Frankfurter Krise eskaliert:: Schatzmeister Leben zurückgetretent
zuletzt aktualisiert: 06.05.2000 - 18:33Frankfurt/Main (dpa). Die Führungskrise beim Fußball- Bundesligisten Eintracht Frankfurt hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Samstag trat Schatzmeister Rainer Leben von seinem Amt zurück. Dadurch ist der Verein bei nur noch zwei Präsidiumsmitgliedern zur Zeit handlungsunfähig. Der nach der Demission von Präsident Rolf Heller starke Mann des Traditionsclubs zog im Machtkampf mit dem Verwaltungsrat um den zum Überleben dringend benötigten "strategischen Partner" den Kürzeren.
"Es bestanden unterschiedliche Auffassungen, wie die Zukunft des Vereins gestaltet werden soll. Die von mir eingeleiteten Maßnahmen, aber vor allem das angeschlagene Tempo bei der Umgestaltung des Vereins konnten nicht mitgetragen werden", sagte Leben in einer ersten Stellungnahme. Die Eintracht muss bis zum 31. Mai einen Vertragsabschluss mit einem Investor vorweisen, um vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison zu erhalten.
Stunden zuvor hatte Leben, der zugleich Interimsvorsitzender der in Gründung befindlichen Eintracht Frankfurt Holding AG war, noch ein "gutes Gefühl". In der Sitzung des Rumpfpräsidiums mit den Vize- Präsidenten Peter Lämmerhirdt und Hans-Joachim Schroeder wurde zwar kein Beschluss gefasst, doch hatte sich der Unternehmensberater deutlich für den Schweizer Finanzinvestor Swiss Invest und gegen die Angebote der Vermarktungsunternehmen Sportwelt AG und Octagon ausgesprochen. "Ein Finanzinvestor kann einen weit besseren Beitrag zur Gemeinnützigkeit des Vereins leisten", begründete der zurückgetretene Schatzmeister sein Votum, das allen bisherigen Annahmen widersprach. Bis zuletzt hatte die Sportwelt AG, Tochterunternehmen der Kinowelt AG des umstrittenen Michael Kölmel, als Lebens Favorit gegolten. Leben: "Rücktritt ist die richtige Entscheidung!"
Das Konzept des Schatzmeisters fiel in der Sitzung des Verwaltungsrates mit dem Präsidium auf keinen fruchtbaren Boden. Das Kontrollgremium unter Vorsitz von Bernd Ehinger hatte Leben in der vergangenen Woche ein Ultimatum gestellt, um seine Pläne hinsichtlich des "strategischen Partners" zu erfahren, der für 25,1 Prozent der Vermarktungsrechte rund 30 Millionen Mark zahlen soll. Zudem hatten Ehinger und Co. selbst Kontakte zu einem Vermarkter aufgenommen. Nach Informationen des Radiosenders "FFH" handelt es sich hierbei um die International Management Group (IMG), mit der die Eintracht schon vor Wochen kurz vor dem Abschluss stand. Leben ließ im März den unterschriftsreifen Vertrag platzen. Dem Verwaltungsrat soll ein solcher Vertrag vorliegen.
"Präsidium und Verwaltungsrat haben den Verein in den letzten Jahren in die Lage manövriert, nur mit frischem Geld von außen überleben zu können", kritisierte Leben. Ihm sei im Laufe der Verwaltungsratssitzung klar geworden, dass die Räte bei seiner Modernisierung die Identität des Vereins in Gefahr sahen. "Deshalb ist der Rücktritt die richtige Entscheidung, obwohl ich den Verein gerne weiter in eine erfolgreiche Zukunft begleitet hätte", erklärte Laben.
Trainer Felix Magath, der für die Zukunft auf die Zusammenarbeit mit Leben setzte, zeigte sich konsterniert über die neue Entwicklung. "Da kann ich erst einmal nichts zu sagen", erklärte der Coach, der die Frankfurter sportlich aus der Talsohle führte. "Ihm war die Enttäuschung deutlich anzumerken. Ich hoffe, dass er die Eintracht zu einer großen Zukunft führt", sagte Leben nach einem Gespräch mit dem Trainer.
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