Portugal - England 2:2 (1:1, 0:1) n.V., 6:5 i.E.: Ricardo stürzt Portugal in einen Freudentaumel
zuletzt aktualisiert: 24.06.2004 - 23:41Lissabon (rpo). Portugal hat bei der Europameisterschaft im eigenen Land als erste Mannschaft das Halbfinale erreicht. In einem rassigen und hochklassigen Viertelfinale bezwang die Mannschaft von Luis Felipe Scolari England, das bisher offensivstärkste Team des Turniers, mit 6:5 nach Elfmeterschießen. Nach 90 Minuten hatte es 1:1, nach der Verlängerung 2:2 gestanden.
Damit darf die "goldene Generation" der Portugiesen um Kapitän Luis Figo weiter vom ersten großen Titel träumen. Im Elfmeterschießen verschoss Englands Kapitän David Beckham gleich den ersten Elfer. Dann tat es im Rui Costa nach. Schließlich scheiterte Darius Vassell an Torhüter Ricardo. Und der Keeper verwandelte den entscheidenden Elfmeter zum Triumph. Der für Figo eingewechselte Helder Postiga von Tottenham Hotspur hatte in der 83. für den fast nicht mehr für möglich gehaltene 1:1-Ausgleich für Portugal im Estadio da Luz von Lissabon, der einem Hexenkessel glich, gesorgt. In der Verlängerung markierte zunächste Rui Costa (110.) das 2:1 für die "Seleccao". Doch Frank Lampard (115.) schaffte erneut den Gleichstand.
Schon beim 1:1-Ausgleich stand Figo nicht mehr auf dem Platz. In der 75. Minute wurde der Offensivspieler von Real Madrid von Trainer Luiz Felipe Scolari überraschend ausgewechselt. Figo, der wahrscheinlich sein letztes Länderspiel bestritt, verschwand sichtlich verärgert sofort in der Kabine. In der 89. Minute standen die Engländer im ersten Viertelfinale bereits vor der Entscheidung. Ein Kopfball von Owen landete an der Latte, den Abpraller köpfte Sol Campbell ins portugiesische Tor. Doch Schiedsrichter Urs Meier (Schweiz) verweigerte dem Treffer zu Recht die Anerkennung, weil John Terry Torwart Ricardo im Fünfmeterraum behindert hatte.
Ausnahmezustand nach dem Abpfiff
Das 10-Millionen-Einwohnerland befand sich nach dem Abpfiff im Ausnahmezustand. Zehntausende feierten die "Seleccao" mit Hupkonzerten und Autokorsos. Die englische Auswahl um Kapitän David Beckham schied hingegen wie bei der WM 2002 im Viertelfinale aus; zum bislang einzigen Mal standen die "Three Lions" 1996 als Gastgeber im EM-Semifinale gegen Deutschland. Die Briten hatten durch das frühe Tor von Michael Owen (3.) lange Zeit mit 1:0 geführt. Portugal trifft im Semifinale am kommenden Mittwoch (30. Juni) im Estadio Jose Alvalade von Lissabon auf den Sieger der Viertelfinalpartie zwischen Schweden und Deutschlands Vorrundengegner Niederlande treffen.
Ausgerechnet der zuletzt in fünf Länderspielen erfolglose Owen, der bislang im Turnierverlauf deutlich im Schatten von Shootingstar Rooney gestanden hatte, erzielte das Führungstor. Der Ausfall des vierfachen Euro-Torschützen Rooney mit einer Knöchelverletzung schon in der 27. Minute konnte von den Schützlingen von Teammanager Sven-Göran Eriksson lange Zeit gut kompensieren. Beide Mannschaften lieferten sich allerdings einen leidenschaftlichen Kampf mit atemberaubenden Torszenen, Tempo und spielerischer Klasse. "Ein hochklassiges Fußballspiel", kommentierte Franz Beckenbauer im ZDF, "Owen wirkt heute nach zwei enttäuschenden Auftaktspielen fast befreit."
Die Engländer, die wegen eines Anfang der Woche erstochenen englischen Fans mit Trauerflor spielten, agierten sehr klug aus einer sicheren Abwehr heraus und spielten sehr geradlinig. Hingegen wirkten die Portugiesen zu verspielt. Bejubelt wurde doch zunächst Owen, der sein 26. Länderspieltor erzielte. Das frühe Tor wirkte wie ein Weckruf für den Euro-Gastgeber, der prompt mit aggressiven Angriffen antwortete. So vergab Nuno Gomes (10.) per Kopf aus nur sieben Metern. Die 60.000 Zuschauer, unter ihnen rund 30.000 lautstarke englische Anhänger, erlebten nach dem Führungstor eine unterhaltsame und temporeiche Partie.
Rooney mit Knöchelverletzung
Pech für England: In der 27. Minute humpelte der 18 Jahre alte Rooney vom Platz, für ihn kam Darius Vassell. Bei einem Zweikampf mit Andrade hatte sich Rooney offensichtlich eine Verletzung am Knöchel zugezogen. Für ihn rückte erneut Owen ins Rampenlicht. Im zweiten Durchgang versuchten die Portugiesen, den Druck zu erhöhen, taten sich gegen die starke englische Abwehr aber sehr schwer. Erst ein 18-m-Distanzschuss des eingewechselten Simao (66.) sorgte für Aufregung bei den Briten. Der Sturmlauf der Gastgeber wurde durch das 1:1 belohnt.
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STIMMEN ZUM SPIEL
Trainer Luiz Felipe Scolari (Portugal): "Wir haben die ganze Zeit an den Sieg geglaubt. Es war ein phantastischer, ein wunderbarer Tag. Ricardo hat mit seinem Elfmeter unserer Leistung die Krone aufgesetzt. Ich wollte Portugal ins Halbfinale bringen, das habe ich geschafft. Wir müssen uns ein bisschen erholen, um am Mittwoch im Halbfinale wieder fit zu sein."
Teammanager Sven-Göran Eriksson (England): "Wir waren nicht glücklich mit einigen Entscheidungen des Schiedsrichters. Aber ich will das nicht weiter kommentieren. Der Geist der Mannschaft war phanastisch, die Spieler waren phantastisch, die Spieler waren phantastisch - dann so zu verlieren, das ist sehr hart."
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STATISTIK ZUM SPIEL
Portugal: Ricardo - Miguel (78. Rui Costa), Jorge Andrade, Ricardo Carvalho, Nuno Valente - Maniche, Costinha (63. Simao), Deco - Cristiano Ronaldo, Nuno Gomes, Figo (75. Helder Postiga)
England: James - Gary Neville, Terry, Campbell, Ashley Cole - Beckham, Lampard, Gerrard (81. Hargreaves), Scholes (56. Philip Neville) - Owen, Rooney (27. Vassell)
Schiedsrichter: Urs Meier (Schweiz)
Tore: 0:1 Owen (3.), 1:1 Helder Postiga (83.), 2:1 Rui Costa (110.), 2:2 Lampard (115.)
Zuschauer: 65.000 (ausverkauft)
Beste Spieler: Figo, Deco, Rui Costa - Ashley Cole, Campbell
Gelbe Karten: Ricardo Carvalho, Deco, Costinha - Gerrard, Gary Neville, Philip Neville
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