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| 16.34 Uhr

"Konnte es nicht mehr ertragen"
Paderborn-Präsident rechnet schonungslos mit Effenberg ab

10 Job-Alternativen für Stefan Effenberg
10 Job-Alternativen für Stefan Effenberg
Paderborn. Für Effenberg sollte es ein Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt werden. Doch nach fünf Monaten ging sein Trainerdebüt in Paderborn zu Ende. Die unschöne Trennung passt zum Image des einstigen Profis als "Enfant terrible". 

Viel Unruhe, wenig Erfolg - Stefan Effenberg ist bei seinem Einstand in den Trainerjob krachend gescheitert. Nach nicht einmal fünf Monaten ging die von diversen Affären begleitete Arbeit des einstigen Weltklasse-Profis beim Zweitligisten SC Paderborn zu Ende.

Finke: "Konnte es nicht mehr ertragen"

Ein Anruf von der Urlaubsinsel Mallorca beendete die Trainerkarriere des einstigen Superstars des FC Bayern, bevor sie richtig begonnen hatte. "Von Penis-Affäre über Führerscheinverlust bis hin zum Verlust der Trainerlizenz - ich konnte es nicht mehr ertragen", sagte Wilfried Finke, Präsident des stark abstiegsgefährdeten Zweitligisten, bei einer denkwürdigen Pressekonferenz am Donnerstag.

Der Möbel-Unternehmer teilte Effenberg die Entlassung nach zwölf Spielen in Serie ohne Sieg von seinem Feriensitz aus per Telefon mit. Statt Glanz und Glamour in Paderborn hat es sich nach nicht einmal fünf Monaten ausgetigert.

Eigentlich wollte Klub-Patriarch Finke bis Saisonende an Effenberg festhalten, doch das Chaos und der drohende Absturz des letztjährigen Bundesligisten in die Niederungen von Liga drei ließen ihn von seinem einstigen Hoffnungsträger abrücken. "Die Addition der Dinge war entscheidend", sagte Finke, der Effenberg zuletzt noch eine Jobgarantie gegeben hatte. Dass Effenberg keine gültige Lizenz besitzt, war "der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat". Ein solches Szenario habe er "nicht für möglich gehalten. Das hat mich in meinen Grundfesten erschüttert".

Twitter-Häme: "Wie sehr will sich dieser Verein noch lächerlich machen?"

Finke wollte keinen SC Effenberg

Die Begründung für die Trennung glich einer schonungslosen Abrechnung. "Wir drohten zum SC Effenberg zu degenerieren. Diese Hollywood-Welt steht uns nicht so gut zu Gesicht", klagte der Vereinspatron am Donnerstag. Selbstkritisch räumte er ein: "Die Symbiose Effenberg-Paderborn hat nicht funktioniert. Es war im Nachhinein ein Fehler."

Neben der desaströsen sportlichen Bilanz mit zuletzt 13 Pflichtspielen ohne Sieg gaben andere, für den Verein zunehmend imageschädigende Faktoren den Ausschlag für die Trennung von Effenberg. Spätestens nach der jüngsten Aufregung über die vom Trainer versäumte Fortbildung zur Verlängerung seiner 2012 erworbenen Lizenz war die Geduld von Finke endgültig aufgebraucht.

Wie der bis 2017 datierte Vertrag aufgelöst wird, soll laut Finke in den kommenden Wochen geklärt werden: "Es dürfte nicht das Ziel von Stefan Effenberg sein, eineinhalb Jahre auf der Payroll des SC Paderborn zu stehen."

Die mutige Wahl des Bundesliga-Absteigers, dem Champions-League- Sieger von 2001 zu seinem Trainerdebüt zu verhelfen, machte sich nicht bezahlt. Nur in den ersten beiden Spielen unter der Regie des am 13. Oktober 2015 angestellten und mit einem Vertrag bis 2017 ausgestatteten Fußball-Lehrers gab es Siege. Doch die Hoffnung der Ostwestfalen auf einen Neuanfang erwiesen sich als Wunschdenken. In den vergangenen zwölf Ligaspielen verbuchte das Team lediglich sechs Punkte.

Auch die Suspendierungen der Profis Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic im vergangenen Dezember konnten den Trend nicht stoppen. Zudem schürte die peinliche Affäre um Nick Proschwitz die Diskussion um Disziplinprobleme in der Mannschaft. Der mittlerweile zum belgischen Erstligisten VV St. Truiden gewechselte Angreifer hatte sich im Trainingslager in einer türkischen Hotelbar entblößt. Daraufhin forderte Finke den Coach auf, "zu liefern. Denn wenn er nicht liefert, steigen wir ab."

Finke: "Das war peinlich"

Doch der Verein kam auch trotz dieser deutlichen Worte nicht zur Ruhe. Im Februar akzeptierte Effenberg einen Strafbefehl wegen Trunkenheit am Steuer nach einem Oktoberfestbesuch. Zuletzt wurde bekannt, dass er eine vorgeschriebene Fortbildung im Herbst nicht besucht hat. Deshalb war seine Trainerlizenz nicht mehr gültig. Das gab für Finke den Ausschlag: "Es war peinlich, weil ich so etwas gar nicht für möglich gehalten habe. Das ist eine Frage, wie ordentlich ich bin. Ich erwarte, dass ein ehrgeiziger Trainer diese Auflagen erfüllt."

Der Nachfolger war schnell gefunden. Schon zwei Tage nach dem tristen 0:0 beim Karlsruher SC beförderten die Ostwestfalen Rene Müller vom Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums zum Cheftrainer. Anders als 2013, als der ehemalige Zweitliga-Profi bei den Ostwestfalen kurze Zeit eingesprungen war, soll der 41 Jahre alte Müller diesmal keine Interimslösung sein. Allerdings gibt es noch keine vertragliche Vereinbarung über die Länge der Zusammenarbeit. "Wir werden jetzt doch nicht so naiv sein, entsprechende Regelungen zu treffen, ohne zu wissen, in welcher Liga wir künftig spielen", sagte Finke.

Effenbergs Nachfolger Müller ist zuversichtlich, die sportliche Talfahrt stoppen zu können. "Ich habe sofort Bereitschaft signalisiert, diese Herausforderung anzunehmen und bin absolut davon überzeugt, dass diese Mannschaft Qualität hat."

(areh/dpa/sid)
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