EM-Teilnehmer im Porträt: Schweiz: Fußball wieder hoch im Kurs
zuletzt aktualisiert: 08.04.2004 - 11:52"Basel" (rpo). Seit die "Nati" sich nach Jahren endlich wieder für ein großes Turnier qualifizieren konnte, hat Fußball im Eishockey-Land wieder Liebhaber. Das Team von Nationaltrainer Köbi Kuhn ist nicht mehr das gleiche, welches die Qualifikation zur WM 2002 verpasste.
Erstmals seit 1996 konnte sich die Schweizer Nationalmannschaft wieder für ein großes Turnier qualifizieren. Die "U17" wurde Europameister, und der FC Basel sorgte in der Champions League für Furore. jetzt können sich die Fußball-Fans der Schweiz auf spannende Spiele freuen.
Wesentlichen Anteil an der neuen Euphorie hat das Team von Nationaltrainer Köbi Kuhn. Nach der verpassten Qualifikation zur WM 2002 machte der 60-Jährige einen personellen Schnitt. Die Altstars Stephane Chapuisat und Ciriaco Sforza hatten ausgedient, die neue Generation, die Kuhn schon als "U21"-Coach betreut hatte, erhielt ihre Chance.
Und die Mannschaft um Spielmacher Hakan Yakin, in der EM-Qualifikation dann doch wieder mit "Chappi" verstärkt, bedankte sich: Vor Russland und Irland löste die Schweiz das Direktticket nach Portugal. Nur als Statisten wollen die Eidgenossen dort nicht antreten. Ziel ist trotz der prominenten Gegner Frankreich, England und Kroatien das Viertelfinale. "Sonst bräuchten wir gar nicht zu fahren", sagt Kuhn, der seinen neuen Jugendstil fortsetzen will: "Wir werden eines der jüngsten Teams stellen."
Chancen gegen Kroatien und England
Chancen rechnet sich der Außenseiter in der Gruppe B vor allem gegen Kroatien und England aus. "Unser Fokus liegt auf Kroatien", betont der 64-malige Nationalspieler, der seit 2001 für die "Nati" zuständig ist. Das Auftaktspiel am 13. Juni in Leiria gegen den WM-Dritten von 1998 ist für Kuhn "wegweisend", weil "wir gegen den vermeintlich schwächsten Gegner beginnen".
An England, vier Tage später Kontrahent in Coimbra, haben die Eidgenossen gute Erinnerungen: Bei der Euro 1996 erreichten sie im Mutterland des Fußballs ein 1:1. "Wir haben in der Quali zweimal gegen Irland gespielt, wir kennen die Spielweise", sagt Kuhn mit Blick auf die beiden Siege gegen die Kicker von der "grünen Insel" (2:1, 2:0).
Der WM-Teilnehmer von 1966 setzt auf zahlreiche Bundesliga-Legionäre. Im Tor war Jörg Stiel eine feste Größe, bis er durch seine Patzer bei Borussia Mönchengladbach auf der Bank landete. Jetzt könnte der frühere Leverkusener Pascal Zuberbühler von einer Formschwäche Stiels profitieren. In der Abwehr rechnen sich Bruno Berner vom SC Freiburg, Ludovic Magnin von Werder Bremen, Remo Meyer von 1860 München und vor allem Raphael Wicky vom Hamburger SV Chancen auf einen Platz im EM-Kader aus.
Ideengeber Hakan Yakin
Das Spiel der Schweizer steht und fällt mit Ideengeber Hakan Yakin vom VfB Stuttgart. Im Sturm darf dessen Stuttgarter Klubkollege Marco Streller auf ein EM-Ticket hoffen. An der Seite von "Oldie" Chapuisat, der passenderweise bei Young Boys Bern seinen x-ten Frühling erlebt.
Die EM in Portugal soll für die Schweiz aber nur eine Zwischenstation sein. Ziel ist die Heim-Euro 2008. "Unser Entwicklungsprozess ist noch nicht abgschlossen. Wir sind mittendrin", sagt Kuhn: "Wir wollen den Trend längere Zeit aufrecht erhalten."
Dabei will der frühere Profi des FC Zürich von der guten Nachwuchsarbeit profitieren, die erst selbst als langjähriger Verbandscoach einleitete. Wie groß das Potenzial ist, haben die Jungen schon bewiesen. 2002 gewann die "U17" den EM-Titel, im selben Jahr erreichte die "U21" im eigenen Land den dritten Platz, immerhin vor den Fußball-Großmächten Italien, England, Spanien - und den deutschen Junioren, die sich gar nicht für die Endrunde qualifiziert hatten.
Den Aufwärtstrend im Schweizer Fußball unterstrich auch der FC Basel, der im vergangenen Jahr in der Champions League sensationell den FC Liverpool aus dem Rennen warf und in der Zwischenrunde mit Siegen gegen Juventus Turin und Deportivo La Coruna für Furore sorgte. Die Schweiz ist auf die europäische Fußball-Landkarte zurückgekehrt, und die Eidgenossen haben den lange verschmähten Sport wiederentdeckt.
EM Kader der Schweiz:
Tor: 23 Sebastien Roth (Servette Genf, 01.04.1978) 12 Pascal Zuberbühler (FC Basel, 08.01.1971) 1 Jörg Stiel (Bor. Mönchengladbach, 03.03.1968)
Abwehr: 3 Bruno Berner (SC Freiburg, 21.11.1977) 2 Bernt Haas (West Bromwich Albion, 08.04.1978) 4 Stephane Henchoz (FC Liverpool, 07.09.1974) 20 Patrick Müller (Olympique Lyon, 17.12.1976) 5 Murat Yakin (FC Basel, 15.09.1974) 13 Marco Zwyssig (FC Basel, 24.10.1971) 17 Christoph Spycher (Grasshopper Zürich, 30.03.1978) 14 Ludovic Magnin (Werder Bremen, 20.04.1979)
Mittelfeld: 7 Ricardo Cabanas (Grasshopper Zürich, 17.01.1979) 16 Fabio Celestini (Olympique Marseille, 31.10.1975) 8 Raphael Wicky (Hamburger SV, 26.04.1977) 18 Benjamin Huggel (FC Basel, 07.07.1977) 10 Hakan Yakin (VfB Stuttgart, 22.02.1977) 19 Tranquillo Barnetta (FC St. Gallen, 22.05.1985) 6 Johann Vogel (PSV Eindhoven, 08.03.1977)
Angriff: 11 Stephane Chapuisat (Young Boys Bern, 28.06.1969) 9 Alexander Frei (Stade Rennes, 15.07.1979) 21 Milaim Rama (FC Thun, 29.02.1976) 15 Daniel Gygax (FC Zürich, 28.08.1981) 22 Johan Vonlanthen (PSV Eindhoven, 01.02.1986)
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