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Fußball Wettskandal panorama symbol ddp 2009
  Foto: ddp, ddp
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Wettskandal: Reichenberger gibt Ehrenerklärung ab

zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 21:16

Frankfurt/Main (RPO). Der Fußball-Profi Thomas Reichenberger wehrt sich gegen Vorwürfe, in den größten Wettskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs verstrickt zu sein. Er soll zusammen mit zwei Mannschaftskollegen an der Manipulation von Spielen des VfL Osnabrück beteiligt gewesen sein.

Thomas Reichenberger sprach am Samstag zu den Fans.  Foto: screenshot zdf
Thomas Reichenberger sprach am Samstag zu den Fans. Foto: screenshot zdf

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge stehen im Zusammenhang mit dem Wettskandal drei Spieler unter Verdacht. Alle waren in der vergangenen Saison für den VfL Osnabrück aktiv. Der Klub stieg in der Spielzeit aus der Zweiten Liga ab. Auch gegen den Viertligisten SSV Ulm soll es offenbar mehrere Verdachtsmomente geben, ebenso gegen einen DFB-Schiedsrichter.

Bei den Spielern soll es sich um die beiden Ex-Bundesliga-Profis Thomas Cichon und Thomas Reichenberger handeln, außerdem um Marcel Schuon.

Reichenberger griff am Samstag vor dem Drittligaspiel gegen die Zweitvertretung von Borussia Dortmund zum Mikrofon. Die Mannschaft stellte sich geschlossen hinter ihren Kapitän, wie im Live-Ticker des Vereins zu lesen steht. Demnach versicherte Reichenberger in seiner Ansprache, mit dem Wettskandal nicht in Verbindung zu stehen. Zu derartigen Kreisen habe er keine Kontakte. Die VfL-Fans feierten den Profi Reichenberger-Sprechchören. Während des Spiels saß Reichenberger auf der Bank. Laut Wikipedia ist Reichenberger ein leidenschaftlicher Poker-Spieler.

Auch der beschuldigte Thomas Cichon äußerte sich mittlerweile zu den Anschuldigungen. Der Fußball-Profi, der mittlerweile in Südafrika spielt, sagte laut "Welt online": "Ich weiß nicht, dass gegen mich ermittelt wird. Wer mich kennt, der weiß, was los ist, damit habe ich nichts zu tun. Das ist reine Spekulation."

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Weitere Infos rund um den Skandal

Bei Schuon, der mittlerweile beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag ist, stand am Donnerstag die Polizei vor der Tür. "Das stimmt", bestätigt Sandhausen-Präsident Jürgen Machmeier laut "Sport Bild online". Schuon wurde deswegen nicht für die Partie am Samstag gegen Bremen II nominiert. "Wir wollen nur Spieler einsetzen, die voll bei der Sache sind", sagte Machmeier. Der Verein habe mit Schuon und dessen Lebensgefährtin intensiv gesprochen. "Er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat", sagte Machmeier.

Laut "Spiegel" ist der Regionalligist SSV Ulm offenbar tiefer in den Wettskandal verwickelt als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht.

SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: "Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat." Auch ein Schiedsrichter des DFB solle bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben.

Bosnischer Klub im Visier

Der bosnische Fußball-Klub NK Travnik soll im Zuge des europäischen Wettskandals ein Testspiel gegen den Schweizer Super-League-Verein FC Sion manipuliert haben. Dies erklärte FCS-Präsident Christian Constantin in einem Radio-Interview. Der Gegner der Walliser habe die Begegnung in Portalban "verkauft", Untersuchungen sollen anlaufen, so Constantin.

Laut des Klub-Chefs habe sich Travnik mit Hilfe von asiatischen Wettanbietern ein Trainingslager im Sommer in der Schweiz finanziert. Sion hatte das Duell 4:1 gewonnen, und "gedacht, ein gutes Spiel absolviert zu haben. Doch es scheint, als hätten uns die Bosnier absichtlich machen lassen", sagte Constantin.

DFB und Ligaverband kündigen rigoroses Vorgehen an

Die Hauptbeschuldigten aus der sogenannten "Führungsebene" stammen dem "Spigel" zufolge aus Berlin, Nürnberg, dem Ruhrgebiet und einer Stadt bei Osnabrück. Sie sollen von Deutschland aus etwa 200 Fußballspiele in Europa für ihr Wettgeschäft manipuliert haben. In Belgien soll die Bande sogar einen Zweitligisten mit korrumpierbaren Spielern unterwandert haben.

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In Deutschland gibt es mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle. Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt, davon zwei in der Schweiz und 15 in Deutschland. Der Schaden wird derzeit auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. Nach Einschätzung der Ermittler "nur die Spitze des Eisbergs".

DFB und Ligaverband kündigten an, rigoros durchgreifen zu wollen und sagten Polizei und Staatsanwaltschaft Hilfe bei der Aufklärung zu. DFB-Präsident Theo Zwanziger will in Deutschland beteiligte Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre so schnell wie möglich bestrafen. "Sobald wir Beweise haben, wird das DFB-Sportgericht schon vor den rechtmäßigen Urteilen Maßnahmen treffen. Sollte sich das als wahr herausstellen, haben die Leute bei uns nichts mehr zu suchen. Jeder, der an den Manipulationen beteiligt ist, ist einer zu viel", sagte Zwanziger am Samstag beim Deutschen Turntag in Koblenz.

Kritik von Rauball

Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball hat Kritik an der Informationspolitik der Staatsanwaltschaft Bochum im neuen Wett- und Manipulationsskandal geübt. "Wir sind nicht ganz glücklich damit, dass die Betroffenen nicht eingeweiht wurden. Wir sind erst aus der Pressekonferenz heraus informiert worden", sagte Rauball im Interview bei Sky: "Wir hätten gerne bei der Aufklärung mitgewirkt."

Gleichzeitig bot er der Staatsanwaltschaft Hilfe an. "Wir arbeiten gerne mit, aber wir wären gerne in bestimmte Sachverhalte eingeweiht." Zudem glaubt Rauball nicht, Betrug in Zukunft vollständig verhindern zu können. "Wenn wir etwas Neues entwerfen, um das zu verhindern, sind diejenigen, die es umgehen werden, auch schon auf der Welt", sagte er.

Quelle: AP/chk

 
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