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Vereine bleiben trotz Urteil gnädig: Spieler dürfen wohl in Peking bleiben

zuletzt aktualisiert: 06.08.2008 - 15:00

Peking (RPO). Nach einem wochenlang Rechtsstreit hat der Internationale Sportgerichtshof CAS den Bundesliga-Klubs Recht gegeben. Werder Bremen, Schalke 04 und Hertha BSC Berlin müssen keine Spieler zu den Olympischen Spielen abstellen. Es wird jedoch erwartet, dass sich die Vereine gnädig zeigen. 

Schalke 04 muss seinen Brasilianer Rafinha nicht für das Olympische Fußball-Turnier abstellen. Ob der Klub seinen Spieler, der schon in Peking trainiert, jetzt in die Heimat beordert, blieb zunächst offen.  Foto: AP, AP
Schalke 04 muss seinen Brasilianer Rafinha nicht für das Olympische Fußball-Turnier abstellen. Ob der Klub seinen Spieler, der schon in Peking trainiert, jetzt in die Heimat beordert, blieb zunächst offen. Foto: AP, AP

Zwar blieben Stellungnahmen von Werder und Schalke zunächst aus, doch Dieter Hoeneß preschte vor. Der Manager von Hertha BSC Berlin erklärte auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt, dass sich die Hertha mit den beiden Bundesliga-Konkurrenten Bremen und Schalke zu einer "gemeinsamen Strategie" entschlossen habe. Die Berliner sind durch den Serben Gojko Kacar ebenfalls betroffen. Schalke und Bremen äußerten sich bis Mittwochnachmittag nicht zum CAS-Entscheid und die weitere Vorgehensweise.

Hoeneß stellt Bedingungen

Folgende Bedingungen wollen die Klubs laut Hoeneß an die jeweiligen Verbände stellen: Die Verbände sollen für die Zeit der Abstellung die Gehälter der Spieler übernehmen, eine zusätzliche Abstellungsgebühr in nicht genannter Höhe entrichten und zudem eine Unfallversicherung für die Spieler abschließen. Die Zeit drängt, Serbien (gegen Australien) und Brasilien (gegen Belgien) bestreiten am Donnerstag jeweils um 17.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MESZ) ihre Auftaktmatches.

Damit könnte das olympische Fußball-Turnier doch noch im Chaos versinken. Der Richterspruch betrifft zwar zunächst neben den beiden deutschen Klubs nur den FC Barcelona, der wegen des Argentinieres Lionel Messi ebenfalls den CAS angerufen hatte. Andere Vereine können sich aber mit einem Widerspruch anschließen und ihre U23-Spieler zur Rückkehr zwingen.

CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb betonte, dass die Klubs nach dieser Entscheidung durchaus die Möglichkeit hätten, die Spieler zu bestrafen, sollten sich diese weigern, während des olympischen Turniers zu ihren Vereinen zurückzukehren.

Olympischen Geist bei den Klubs

"Die Spieler müssen zurück. Ansonsten drohen ihnen Strafen durch die Vereine. Jetzt können sich andere Vereine dranhängen. Wir werden auch dann zu keinem anderen Urteil kommen", erklärte Reeb vor dem Park Plaze Wangfujing Hotel in Peking vor mehreren Fernsehteams: "Vielleicht gibt es aber auch so eine Art olympischen Geist bei den Klubs, und die Spieler dürfen im Turnier bleiben. Aber das ist nicht unsere Entscheidung."

Für Rafinha hatte Schalke bereits ein Bußgeld in Höhe von 25. 000 Euro vorgesehen - pro Tag. Vor allem der kleine Verteidiger der Königsblauen hatte seine Interessen rigoros durchgesetzt und zuletzt jeglichen Kontakt zu seinem Arbeitgeber abgebrochen. Dagegen hatten sich Werder und sein Spielmacher gegenseitig zugesichert, das CAS-Urteil akzeptieren zu wollen.

An eine erzwungene Abreisewelle aus China mochte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter, der sich erst sehr spät und unter schwammigem Verweis auf das Gewohnheitsrecht auf die Seite der Spieler geschlagen hatte, am Mittwoch noch nicht denken. Der Schweizer hatte sich zunächst über die Entscheidung des CAS "überrascht und enttäuscht" gezeigt.

Er appellierte aber auch an die Klubs: "Lasst eure Spieler an den Olympischen Spielen teilnehmen! Es wäre ein Akt der Solidarität in perfekter Harmonie mit dem olympischen Geist. Es wäre wunderbar für die Spieler, die Fans und für das Spiel selbst", so Blatter.

Urteil löst Zufriedenheit aus

Bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde das CAS-Urteil derweil mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen. "Wir haben gemeinsam mit dem DFB stets die Auffassung vertreten, dass sich weder aus den Fifa-Reglements, noch aus Gewohnheitsrecht eine Verpflichtung unserer Klubs ableiten lässt, die Spieler freizustellen", erklärt Holger Hieronymus in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer Spielbetrieb in der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Die Fifa habe es leichtfertig verpasst, so Hieronymus, frühzeitig die geltende Rechtslage anzuerkennen. Die Vorbereitung der Klubs auf die neue Saison sei erheblich beeinträchtigt.

Ähnliche Probleme soll es in vier Jahren bei den Sommerspielen in London nicht mehr geben. "Wir werden mit der Fifa zusammen daran arbeiten, die Regel so zu fassen, dass die Athleten an dem Turnier teilnehmen können", sagte IOC-Direktor Gilbert Felli.

Quelle: sid

 
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