Borussia Mönchengladbach: Reus steht im Blickpunkt
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.01.2012 - 07:44Düsseldorf (RP). Der Weg war nicht weit. Nicht mal fünf Meter lagen gestern beim Wintercup in der Düsseldorfer Esprit-Arena zwischen den Kabinen von Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund.
Marco Reus, der jüngst seinen Wechsel von der rheinischen zur westfälischen Borussia angekündigt hat, kam aber nicht vom Weg ab. "Er saß neben mir, ich habe darauf geachtet, dass alles richtig ist", berichtete sein Gladbacher Teamkamerad Thorben Marx. Natürlich lief Reus dann auch für die Borussia auf, bei der er noch angestellt ist. Allerdings nur im ersten Spiel gegen Bremen, das sich seine künftigen Kollegen dann auch interessiert anschauten.
Da hatten Dortmunds Fans, die ansonsten durch den Einsatz von Feuerwerksköpern negativ auffielen, dem Bald-Dortmunder allerdings ausgiebig zugejubelt, wohl auch, um die Konkurrenz aus Mönchengladbach zu ärgern. Reus und Roman Neustädter, der im Sommer zum FC Schalke 04 gehen wird, bekamen vom eigenen Anhang indes keine bösen Pfiffe zu hören. Gleichwohl werden die beiden Freunde, die ab Sommer dann für die konkurrierenden Revierklubs spielen, durchaus unter genauer Beobachtung stehen: Geben sie noch alles für Gladbach? 17 Erstligaspiele bleiben, um eine eindeutige Antwort auf diese Fragen zu erhalten. Das erste ist das Topspiel am Freitag gegen den Rekordmeister Bayern München. Reus wird da ganz sicher spielen - und wohl auch Neustädter, der bislang der Platzhirsch war im defensiven Mittelfeld.
Es sei denn, einer der beiden Neulinge, Tolga Cigerci oder Alexander Ring, hat schon jetzt Trainer Lucien Favre nachhaltig überzeugt: Cigerci jedenfalls spielte im verlorenen Finale an der Seite des sonst mit Neustädter gesetzten Harvard Nordtveit. Während Neustädter gegen Werder unauffällig blieb, war Reus produktiv. Er legte Thorben Marx den 2:0-Endstand auf und deutete vorher bei einem in letzter Konsequenz gestoppten Sololauf seine außerordentlichen Qualitäten an. Reus will halt spielen, und das möglichst gut - bis er Dortmunder ist, eben für Gladbach.
Weniger gern will er über seine schwarz-gelbe Zukunft sprechen. "Ich habe die Entscheidung getroffen, jetzt geht es weiter", gab er zu Protokoll und wirkte angesichts der Frage nicht eben erfreut. Das Finale seiner Kollegen gegen Fortuna Düsseldorf (0:1) sah sich Reus von draußen an, wie auch die Dortmunder, die zuvor im Spiel um Platz drei Bremen 1:0 besiegt hatten. Da wird es das eine oder andere Gespräch gegeben haben. Dass der angekündigte Reus-Abgang die Gladbacher aber allzu sehr ablenkt, befürchtet Verteidiger Martin Stranzl nicht. "Das ist für uns kein Thema. Es wird natürlich viel geschrieben und geredet, aber das darf uns nicht beeinflussen. Wir sind beim Verein angestellt und müssen 100 Prozent Leistung bringen", sagte Stranzl.
Die hat Reus für den Rest seines Gladbach-Daseins längst versprochen. Borussias Fans hatten im Trainingslager in der Türkei noch ihren Unmut geäußert, gestern aber gab es keine Pfiffe gegen ihn. „Das wäre auch nicht in Ordnung. Er hat schon viel für Borussia geleistet“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Und ab heute ist Dortmund auch nicht mehr gleich um die Ecke wie gestern in der Esprit-Arena.
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