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Keine Atempause beim DFB: Schiedsrichter-Boss Roth vor "Zwangsrücktritt"

zuletzt aktualisiert: 14.03.2010 - 11:46

Frankfurt/Main (RPO). Schiedsrichter-Boss Volker Roth vor dem "Zwangsrücktritt" und erneute Vorwürfe gegen Manfred Amerell: Auch nach dem Vertrauensvotum für DFB-Präsident Theo Zwanziger hält der Skandal um vermeintlichen Amtsmissbrauch und sexuelle Belästigungen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Atem. Dabei gibt nun vor allem die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball die Richtung vor.

Seine Tage beim DFB sind gezählt: Volker Roth. Foto: ddp, ddp

"Ich vertraue darauf, dass Herr Zwanziger ein Gespräch mit Herrn Roth sucht, ob es möglich ist, dass er sein Amt am 9. April an Herrn Fandel übergibt", sagte Rauball, der das Schiedsrichterwesen unter Roth als "Geheimbund" bezeichnet hatte.

Roth, der ursprünglich beim DFB-Bundestag im Oktober von seinem Amt zurücktreten wollte, soll auf dem Außerordentlichen Bundestag in Frankfurt am Main am 9. April nach 15 Jahren an der Spitze der Schiedsrichtergilde seinen Hut nehmen und den Weg für Herbert Fandel frei machen. Der 68-Jährige hatte Zwanziger erst verspätet über die Vorwürfe gegen Amerell informiert und soll laut Ex-Schiedsrichter Franz-Xaver Wack seit Jahren von Amerells Neigungen gewusst haben.

Dass Roth nicht direkt bei der Präsidiumssitzung am Freitag in der Frankfurter DFB-Zentrale von seinem Amt entbunden wurde, hängt zum einen mit Satzungsgründen, zum anderen mit den internationalen Verdiensten des früheren Top-Schiedsrichters zusammen. Rauball ließ trotzdem keinen Zweifel, dass die Reform bei den Unparteiischen ohne Roth stattfinden wird: "Er hat das Schiedsrichterwesen nicht mit der Offenheit geführt, wie wir das jetzt machen wollen."

Wie deutlich Rauball nun den Ton diktiert, zeigt auch, dass sich die Machtverhältnisse verschoben haben. Während die Liga als klarer Punktsieger aus dem Fall Amerell hervorgeht, ist Zwanziger spürbar angeschlagen. "Wir haben in selten offener und auch deutlicher Form nicht nur die Dinge angesprochen, die gut laufen", sagte Rauball im Rückblick auf die Sitzung des DFB-Präsidiums, in dem die Liga mit vier Personen vertreten ist.

Auch bei der Neustrukturierung des in Verruf geratenen Schiedsrichterwesens wird die DFL durch Hellmut Krug vertreten sein. Die Hauptverantwortung wird aber beim ehemaligen FIFA-Referee Fandel liegen. Nach Aussage des Konzertpianisten war das DFB-Präsidium vom neuen Konzept "sehr angetan".

Bei den bereits im Zuge des Wettskandals viel diskutierten Schiedsrichteransetzungen soll künftig jegliche Multifunktionalität vermieden und die Benotung durch die Schiedsrichterbeobachter zweitrangig werden. "Es darf keine Ämterhäufung mehr geben. Es kann nicht mehr sein, dass Ansetzen, Beobachten, Beurteilen in einer Hand liegt", sagte Zwanziger. Die neue Struktur des Schiedsrichterwesens soll auf dem Bundestag am 9. April verabschiedet werden.

Unterdessen haben FIFA-Referee Michael Kempter und die drei bislang anonymen Unparteiischen, die Amerell sexuelle Belästigung vorwerfen, den früheren Schiedsrichterbeobachter erneut attackiert. Wenn seine zuletzt vieldiskutierte Bayern-Mail ("Hoffentlich fliegen sie gleich raus") nach Amerells Verständnis auf Befangenheit hingedeutet habe, "dann hätte er sie eigentlich sofort nach Erhalt melden müssen", sagte Kempter dem Nachrichtenmagazin Focus.

Die drei anonymen Referees berichteten dem Nachrichtenmagazin Spiegel von angeblich systematisch geplanten Übergriffen von Amerell im Zeitraum zwischen 2005 und 2009. Es sei "von Küssen bis zu den Genitalien, bis zum Sich-dran-Vergehen" gegangen, sagte ein Referee. Amerell bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Kempter, der zur Zeit in psychologischer Betreuung ist, darf sich weiter Hoffnung auf eine Fortsetzung seiner Schiedsrichter-Karriere machen. Zwanziger lobte einmal mehr den "Mut Kempters", der die angeblichen sexuellen Belästigungen Amerells öffentlich gemacht hatte. "Ich will nichts verallgemeinern, aber schauen sie doch mal, was derzeit in anderen Lebensbereichen abläuft. Da stellt man fest, dass sich die Menschen erst nach 40 Jahren melden", sagte Zwanziger.

Quelle: SID/rl

 
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