1. Bundesliga 16/17
| 13.27 Uhr

Warum Freiburgs Trainer die besten PKs gibt
König der Streichs

Das ist Christian Streich
Das ist Christian Streich FOTO: dpa, mut hak
Düsseldorf. Mit seinem Plädoyer für Roger Schmidt hat Christian Streich mal wieder einen veritablen Internet-Hit gelandet. Aber gerade weil ihm das so herzlich egal ist, gibt Freiburgs Trainer die wohl besten Pressekonferenzen aller Bundesliga-Trainer. Von Aaron Knopp

Fußballtrainer sind so verschieden wie die Spieler, mit denen sie arbeiten. Unter ihnen sind charismatische Zampanos, kühle Taktiker, rüde Knurrer – und Christian Streich. Nicht, dass seine Kollegen alle austauschbar wären, dennoch wirkt der Trainer des SC Freiburg oft wie aus der Art geschlagen. Grundsätzlich skeptisch gegenüber dem überhitzen Gewese, das die Medien um den Fußball veranstalten und der branchenüblichen Phrasen, wirkt es fast so, als sei ihm noch nie ein Wort über die Lippen gekommen, das er nicht auch so gemeint habe. Einer, der auszog, um dem Publikum die Tricks zu verraten, mit denen der Zirkus Fußball seine Zuschauer verzaubert.

Am liebsten echauffiert sich Streich aber doch, wenn er andere unfair behandelt findet. Die Diskussion um Roger Schmidts "Spinner"-Entgleisung motivierte ihn zu seinem jüngsten Monolog. "Warum werden wir in den extremsten Situationen vorgeführt und die ganzen Leute hören, was uns in totaler Anspannung mal rausrutscht?", fragte Streich in die Runde der versammelten Journalisten und landete mit diesem Video einen weiteren Erfolg im Netz. Wohl auch, weil kein anderer so glaubhaft vermitteln kann, dass er für solche Eitelkeiten gänzlich unempfänglich ist. Streich geht es immer nur um die Sache.

Seine legendären Auftritte umfassen dabei längst mehrere Gigabyte. Eine Facebook-Seite sammelt sogar die "Streichs der Woche". Dazu gehört natürlich sein eindringliches Plädoyer in der Flüchtlingsfrage im vergangenen September. "Wenn man mich mit 30 Jahren in ein Haus mit ganz vielen anderen gesperrt hätte und ich nicht hätte arbeiten dürfen, wüsste ich nicht, was ich gemacht hätte. Ich will das nicht weiter ausführen." Tat er dann aber doch – und erntete bundesweit Anerkennung für die vielleicht mutigste Pressekonferenz eines Fußballtrainers im vergangenen Jahr.

Auch wenn es gegen seine eigenen Spieler geht, ist der 51-Jährige, der Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert hat, nie um einen Konter verlegen. Fans, die Spieler des bereits als Aufsteiger feststehenden SC Freiburg auspfiffen, bat Streich in unverwässertem Alemannischen Idiom, demnächst doch am besten zuhause zu bleiben. "Diese Leute, wo gegen diese Mannschaft pfeifen, weil wir einen taktischen Rückpass spielen müssen, damit wir irgendwo diese Lücke finden, möchten wir nicht bei uns haben. Die gehören nicht zu uns. Ich habe keine Lust auf solche Leute, die alles vermiesen." Niemand wagte da zu widersprechen.

Wenig früher erst hatte er seiner Mannschaft die Grenzen aufgezeigt. Als die Spieler im Freudentaumel des Aufstiegs eine Pressekonferenz beim SC Paderborn sprengten, verwies er sie unmissverständlich des Raumes. Der Gegner spiele schließlich gegen den Abstieg. Eine Frage des Respekts, ein typischer Streich.

Leider wird Christian Streichs Karriereplanung eher nicht darauf hinauslaufen, nach der Bundesliga durch den Amateurfußball zu tingeln, um schließlich in einem TV-Studio als Experte seine Fußballrente aufzubessern. Selbst in der Bundesliga wirkt er bisweilen schon heute wie ein fremdelnder Tourist. So wird vermutlich der Tag kommen, an dem sich Streich wieder aus der Öffentlichkeit zurückziehen wird.

Seine Stammkneipe wird das freuen, die soll er absichtlich nicht mehr besuchen, seit der Rummel um seine Person zu groß geworden ist, um keine ungeliebten Gäste anzuziehen. Es gibt eben nur einen Christian Streich. Im Freiburger Mannschaftshotel hing der Legende nach einst ein Banner mit eben jener Aufschrift. Streich selbst war das peinlich.

(ak)
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