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Härtester Schuss am Niederrhein
Oberliga-Spieler knockt Roboter-Torwart aus

RoboKeeper gegen Oberliga-Spieler
Dortmund. Mensch gegen Maschine – dieses Duell diente zahlreichen Kino-Hits wie Matrix oder Terminator als Grundlage. Markus Zimmermann, Oberliga-Spieler beim TV Kalkum-Wittlaer, hat sich nun getraut: Er trat gegen den RoboKeeper an, einen Torhüter, der von einem Motor gesteuert wird. Und dabei schaffte Zimmermann etwas, was selbst Weltfußballer Lionel Messi nicht vollbrachte: Er schoss den RoboKeeper k.o. Von Stephan Seeger

Zimmermann legt sich den Ball auf den imaginären Elfmeterpunkt, der an diesem Freitagabend in einer Entwicklungshalle des Fraunhofer-Instituts in Dortmund allerdings nur acht Meter vom Tor entfernt ist. Das ist die Standard-Entfernung bei Duellen gegen den RoboKeeper. Bei seinen ersten Versuchen beschleunigt Zimmermann den Ball auf knapp 100 Stundenkilometer. Kein Problem für den RoboKeeper.

Von Schuss zu Schuss werden Zimmermanns Versuche schneller, am Ende erreicht er 113 km/h. So hart wie beim Schuss-Contest des Amateurportals "Fupa", bei dem der 25-Jährige mit 132 km/h den ersten Platz belegte, schießt er an diesem Tag jedoch nicht. Und immer wieder scheitert der Innenverteidiger am RoboKeeper.

Doch wieso pariert der RoboKeeper nahezu jeden Ball? Die Technik macht's. Über den Torpfosten sind zwei Kameras installiert, die 90 Bilder pro Sekunde aufnehmen. Diese Bilder werden beim Schuss in Echtzeit an den Motor übertragen, der den RoboKeeper in die richtige Ecke schickt. Der Ball, mit dem geschossen wird, muss sich farblich vom Untergrund massiv abheben. "Wir haben uns für rot entschieden, weil es ein guter Kontrast zum grünen Untergrund ist und rote Bälle auch im Handel erhältlich sind", erklärt Timm Ulrich, der das RoboKeeper-Projekt als Vermarkter leitet.

Oberliga-Spieler tritt gegen RoboKeeper an FOTO: Christian Kurth

17 Mal schneller als ein Formel-1-Auto

Der Torhüter, der aus Schaumstoff besteht und von Stahlträgern gehalten wird, damit er nicht kaputt geht, beschleunigt innerhalb von ein paar Millisekunden auf 50 Stundenkilometer. "17 Mal schneller als ein Formel-1-Auto", erklärt Ulrich.

Ulrich ist geschäftsführender Gesellschafter der Sportmarketing- und Eventagentur "4attention" mit Sitz in Köln. Ulrich und drei Kommilitonen, die alle an der Sporthochschule in Köln studierten, gründeten 2002 die Agentur. Bis zur "Geburt" des RoboKeepers dauerte es allerdings bis 2007.

"Die Idee mit dem RoboKeeper ist über ein Handball-Projekt entstanden. Wir haben eruiert, wie man einen automatischen Torhüter bauen kann und sind bei Recherchen auf das Fraunhofer-Institut gestoßen. Dieses hatte zeitgleich ein Studentenprojekt, bei dem es um die Entwicklung eines Fußball-Torhüters ging. Wir haben dann ein gemeinsames Projekt gestartet, das bis heute anhält", erklärt Ulrich die Zusammenarbeit mit dem technischen Institut. Der Deal: "Das Fraunhofer-Institut ist der Entwickler und der Produzent der Anlagen, wir haben die weltweit exklusiven Rechte für die Vermarktung."

Rund 20 Schüsse hat Zimmermann mittlerweile auf den schier unbezwingbaren Torhüter im Trikot des Bundesligisten Borussia Dortmund abgegeben, getroffen hat er noch nicht. "Ich versuche es weiter, irgendwann muss ich ja mal treffen", gibt sich der Schütze optimistisch. Würde er die 132 km/h vom Schuss-Wettkampf erreichen, bekäme der RoboKeeper Probleme. "Da würden sicher einige Bälle mehr ins Tor gehen bei dieser Geschwindigkeit", sagt auch Ulrich.

