England - Schweiz 3:0 (1:0): Rooney schreibt EM-Geschichte
zuletzt aktualisiert: 17.06.2004 - 19:59Coimbra (rpo). Die englische Nationalmannschaft bleibt im Rennen um einen Platz im Viertelfinale. Die Auswahl von Trainer Sven-Göran Eriksson bezwang in Coimbra die Schweiz mit 3:0 (1:0) und landete damit nach ihrer 1:2-Auftaktniederlage gegen Titelverteidiger Frankreich ihren ersten Sieg in der Gruppe B.
Vor 28.214 Zuschauern erzielten Wayne Rooney (23. und 75.), der mit 18 Jahren, sieben Monaten und 24 Tagen zum jüngsten Torschützen in der 44-jährigen EM-Geschichte avancierte, sowie Steven Gerrard (82.) die Treffer für die Briten. Im nicht ausverkauften Estadio Cidade von Coimbra erzielte Rooney nach einer feinen Kombination über David Beckham und Michael Owen per Kopf das zu diesem Zeitpunkt überraschende 1:0 der Engländer (23.). Beim zweiten Tor half Bundesliga-Torhüter Jörg Stiel mit. Nach Rooneys Schuss an den Pfosten sprang der Ball vom Hinterkopf des Mönchengladbachers ins Netz (75.). Für den Schlusspunkt sorgte der Liverpooler Steven Gerrard (82.). Bei seiner Auswechslung wurde Rooney mit "Standing Ovations" der englischen Fans verabschiedet.
Die Eidgenossen, die beim Vorrundenabschluss am Montag (20.45 Uhr) in Lissabon gegen Titelverteidiger Frankreich nur noch theoretische Chancen auf die Viertelfinalteilnahme haben, verloren in der 60. Minute Abwehrspieler Bernt Haas. Der England-Legionär von West Bromwich Albion sah wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot.
Briten anfangs verunsichert
Den Profis aus dem Fußball-Mutterland war bis zum Tor durch Rooney die Verunsicherung nach der bitteren Pleite gegen Frankreich deutlich anzumerken. Die zu Beginn extrem defensiv agierenden Briten, bei denen John Terry nach überstandener Oberschenkelverletzung wieder in der Anfangsformation stand, präsentierten sich vor allem im Spiel nach vorne einfallslos. Im Mittelfeld wurde der Ball zumeist quer gespielt. Erst nach dem 1:0 übernahm die Elf von Trainer Sven-Göran Eriksson die Kontrolle und zeigte mehr Mut im Offensivspiel.
Dagegen waren die Schweizer, die nach dem 0:0 gegen Kroatien ebenfalls dringend Punkte brauchten, über weite Strecken des ersten Abschnitts die spielerisch bessere Mannschaft. Das Fehlen des gesperrten Mittelfeldspielers Johann Vogel machte sich bei den Eidgenossen kaum bemerkbar. Seine Rolle übernahm Fabio Celestini vom Uefa-Pokal-Finalisten Olympique Marseille.
Antreiber Hakan Yakin vom Bundesligisten VfB Stuttgart suchte immer wieder den schnellen Stürmer Alexander Frei, der in der 12. Minute eine Chance zum Kopfball aus fünf Metern nur knapp verpasste. Vier Minuten später hatten die Engländer Glück, als Gerrard einen Kopfball knapp über das eigene Tor setzte. Zudem strich ein Freistoß von Hakan Yakin (45.) nur um Zentimeter am Tor von David James vorbei.
Haas flog vom Platz
Nach dem Seitenwechsel blieben die Schweizer zunächst spielbestimmend. Der Hamburger Raphael Wicky prüfte Torhüter David James mit einem Fernschuss (52.). Die Bemühungen der Eidgenossen erhielten durch den Platzverweis für Haas (60.) allerdings einen Dämpfer. Auch in Überzahl ließen sich die Engländer nicht zu einer offensiveren Spielweise hinreißen.
