EM-Teilnehmer im Porträt: Spanien: Mit Gottes Hilfe zum Sieg?
zuletzt aktualisiert: 08.04.2004 - 12:16Madrid (rpo). Auftakt gegen Russland: Spanien träumt davon, den ersten Titel seit 40 Jahren im Nachbarland Portugal zu holen. Der Jugendstil von Inaki Saez, der Trainer der "Seleccion", und die Unterstützung der Fans sollen diesen Weg ebnen. Die "Zeit der Schmerzen" soll nun endgültig beendet werden.
Seit der EM 1964, als die "Seleccion" mit einem 2:1 gegen die damalige UdSSR im eigenen Land den bislang einzigen Sieg bei einem großen internationalen Turnier feierte, herrscht bei den Iberern bei Welt- und Europameisterschaften trübe Laune.
Doch die junge Mannschaft von Trainer Inaki Saez mit einem Durchschnittsalter von nur 24 Jahren will den Ruf der spanischen Auswahl wieder herstellen und die bitteren Viertelfinalpleiten bei der WM 2002 in Südkorea und Japan sowie der EM in Belgien und Holland endgültig vergessen machen. "Wir haben einen großen Traum. Wir wollen alle unsere Spiele gewinnen, ins Finale einziehen und dann den Titel holen. Nie waren unsere Chancen größer als in diesem Jahr", meinte der erst 22 Jahre alte Joaquin Sanchez, offensiver Mittelfeldspieler vom Erstligisten Betis Sevilla, selbstbewusst.
Bitteres Viertelfinal-Aus
Seit dem bitteren Viertelfinal-Aus durch das 3:5 im Elfmeterschießen gegen Co-Gastgeber Südkorea bei der WM 2002 und dem anschließenden Rücktritt von Trainer Jose Antonio Camacho hat sich bei den Südländern ohnehin so etwas wie Aufbruchstimmung breit gemacht. Camacho-Nachfolger Saez feierte seit seinem Debüt am 21. August 2002 gegen Ungarn (1:1) mit dem Team um Superstar Raul in 17 Spielen zwölf Siege.
Die einzige Niederlage, die am Ende sogar den Gruppensieg kostete, musste der baskische Coach bei der 0:1-Heimpleite in der EM-Qualifikation gegen Griechenland, zudem zweiter Vorrundengegner der Spanier in Portugal, hinnehmen. Unbeeindruckt davon besiegte der EM-Zweite von 1984 in den Playoffs die Norweger in beiden Partien (2:1, 3:0) und will nun mit Erfolgen gegen die kommenden Gegner in der EM-Gruppe A Russland, Griechenland und Portugal zum großen Coup ansetzen. "Die Gruppenspiele sehe ich nicht so kritisch, denn durch die beiden Siege in den Playoffs sind wir mental das stärkste Team", meinte der 60-Jährige.
Allerdings befürchtet Saez auf Grund der noch im Europapokal vertretenen spanischen Klubs, dass einige seiner Spieler physisch ausgelaugt zur EM fahren und dann in der K.o.-Runde schlapp machen. "Wir können den Titel gewinnen, aber durch die lange Saison in Spanien bleibt den Spielern kaum Zeit zum Ausruhen. Dann kommt auch nach das späte Finale der Champions League. Es wird unheimlich schwer, die Mannschaft auf so ein wichtiges Turnier vorzubereiten", meinte Saez, der als Trainer verschiedener Junioren-Nationalteams eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben hat: Neben dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney wurde er innerhalb von nur vier Jahren zwei Mal Europameister und einmal Weltmeister.
Real- und Valencia-Achse
Auf dem Weg zu seinem ersten Titel mit dem A-Team setzt Saez auf eine Achse aus Spielern der Topklubs Real Madrid und FC Valencia. Während im Mittelfeld die Valencia-Profis Ruben Baraja, David Albelda und Vicente die Fäden ziehen sollen, sind in der Defensive die "Königlichen" Michel Salgado und Ivan Helguera sowie Torwart Iker Casillas gesetzt.
Zudem will Madrids Stürmerstar und Rekordtorjäger Raul als Kopf der Mannschaft seine ganz persönliche Schmach von 2000 vergessen machen, als er mit einem verschossenen Elfmeter kurz vor dem Ende des Viertelfinals gegen den späteren EM-Titelträger Frankreich zum "Sündenbock" wurde.
Der gläubige Katholik Saez vertraut aber nicht alleine auf seine Spieler und der Unterstützung von mehreren 10.000 Anhängern. Als EM-Quartier hat er ein Kloster in der Nähe des Spielortes Guimares buchen lassen und erhofft sich so göttlichen Beistand. Spaniens Fußball-Idol Emilio Butragueno bezweifelt allerdings, dass Spanien nach vier Jahrzehnten der Trauer in Portugal wieder jubeln darf: "Es ist schwer, optimistisch zu sein. Irgendetwas kommt uns Spaniern doch immer dazwischen."
Das spanische EM-Aufgebot:
Tor: 23 Iker Casillas (Real Madrid 20.05.1981), 1 Santiago Canizares (FC Valencia 18.02.1969), 13 Daniel Aranzubia (Athletic Bilbao 18.09.1979)
Abwehr: 2 Joan Capdevila (Deportivo La Coruna 03.02.1978), 6 Ivan Helguera (Real Madrid 28.03.1975), 15 Raul Bravo (Real Madrid 14.04.1981), 12 Gabri (FC Barcelona 10.02.1979), 5 Carlos Puyol (FC Barcelona 13.04.1978), 3 Carlos Marchena (FC Valencia 31.07.1979), 18 Cesar Deportivo (La Coruna 03.04.1977), 22 Juanito (Betis Sevilla 23.07.1976)
Mittelfeld: 16 Xabi Alonso (Real Soc. San Sebastian 25.11.1981), 8 Ruben Baraja (FC Valencia 11.07.1975), 4 David Albelda (FC Valencia 01.09.1977), 14 Vicente (FC Valencia 16.07.1981), 20 Xavi (FC Barcelona 25.01.1980), 19 Joaquin (Betis Sevilla 21.07.1981), 21 Juan Carlos Valeron (Deportivo La Coruna 17.06.1975)
Angriff: 17 Joseba Etxeberria (Athletic Bilbao 05.09.1977), 7 Raul (Real Madrid 27.06.1977), 10 Fernando Morientes (AS Monaco 05.04.1976), 11 Albert Luque (Deportivo La Coruna 11.03.1978), 9 Fernando Torres (Atletico Madrid 20.03.1984)
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