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Fifa-Präsidentschaft
"Orakel" Blatter ätzt gegen Uefa

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa
Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella
Zürich. Joseph S. Blatter kann es nicht lassen: Erstmals seit der Terminierung der Wahl seines Nachfolgers als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa hat der Schweizer wieder einmal öffentlich über eine durch den Fifa-Korruptionsskandal unmöglich erscheinende Fortsetzung seiner Amtszeit über den 26. Februar hinaus orakelt.

Für den kaum realistischen Fall einer leeren Kandidatenliste sieht sich der 79-Jährige einem Bericht der Schweizer Boulevardzeitung Blick zufolge offenbar weiterhin an der Fifa-Spitze.

"Ich bin der gewählte Präsident, demissioniert habe ich nie, ich habe mein Amt zur Verfügung gestellt. Gibt es keinen Nachfolger? Ich weiß es nicht, es gibt ja einen Präsidenten", zitierte der Blick am Montag sibyllinische Aussagen des umstrittenen Fifa-Bosses bei dem nach Blatter benannten Traditionsturnier am vergangenen Wochenende im Schweizer Provinzort Ulrichen.

Blatters eloquente Koketterie hat einen durchaus ernstzunehmenden Hintergrund. Gegen die beiden bislang bekannten Kandidaten Michel Platini (Frankreich) und Chung Mong-Joon (Südkorea) stehen Vorwürfe wegen unsauberen Verhaltens im Raum. Und Brasiliens an der Blatter-Nachfolge interessiertes Idol Zico könnte ebenso Probleme bei der Akquise der notwendigen Unterstützungsschreiben von fünf Nationalverbänden bekommen wie Liberias gleichfalls ambitionierter Verbandschef Musa Bility.

Platini, derzeit Präsident des Europa-Verbandes Uefa, steht besonders wegen der lukrativen Anstellung seines Sohnes bei einer Vermarktungsagentur in Katar nur kurz nach der Wahl des Wüstenstaats zum WM-Gastgeber 2022 auch mit seiner Stimme in der Kritik. Gegen Chung soll die Fifa-Ethikkommission eine 15-jährige Sperre in Erwägung ziehen, weil der Milliardär in der Fifa-Exekutive eine frei verwendbare Summe von 777 Millionen Dollar als Gegenleistung für die Wahl seines Heimatlandes zum Ausrichter des WM-Turniers 2022 geboten hat.

Seit seiner Rückzugsankündigung Anfang Juni hatte Blatter zunächst mehrfach eine eindeutige Bestätigung seines Abschieds von der Fifa-Kommandobrücke vermieden. Am Tag der Ansetzung der Präsidentschafts-Neuwahl Ende Juli jedoch hatte der Verbandsboss für den 26. Februar das Ende seiner Amtszeit und eine neue Betätigung als Radio-Moderator in Aussicht gestellt.

Über die Kommentare zu seinen Zukunftsplänen hinaus nutzte der Fifa-Chef den Auftritt in Ulrichen allerdings auch zur weiteren Diskreditierung von Platini und der Uefa. Ohne seinen früheren Günstling und heutigen Erzrivalen Platini und die Uefa zu nennen, warf der Walliser eindeutig den Europäern letztlich misslungene Versuche der Machtübernahme in der Fifa vor: "Ein wichtiger Punkt war in der Vergangenheit immer, dass ein Kontinentalverband die anderen versucht hat zu dominieren. Aber das funktioniert in der Fifa nicht."

Mit dem vermeintlichen Machtkalkül der Uefa begründete Blatter auch seinen Wortbruch bei der abermaligen Kandidatur für das Fifa-Präsidentenamt auf dem skandalumtosten Kongress Ende Mai 2015: "Das war auch ein Beweggrund für mich, anders als beabsichtigt noch einmal als Präsident zu kandidieren."

(sid)
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