Iberischer Bruderkampf in der Gruppe A: Scolari gießt mächtig Öl ins Feuer
zuletzt aktualisiert: 19.06.2004 - 15:25Lissabon (rpo). Vor dem entscheidenden Spiel in der Gruppe A zwischen Spanien und Gastgeber Portugal hat eine zweifelhaft martialische Sprache Einzug gehalten. Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari goss in einem Gespräch mit einem spanischen Radiosender mächtig Öl ins Feuer: "Ich rede nicht mit Spaniern. Das ist Krieg. Es geht um töten oder getötet werden."
Für 90 Minuten wechselt der bei den Fans umstrittene brasilianische Weltmeister-Coach von 2002 sogar die Nationalität: "Bei diesem Spiel bin ich Portugiese." Vor dem entscheidenden Duell um den Einzug ins Viertelfinale der Europameisterschaft am Sonntag (20.45 Uhr/bei uns im LIVE!-Ticker) im Estadio Jose Alvalade in Lissabon geht die spanische Presse derweil polemisch mit der Ansetzung von Schiedsrichter Anders Frisk um. Der Europäischen Fußball-Union (Uefa) wird sogar unterstellt, in dem Schweden einen Heim-Schiedsrichter mit der Leitung des brisanten Spiels der beiden Erzrivalen beauftragt zu haben.
Portugal müsse - so heißt es - als Gastgeber das Viertelfinale erreichen, weil sonst das Turnier gestorben sei. Dies ist auch die Befürchtung von Franz Beckenbauer: "Wenn Portugal rausfliegt, fehlt der EM ein gehöriges Stück Glanz, und das Fest wäre zu Ende. Niemand würde sich in Portugal in den kommenden Wochen für Fußball interessieren."
Ablehnung des Schiedsrichters
Die Ablehnung der Spanier gegen die Ansetzung von Frisk beruht auf dem WM-Achtelfinale 2002 in Asien. Damals pfiff der 41 Jahre alte Versicherungskaufmann aus Mölndahl, seit 1991 auf der Fifa-Liste und Unparteiischer des EM-Finales 2000 zwischen Frankreich und Italien in Rotterdam, einen umstrittenen Foulelfmeter für Irland, so dass Spanien erst im Elfmeterschießen das Viertelfinale erreichte. Und dort scheiterte das Team Trainer von Jose Antonio Camacho nicht zuletzt wegen einer schwachen Schiedsrichterleistung an Gastgeber Südkorea. Ein vermutlich reguläres Tor von Fernando Morientes wurde nicht gegeben.
Spaniens Nationaltrainer Inaki Saez will sich jedoch nicht in die Schiedsrichter-Debatte einmischen und schwört seine Mannschaft auf das Prestigeduell in Lissabon ein: "Ich gehe davon aus, dass der Schiedsricher korrekt pfeift, darüber mache ich mir keine Sorgen. In diesem Spiel geht es um alles oder nichts, es ist alles andere als ein Freundschaftsspiel wie bei unserem 3:0-Sieg im September vergangenen Jahres in Portugal. Diese Partie dient als Bezugspunkt für meine Mannschaft. Damit kann ich meine Spieler überzeugen, dass wir Portugal schlagen können."
Rauls 75. Länderspiel
Spaniens Stürmerstar Raul, der am Sonntag sein 75. Länderspiel bestreitet, ist fest vom Weiterkommen seiner Mannschaft überzeugt: "Wir und die Griechen kommen ins Viertelfinale." Dafür spricht auch die Statistik. Denn Spanien blieb seit 1981 in 23 Länderspielen gegen Portugal unbesiegt und kann auf eine Erfolgsserie von zuletzt zwölf Länderspielen ohne Niederlage zurückblicken.
Portugal verweist auf eine andere Statistik. Bei der zwölften EM zum vierten Mal dabei, haben die Portugiesen als einzige Nation bisher immer die Vorrunde überstanden. "Spanien ist stark, aber wir sind aber stärker. Wir dürfen aber nicht an Begriffe wie Rivalität und Rache denken. Das würde uns verunsichern", erklärte Mittelfeldspieler Costinha. Kapitän Luis Figo pflichtet seinem Mannschaftskameraden bei: "Wir wollen die Partie nicht zusätzlich anheizen. Wir geben auf dem Platz die Antwort."
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Spanien: 13 Casillas - 5 Puyol, 22 Juanito, 6 Helguera, 15 Raul Bravo - 19 Joaquin, 4 Albelda, 8 Baraja, 14 Vicente - 10 Morientes, 7 Raul
Portugal: 1 Ricardo - 13 Miguel, 4 Andrade, 16 Carvalho, 14 Nuno Valente - 8 Maniche, 6 Costinha, 7 Figo, 20 Decu - Simao, 9 Pauleta (17 Ronaldo)
Schiedsrichter: Anders Frisk (Schweden)
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