"Börse und Fußball passen nicht zusammen": Rummenigge gegen Bayerns Börsengang
zuletzt aktualisiert: 17.01.2002 - 12:38München (rpo). Karl-Heinz Rummenigge hat sich gegen einen baldigen Börsengang von Bayern München ausgesprochen. "Ich bin der Ansicht, dass Börse und Fußball von der Philosophie her nicht zusammenpassen", sagte der Vizepräsident des Weltpokalsiegers in einem Interview.
"Wir sind auch ohne Börse zu sportlichem Erfolg verdammt. Wir brauchen den Druck nicht, während dem Spiel auch noch auf den Aktienkurs schielen zu müssen", sagte Rummenigge in der FAZ.
Es sei doch nicht das Ziel eines Fußball-Klubs, Dividenden zu erwirtschaften, sondern größtmöglichen sportlichen Erfolg zu erzielen, meinte Rummenigge. Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte erst kürzlich angekündigt, sich einen Börsengang in "drei oder vier Jahren, wenn das Börsenumfeld freundlicher ist", durchaus vorstellen zu können.
Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. Februar wird der FC Bayern die bereits eingeleitete Umwandlung in eine Aktiengesellschaft offiziell vollziehen. Als strategischer Partner wird dann der Sportartikelhersteller adidas zehn Prozent der Anteile für knapp 77 Millionen Euro übernehmen. Der Börsenwert des FC Bayern wird dementsprechend auf 770 Millionen Euro geschätzt.
Rationalität wird zurückkehren
Rummenigge ist zudem zuversichtlich, "dass wieder Rationalität in das Geschäft einkehrt und auch die Transfersummen wieder nach unten gehen". Die Zeit der "Irrsinnsgehälter" neige sich dem Ende entgegen, behauptete der ehemalige Nationalspieler. Längst hätten sowohl Italiener als auch Spanier erhebliche finanzielle Probleme, so Rummenigge.
Den deutschen Rekordmeister bezeichnete der "Außenminister" des FC Bayern sogar als "Vorbild" in Europa, "da wir es geschafft haben, ohne finanzielle Absurditäten die Champions League zu gewinnen". Er wisse sogar, dass sich Uefa-Präsident Lennart Johansson einen Triumph der Münchner in der "Königsklasse" gewünscht hätte - "damit man sieht, dass es auch anders geht".
Rummenigge äußerte sich auch kritisch über eine mögliche Abschaffung der zentralen Vermarktung der Fernsehrechte, wodurch die großen Bundesliga-Klubs höhere Einnahmen erzielen könnten: "Man darf nicht nur kurzsichtig das eigene Interesse sehen. Die Gesamtheit der Klubs muss überlebensfähig sein." Denn gerade auch die Solidarität bei der Verteilung der TV-Gelder sei laut Rummenigge ein Grund dafür, dass die Bundesliga unter den fünf großen Ligen in Europa "mit Abstand die gesündeste ist".
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