Tod des sechsfachen DDR-Nationalspielers: Staatsanwaltschaft führt Ermittlungsverfahren im Fall Eigendorf
zuletzt aktualisiert: 21.11.2000 - 15:48Berlin (dpa). Der mysteriöse Tod des Fußball-Profis Lutz Eigendorf wird von der Berliner Staatsanwaltschaft untersucht. Wie Justizsprecherin Anja Teschner am Dienstag der dpa bestätigte, führt die Staatsanwaltschaft im Fall Eigendorf ein "Ermittlungungsverfahren gegen einen Beschuldigten wegen Tatverdachts zur Beihilfe zum Mord".
Beim Tod des sechsfachen DDR-Nationalspielers hatte die Staatssicherheit nach Dokumenten der Gauck-Behörde ihre Hände im Spiel, wie eine im März präsentierte Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks (WDR) unter dem Titel "Tod dem Verräter" belegte. Eigendorf hatte am 20. März 1979 nach einem Freundschaftsspiel des BFC Dynamo Berlin beim 1. FC Kaiserslautern um politisches Asyl in der Bundesrepublik gebeten und war am 5. März 1983 im Alter von 26 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Damals waren als Unfall- Ursache 2,2 Promille Alkohol im Blut angegeben und das Verfahren daraufhin eingestellt worden.
Inzwischen ist bekannt, dass nach der Flucht von Eigendorf 17 Inoffizielle Stasi-Mitarbeiter (IM) dessen Eltern in Brandenburg sowie die in Ost-Berlin zurückgelassene Frau observierten. Vier IM sollen den Profi in Kaiserslautern und später Braunschweig auf Schritt und Tritt überwacht haben. Dabei waren zwei der IM's aus dem Osten in den Westen eingeschleust worden. Insgesamt sollen zudem rund 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter mit dem Fall befasst gewesen sein.
Hinweise aus den Stasi-Akten belegen, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug den Auftrag hatte, Eigendorf am 5. März 1983 in seinem Auto so zu blenden, dass ein Abkommen von der Fahrbahn unausweichlich war. Zeugenaussagen belegen zudem, dass Eigendorf am betreffenden Abend nur vier bis fünf Bier getrunken hatte. Die Dosis von 2,2 Promille hätte jedoch nach Meinung eines Arztes einer Menge von 4,3 Litern Bier bedurft.
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