Bei den "Three Lions" blieb Superstar Beckham erneut hinter den Erwartungen zurück. Nur selten verlieh der 29-Jährige, der gegen Frankreich einen Foulelfmeter vergeben hatte, dem Spiel Impulse. Beste Spieler waren die Torschützen Rooney und Gerrard. Bei den Schweizern gefiel neben Hakan Yakin auch HSV-Profi Wicky.
STIMMEN ZUM SPIEL
Teammanger Sven-Göran Eriksson (England): "Wir haben einen guten Job getan. Wenn man ein Spiel wie wir am vergangenen Sonntag gegen Frankreich verlieren, weiß man nie, wie die Reaktion der Mannschaft ausfällt. Zu Beginn waren wir vielleicht ein bisschen nervös. Über Wayne Rooney kann ich nur sagen: Zwei schöne Tore, 18 Jahre alt und diese Vorstellung auf diesem Niveau - es ist unglaublich."
Trainer Jakob "Köbi" Kuhn (Schweiz): "Ich muss mich etwas über den Schiedsrichter wundern, der Platzverweis war sehr hart. Und dem 2:0 war ein Foul an Müller vorausgegangen. Bei diesen klimatischen Verhältnissen zweimal in Unterzahl zu spielen, geht an die Kraft und die Moral. Jetzt wollen wir versuchen, gegen Frankreich eine gute Figur zu machen und mit elf Spielern, die Begegnung zu Ende zu führen. Die Chance, weiterzukommen, ist sehr gering - da wollen wir uns nichts vormachen."
PRESSESTIMMEN
England:
The Sun: "Roo the Man! Zwei-Tore-Wayne zerstört die Schweiz. Der doppelte Rooney - ein guter Tag für ihn und für uns."
The Mirror: "Roo Britannia! Rooney neuer König von England. Er hält Englands Hoffnungen am Leben. Millionen im ganzen Land feiern den Zwei-Tore-Superstar."
The Guardian: "Ein Rooney zur Rettung. Ein neuer Star auf der Bühne."
The Times: "Wunderkind schlägt ein. England ist wieder am Leben und lässt sich vom Wunderkind führen."
The Independent: "Das Wayne-Rooney-Phänomen hält an. Rooney katapultiert sich in die Geschichtsbücher und bringt England zurück auf Kurs."
Schweiz:
Blick: "0:3 - Haas Rot - und jetzt braucht's Tore, Tore, Tore. Lange Zeit durften wir hoffen. Doch am Schluss blieb England in der Hitze von Coimbra ganz cool."
Tagesanzeiger: "Auch in ihrem zweiten Spiel schossen die Schweizer kein Tor. Beim 0:3 gegen England mussten sie für Bernt Haas' Platzverweis und die Limiten vor allem im Angriffsspiel."
Neue Zürcher Zeitung: "Außergewöhnlicher Normalfall - Die Schweiz nach guter Leistung von England (zu) hoch geschlagen. Die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft wird mit großer Wahrscheinlichkeit nach den Gruppenspielen an der Europameisterschaft in Portugal ausscheiden."
STATISTIK ZUM SPIEL
England: James - Gary Neville, Terry, Campbell, Ashley Cole - Beckham, Gerrard, Lampard, Scholes (70. Hargreaves) - Owen (72. Vassell), Rooney (83. Dyer)
Schweiz: Stiel - Haas, Müller, Murat Yakin, Spycher - Wicky, Celestini (53. Cabanas), Huggel, Hakan Yakin (83. Vonlanthen) - Chapuisat (46. Gygax), Frei
Schiedsrichter: Walentin Iwanow (Russland)
Tore: 1:0 Rooney (23.), 2:0 Rooney (75.), 3:0 Gerrard (82.)
Zuschauer: 28.214
Beste Spieler: Gerrard, Rooney - Wicky, Hakan Yakin
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karte: Haas wegen wiederholten Foulspiels (60.)
Gelbe Karten: Rooney
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