Amtsgericht löst FC Gütersloh auf: Regionalligist hat sieben Millionen Mark Schulden
zuletzt aktualisiert: 14.02.2000Gütersloh (sid). Das Aus für den Fußball-Regionalligisten FC Gütersloh ist besiegelt: 90 Minuten vor dem angesetzten Gläubigertreffen am Montag beim Amtsgericht in Bielefeld waren zwei Sponsoren, die zunächst angekündigt hatten, den mit etwa sieben Millionen Mark verschuldeten Verein mit einer Finanzspritze von insgesamt 1,1 Millionen Mark vor dem Konkurs zu retten, abgesprungen.
Grund: Durch das Finanzamt waren Nachforderungen in Höhe von mehreren hunderttausend Mark gestellt worden. Das Amtsgericht beschloss, den FC Güterloh mangels Konkursmasse aus dem Vereinsregister löschen zu lassen, weil das angestrebte Insolvenzverfahren nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte.
Nach dem KSV Hessen Kassel (97/98) ist der FC Gütersloh der zweite Regionalligist, der sich vom laufenden Spielbetrieb zurückzieht. Der FCG nimmt damit ab sofort nicht mehr am Spielbetrieb teil. Alle bisher in der Regionalliga ausgetragenen Punktspiele des FC Gütersloh werden nicht gewertet. Das für den kommenden Sonntag bei Fortuna Düsseldorf terminierte Regionalligapunktspiel wurde bereits am Montagmittag abgesagt.
Die Spieler können als Amateure mit sofortiger Wirkung den Verein verlassen. Der FC Gütersloh hatte Ende November wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zum Zwecke der Verhinderung eines Konkurses gestellt. Nach wochenlangem Verhandlungsmarathon mit den Gläubigern, darunter auch die Stadt Gütersloh und das Finanzamt als Hauptgläubiger, war ein Insolvenzplan erstellt worden.
Hauptgläubiger sollten verzichten Danach sollten die Hauptgläubiger zum Teil verzichten und die Kleingäubiger mit "mindestens 1,5 Prozent ihrer Forderungen" in einer Gesamthöhe von 300.000 Mark" abgefunden werden. Während die Stadt Gütersloh bereit war, Vereinsschulden für den Bau einer Flutlichtanlage (800.000 Mark) und fällige Gewerbesteuer (500.000 Mark) zumindest so lange zu stunden, bis der Verein wieder Gewinn macht, wurde vier Tage vor der entscheidenden Gläubigerversammlung eine Nachforderung des Finanzamtes in Höhe von 800.000 Mark als Steuer auf den zu erwartenden Sanierungsgewinn von rund zwei Millionen Mark bekannt.
Bemühungen der Insolvenzverwalterin Cornelia Mönert (Bielefeld), die Lücke kurzfristig durch weitere Verzichte der Gläubiger und neue Sponsoren zu schließen, konnten nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden, nachdem die beiden Neuinvestoren aus Hamburg und München keine Bereitschaft erkennen ließen, die Nachforderungen durch eine Aufstockung des Sponsorbeitrages abzudecken. Daraufhin musste die Insolvenzverwalterin ihren Sanierungsplan zurückziehen.
Für die neue Saison 2000/2001 in der zukünftigen zweigeteilen Regionalliga hat der Deutsche Fußballbund (DFB) Wirtschaftlichkeitsprüfungen eingeführt.
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