Streit eskaliert: Sportbund gegen Babelsberg: "Kinderdoper"
zuletzt aktualisiert: 05.07.2001 - 16:48Potsdam (rpo). Der Streit zwischen dem Deutschen Sportbund (DSB) und dem Fußball-Zweitligisten SV Babelsberg 03 scheint zu eskalieren. DSB-Präsident Manfred von Richthofen kritisiert, dass der Aufsteiger Dr. Jochen Neubauer als Teamarzt verpflichtet hat.
Dieser ist wegen Dopings an Minderjährigen in der DDR umstritten. "Man darf keinem Kinderdoper die Gelegenheit geben, an so einer exponierten Stelle im Sport mitzuwirken", sagte von Richthofen dem Sport-Informations-Dienst (sid).
Babelsberg verstoße mit der Verpflichtung gegen die Beschlüsse für wegen Dopings verurteilte Ärzte des DSB, weswegen am Donnerstag ein entsprechendes Schreiben an den Klub mit Kopie an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gegangen sei. "Man kann keinen Dopingkampf führen und gleichzeitig Ärzte einer solch verabscheuungswürdigen Praxis in Funktion kommen lassen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber Eltern und Kindern", begründete von Richthofen die Aufforderung, den Schritt rückgängig zu machen.
Babelsberg will indes hart bleiben. "Das Thema ist längst abgeschlossen. Neubauer hat seine Strafe akzeptiert, hat aber kein Berufsverbot. Wenn Richthofen ein Berufsverbot durchsetzt, dann halten wir uns daran", erklärte SVB-Präsident Detlef Kaminski.
"Primitive Pöbeleien"
Der Drohung des DSB-Präsidenten, mit dem DFB aktiv zu werden, sieht Kaminski gelassen entgegen: "Das kann er machen, viel Spaß dabei. Aber von seiner Scheinheiligkeit habe ich langsam die Nase voll. Über die Medaillen der Potsdamer Athleten, die von Dr. Neubauer berteut wurden, hat er sich schließlich damals gefreut." Manfred von Richthofen reagiert gelassen auf die Äußerungen: "Das sind doch primitive Pöbeleien. Fakt ist, wir waren in solchen Fällen immer konsequent."
Bereits im vergangenen Jahr hatte Neubauer aufgrund öffentlicher Kritik und von Richthofens Intervention mit Unterstützung des DFB beim damaligen Zweitligisten TeBe Berlin gekündigt. Zuvor hatte der Arzt seinen Posten beim Olympiastützpunkt Potsdam verloren. Von Richthofen hatte damals ebenfalls unter Hinweis auf DSB-Grundsatzbeschlüsse eine Trennung gefordert.
Neubauer war wegen vorsätzlicher Beihilfe zur Körperverletzung durch Hormondoping in zehn Fällen angeklagt und hatte im März 2000 den Strafbefehl über 90 Tagessätze zu je 100 Mark angenommen.
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