger indes sind noch immer sieglos, weil sie sich Woche für Woche selbst schwächen. Rot ist Trumpf beim FC Sachsen: Nach vier Spieltagen stehen fünf Platzverweise zu Buche. Auch Trainer Volkan Uluc wurde in Uerdingen auf die Tribüne verbannt.
Von der Tribüne aus verfolgte in Dresden der erleichterte DSC- Präsident Thomas Dathe, wie seine Mannschaft den bisherigen Tabellen-Zweiten SV Babelsberg mit 3:0 bezwang und durch den ersten Saisonsieg versuchte, die Negativschlagzeilen abseits des Rasens in den Hintergrund zu drängen. Der DSC hatte sich in der vergangenen Woche von zwei Mitarbeitern getrennt, die mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht werden. Stürmer Hendryk Lau erzielte nach 117-tägiger Verletzungspause bei seinem Debüt im DSC-Dress gegen seinen Ex-Verein das dritte Tor.
Zurückgemeldet hat sich auch die Düsseldorfer Fortuna, der mit Trainer Aleksandar Ristic am Freitag beim 3:1 in Dortmund der erste Saisonsieg gelang. Der VfB Lübeck (1:0 gegen TeBe) und Eintracht Braunschweig bleiben auf Tuchfühlung zur Spitze. Braunschweigs Tunesier Kais Manai riss Schlusslicht Lüneburger SK mit seinen zwei Treffern zum 2:1 aus allen Träumen vom ersten Punktgewinn.
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