Mirko Slomka als Trainer berufen: Tennis Borussia plant radikalen Umbau
zuletzt aktualisiert: 19.07.2000 - 16:04Berlin (dpa/lnw). Tennis Borussia Berlin setzt nach dem Chaos der letzten Wochen und dem massenhaften Abgang der Stars in der Fußball- Regionalliga gezwungenermaßen auf junge Leute und ein verändertes Konzept. Am Mittwoch präsentierte der Verein mit dem 32-jährigen Mirko Slomka einen neuen Cheftrainer.
Slomka erhielt einen Drei- Jahresvertrag, war bislang als Jugendkoordinator bei den Charlottenburgern tätig und hat in der zurückliegenden Saison die A- Jugend des Vereins unter die besten vier Teams in Deutschland geführt. Der bisherige Cheftrainer Winfried Schäfer hatte am Dienstagabend nach dem endgültigen Gerichtsentscheid über den Zweitliga-Lizenzentzug und die damit verbundene Einstufung in die Regionalliga den Rücktritt von seinem Amt angekündigt. Schäfer hätte nur für die 2. Bundesliga zur Verfügung gestanden.
Aufsichtsratschef Erwin Zacharias verbindet das Engagement des neuen Trainers mit einer veränderten Konzeption für die Zukunft: "Wir werden in der neuen Liga nicht mit teuren Spielern arbeiten, die wir eingekauft haben, sondern vor allem der eigenen Jugend vertrauen." Deshalb das Angebot an Slomka, der parallel neben der 1. Mannschaft auch weiter die Jugendarbeit koordinieren soll. Ziel bleibe natürlich die schnelle Rückkehr in die 2. Liga, aber es gebe keine Vorgaben an den neuen Trainer. Das Engagement des Sponsors Göttinger Gruppe wird auch in der 3. Liga bestehen bleiben, der Etat wird mit rund zehn Millionen Mark angesetzt.
Robert Jaspert, der in den letzten Wochen das Team betreute und als Schäfer-Nachfolger gehandelt wurde, soll weiter die zweite Mannschaft betreuen, die künftig in der Amateur-Oberliga spielt. "Sie soll der Unterbau für die erste Mannschaft sein. Wir wollen jungen Leuten die Chance geben zu spielen." Slomka wird am Freitag vorerst mit 28 Spielern ins Trainingslager nach Schneverdingen fahren, um dort die Spieler herauszufinden, die im Team zusammenpassen.
"In 21 Tagen haben wir unser erstes Punktspiel gegen Rot-Weiß Essen. Die Zeit ist sehr kurz." Mit dabei sind auch die aktuellen Neuverpflichtungen Mike Jesse von Energie Cottbus und Sebastian Müller von Dynamo Dresden. "Ich muss ein Team zusammen stellen, das vor allem kämpferisch und technisch überzeugen kann. Die Kondition müssen wir uns leider im Laufe der Saison erarbeiten."
Für Zacharias ist allerdings der Rechtsstreit um die Lizenz mit dem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt (OLG) gegen den Einspruch von TeBe gegen den Lizenzentzug durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch nicht beendet. "Das Ergebnis ist fatal. Für mich ist diese Angelegenheit noch nicht abgeschlossen."
Da der DFB die Lizenz für die 3. Liga dem Verein erteilt hat und nicht der Fußball- Kapitalgesellschaft, werde er als deren Vertreter den Gang an ein ziviles Gericht überlegen. Er könne sich vorstellen, für Schadenersatz wegen der finanziellen Verluste zum Beispiel durch den Abgang teurer Spieler zu klagen. Die Verluste durch den ablösefreien Abgang der Stars belaufen sich auf geschätzte 35 Millionen Mark. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das Urteil gegen uns falsch ist", sagte Zacharias.
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