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Spielerberater Raiola
Der Pate

Spielerberater Mino Raiola: der Pate
Spielerberater Mino Raiola auf einer Pressekonferenz. FOTO: dpa, oa ay
Düsseldorf/Manchester. Mino Raiola berät die Fußball-Stars Lukaku, Pogba und Ibrahimovic. "Ich bin die Familie meiner Spieler", sagt der Agent. Von Robert Peters

Cosima La Ferrara - ein Name wie Musik und vermutlich geeignet für Sprechchöre im Fußballstadion. So weit ist es aber noch nicht. Cosima La Ferrara ist erst 19, er spielt für die Jugend des AC Mailand, die ebenfalls einen schönen Namen trägt - Primavera, Frühling. Und er hat einen Marktwert von 25.000 Euro. Trotzdem gehört er zu den 45 Klienten des Spielerberaters Mino Raiola (49), in dessen Kartei sich weit prominentere Namen befinden. Raiola betreut unter anderen Paul Pogba, den er vor einem Jahr für eine Ablösesumme von 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United vermittelte. Und er ist der Agent von Pogbas künftigem Teamkollegen Romelu Lukaku, den er am Wochenende zum drittteuersten Transfer der Welt machte. 100 Millionen Euro ist United der Wechsel des Spielers vom FC Everton wert. Weltrekordler bleibt Pogba.

Offizielle Statistiken über den reichsten Spielerberater der Welt gibt es nicht. Raiola hätte alle Chancen auf diesen Titel. Er kokettiert allerdings gern damit, dass ihm das nichts bedeutet. Dem Magazin "11 Freunde" sagte er vor Jahren: "Sie gehen von der Prämisse aus, dass ich einen Transfer aushandle, um Geld zu verdienen. Um ehrlich zu sein, ist mir Geld schon lange ziemlich egal."

So reden Menschen, die nicht mehr jedes Milliönchen zweimal umdrehen müssen, ehe sie es ausgeben. Das heißt jedoch nicht, dass Raiola voller Güte auf einen Abschluss zu seinen Gunsten verzichten würde. Das "Spiegel"-Buch "Football Leaks - die schmutzigen Geschäfte im Profifußball" glaubt dem Agenten nachweisen zu können, dass er beim Transfer von Pogba durch Verträge mit Juventus, Manchester United und dem Spieler selbst rund 49 Millionen Euro eingestrichen haben soll. Solche Provisionen erklären vielleicht, warum Raiola seinen Klienten Zlatan Ibrahimovic gleich sechsmal dabei unterstützte, den Verein zu wechseln. Den Verdacht, das habe unter Umständen etwas mit Eigennutz zu tun, weist Raiola mit großer Geste von sich. "Mein Interesse gilt ausschließlich meinen Spielern. Ich bin Altruist, ich kümmere mich um meine Spieler. Ich bin ihre Familie", sagte er. Das passt wunderbar ins Image des Paten, das Raiola sich selbst so gern verpasst, und es ist natürlich nicht nachzuprüfen. Raiolas wirtschaftlicher Erfolg schon. Er hat selten aufs falsche Pferd gesetzt, seit er sich entschloss, ins Beratergeschäft einzusteigen. Sein Weg liest sich ein bisschen wie der Stoff für ein Hollywood-Fußball-Filmchen. Die Geschichte: Ein kleiner Junge kommt mit der Familie aus der süditalienischen Hafenstadt Salerno in den späten 1960er Jahren ins niederländische Haarlem. Der Vater eröffnet ein Restaurant, und bald werden es 27 Restaurants sein, die er betreibt. Weil Sohn Mino die neue Sprache besser spricht als der Vater, "wurde ich sein Berater, sein Einkäufer, sein Geschäftsführer. Verhandeln und organisieren, das war mein Ding. Alles, was ich kann, habe ich im Restaurant gelernt".

Dort lernte Raiola den Präsidenten des HFC Haarlem kennen, und er gab dem Fußball-Funktionär ein paar kundige Ratschläge - völlig uneigennützig, versteht sich. "Ich sah genau hin, und ich benutzte mein Hirn. Ich las die Verträge und Reglements und entdeckte eine Lücke im Transfersystem", erklärte der Agent. Sein Wissen teilte er mit dem Lieblingsklub seiner Familie, dem SSC Neapel. Den Italienern habe er gesagt: "Hört mal, ich weiß, wie ihr den holländischen Markt kontrollieren könnt, ohne hohe Summen auszugeben." Kein Wunder, dass seine ersten Klienten Spieler von Ajax Amsterdam waren.

Dabei blieb es nicht. Raiola wurde eine Größe in der Szene, weil sein Verhandlungsgeschick legendär ist, und weil er mit den meisten Partnern in der Landessprache kommunizieren kann. Er spricht italienisch, niederländisch, englisch, spanisch, deutsch und französisch. Das macht es ihm leichter, den Vereinen sicher nicht, mit denen er um Spielerverträge (und damit immer auch um eigene Provisionen) feilscht. Die Erfolge haben Raiola nicht unbedingt demütiger gemacht. "Ich bin nicht der Sonnenkönig", stellte er fest, "aber wenn ich einen großen Spieler bewege, dann bewegt sich der Markt mit. Ich bin der Markt." Ein bisschen Größenwahn gehört zum Geschäftsprinzip. Kleinere Irrtümer erschüttern es nicht. Nachdem Raiola 2012 Ibrahimovic zu Paris St. Germain gebracht hatte, prophezeite er: "PSG wird nicht nur mit hundertprozentiger Sicherheit die Champions League gewinnen, sondern in naher Zeit auch das Triple." Darauf wartet die Welt noch. Ibrahimovic verließ PSG 2016.

Quelle: RP
 
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