Zwei Versprechen an den Trainer

Zimmermann schafft es zwar noch auf die besagten 113 km/h, an seine Bestleistung kommt er aber nicht heran. "Die Bedingungen sind hier auch nicht so gut", sagt der Innenverteidiger bei einer kurzen Schuss-Pause. Was er meint: In der Halle gibt es keinen Kunstrasen, er trägt keine Stollenschuhe und will sich auf dem glatten Boden auch nicht verletzen, schließlich ist Zimmermann mit seinem Klub mitten in der Vorbereitung auf die Rückrunde. "Ich habe meinem Trainer versprochen, kein Risiko zu gehen", sagt er.

Dann, als er schon nicht mehr dran glaubt, ist es endlich so weit. Zimmermann überwindet seinen Gegner mit einem sehr platzierten, harten Schuss unten rechts in die Ecke. "Bis dahin hat der RoboKeeper den weitesten Weg. Wenn man treffen will, muss man genau dahin oder oben in den Winkel zielen, denn da kommt er nicht hin, zumindest dieser hier nicht", erklärt Ulrich: "Oder ich stelle die Schwierigkeitsstufe runter".

Insgesamt sieben verschiedene gibt es, Zimmermann schießt natürlich auf die höchste. Bei Stufe eins bewegt sich der Robokeeper kaum. Seine Agentur bastelt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut derzeit an einem Modell, dass sogar springen kann und auf Rollen nach links und rechts fährt. Einfacher wird es für die Schützen also nicht.

Derzeit befinden sich 18 RoboKeeper in Besitz der Agentur. Die meisten sind jedoch nicht in Deutschland gelagert, sondern im Ausland. "Wenn wir die jedes Mal von hier aus einladen müssten, würden die Kosten explodieren", sagt Ulrich. 600 Kilogramm wiegt alleine die Stahlvorrichtung für den 7000 Euro teuren Motor, hinzu kommen die Gerüste rund um die Anlage. "Die Kosten würde kein Kunde tragen", sagt Ulrich.

Confederations Cup und Pokalfinale

Doch wer gehört eigentlich zu den Kunden, die den RoboKeeper mieten? "Das können Firmen sein, die ihn als Event auf einer Jubiläumsfeier für die Mitarbeiter aufbauen wollen. Meistens sind es aber Sponsoren von größeren Ereignissen wie dem Confederations Cup oder dem DFB-Pokalfinale in Berlin", sagt Ulrich. Bei der WM 2014 war der Roboter-Torhüter allerdings nicht im Einsatz.

Mensch gegen Maschine: Messi und Neymar fordern RoboKeeper FOTO: 4attention

Auch für Videodrehs mit den Fußball-Stars wie Lionel Messi, Neymar und Co. Wird der RoboKeeper genutzt – wobei die Profis auch oft scheitern. Offiziell traf Messi in einem Video einen von drei Versuchen und beschleunigte den Ball dabei auf 133 km/h. "Inoffiziell war die Quote deutlich schlechter", verrät Ulrich, ohne die genaue Trefferquote zu nennen.

Auch Zimmermann erinnert sich daran, was er seinem Trainer noch versprochen hat. "Ich habe ihm gesagt, dass ich versuche, den RoboKeeper kaputt zu schießen", sagt der Oberliga-Spieler mit einem Lächeln im Gesicht. Und tatsächlich: Nach rund 40 Schuss gibt der bis dato beinahe Unbezwungene seinen Geist auf und reagiert nicht mehr so, wie er soll. Auch Ulrich kann sich das nicht erklären. "Das hatte er noch nie, nicht einmal bei Messi oder Neymar", sagt er. "Ich gehe stark davon aus, dass das mit der Programmierung zu tun hat. Die läuft schon teilweise für den springenden RoboKeeper. Die Software unterscheidet sich von der von uns eingesetzten Software", erklärt Ulrich. Heißt auch: So etwas wie in Dortmund wird bei den anderen 17 RoboKeeper nicht passieren, denn dies sind keine "Versuchsobjekte".

Zimmermann hat seine Ziele jedenfalls erreicht: Mindestens ein Treffer (am Ende waren es zwei), Torhüter kaputt geschossen. Das kann nicht jeder Mensch von sich behaupten, der sich mit der Maschine duelliert hat.

(seeg)
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