S04 sticht Rivalen Dortmund aus: Schalke: Poulsen-Coup als Geheimsache
zuletzt aktualisiert: 06.12.2001 - 16:19Gelsenkirchen/Dortmund (rpo). Im Rennen um den von zahlreichen europäischen Clubs umworbenden dänischen Mittelfeldspieler Christian Poulsen hat der FC Schalke 04 den Revierrivalen BVB ausgestochen und den Rekordtransfer der Vereinsgeschichte unter Dach und Fach gebracht.
Für den 21 Jahre alten "Shooting Star" vom Meister FC Kopenhagen, der am Mittwochabend einen Vertrag von 2002 bis 2006 unterzeichnete, muss der Pokalsieger dem Vernehmen nach eine Ablösesumme von rund 20 Millionen Mark (rund 10,23 Millionen Euro) hinblättern. Bislang war der belgische Nationalstürmer Emile Mpenza, der im Winter 2000 für 17 Millionen Mark von Standard Lüttich gekommen war, der teuerste Schalke-Einkauf.
BVB-Sportmanager Michael Zorc versicherte der dpa am Donnerstag, dass man beim an der Börse notierten Verein nicht beleidigt sei oder sich von der Konkurrenz überrumpelt fühle: "Wir wussten, dass Schalke auch an ihm dran war. Wo der Spieler nun hingeht, ist uns egal." Man sei aus "sportlichen und kaufmännischen Erwägungen" aus dem Transferpoker ausgestiegen. "Wir sahen nicht die Notwendigkeit, über eine gewisse Grenze zu gehen. Zumal wir die Positionen im defensiven Mittelfeld mit erfahrenen Top-Leuten besetzt haben", so Zorc, der die "abenteuerlichen Forderungen" des Dänen brandmarkte, von "italienischen Verhältnissen" und "finanziellem Amoklauf" sprach.
"Es ist kein Geheimnis, dass der Junge für uns hochinteressant ist", hatte Borussias Coach Matthias Sammer vor 14 Tagen verkündet. Jetzt musste er den Wunschspieler ausgerechnet an den Rivalen abtreten und wirtschaftliche Überlegungen der eigenen Clubführung akzeptieren: "Der Transfer von Poulsen wäre für uns teurer geworden als der von Tomas Rosicky." Um den tschechischen Super-Techniker im Vorjahr zu bekommen, hatte der BVB rund 25 Millionen Mark investiert und damit sogar den FC Bayern München ausgestochen.
Ein zweiter Jiri Nemec
Derweil freut sich Schalkes Führungsriege über den gelungenen Coup, über den bis zur Unterschrift nichts nach außen gedrungen war. "Christian könnte für uns ein zweiter Jiri Nemec werden", lobte Manager Rudi Assauer den Jungnationalspieler und Landsmann von Ebbe Sand. Poulsen ist nach dem Noch-Bremer Torhüter Frank Rost (28) der zweite Neuzugang zur nächsten Saison und ein weiterer Mosaikstein beim geplanten und dringend nötigen personellen Umbruch der in die Jahre gekommenen Mannschaft. "Es heißt, von vielen älteren und verdienten Spielern Abschied zu nehmen und jüngere Spieler mindestens der selben Klasse hinzuzubekommen", sagte Assauer.
Neben Nemec (35), der im Sommer nach neun Jahren auf Schalke endgültig in seine tschechische Heimat zurückkehren wird, werden Frode Grodas und höchst wahrscheinlich auch die Routiniers Olaf Thon, Michael Büskens, Youri Mulder, Yves Eigenrauch und Oliver Reck ihre Karriere beenden. Reck soll allerdings zu einem weiteren Jahr als Ersatz-Keeper überredet werden. Insgesamt werden laut Assauer etwa zehn Spieler den Club nach dieser Spielzeit verlassen, darunter vermutlich auch Markus Happe und Sven Kmetsch.
"Christian ist ein unheimlich aggressiver Spieler, der nicht umsonst von vielen Vereinen stark umworben war. Er ist nicht nur in der Defensive stark, sondern auch in der Offensive und wird Schalke sicher weiterhelfen", meinte Trainer Huub Stevens zufrieden. Poulsen, der sich beim Nationalmannschaftskollegen Sand über die "Knappen" informierte, hat seine Wahl nach einem Besuch in Gelsenkirchen am Mittwoch nicht allein aus finanziellen Erwägungen getroffen: "Die Arena AufSchalke, dazu die Atmosphäre und das familiäre Umfeld im Club, der Teamgeist: Schalke ist genau der richtige Verein für mich."
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