Erstmals drei Sonntags-Spiele: Termin-Wirrwarr erreicht Höhepunkt
zuletzt aktualisiert: 24.11.2000 - 14:06Düsseldorf (dpa). Notwendiges Übel oder unverantwortliches Profitstreben? Die Hatz der vergangenen Tage hat die Diskussion über die inflationäre Ereignisflut im Profi-Fußball neu entfacht. Weil derzeit sieben deutsche Mannschaften im Europapokal zum Einsatz kommen, blieb den zuletzt leidgeprüften Terminplanern keine andere Wahl: Erstmals in der 38-jährigen Bundesliga-Historie finden am 14. Spieltag drei Spiele am Sonntag statt. "Wir erleben im Moment den hellen Wahnsinn", beklagte Hamburgs Sportchef Holger Hieronymus die bedenkliche Entwicklung, bei der die Termingestaltung mehr und mehr zur Flickschusterei und die Belastung der Profis zu einem gefährlichen Abenteuer wird.
Nicht einmal 48 Stunden nach der 0:1-Niederlage beim AS Rom sind die schwächelnden HSV-Profis am Samstagabend bei Hansa Rostock erneut gefordert. Immerhin einen Tag länger bleibt deren Leidensgenossen von Bayer Leverkusen (gegen Kaiserslautern), VfB Stuttgart (bei Werder Bremen) und TSV München 1860 (gegen Unterhaching) Zeit, um nach den kräftezehrenden UEFA-Cup-Auftritten zu regenerieren. "An solche Engpässe kann ich mich nicht erinnern. Das ganze Elend hat mit der Ausweitung der europäischen Wettbewerbe begonnen", monierte Spielleiter Hans-Georg Noack, der das Chaos zu entwirren versucht. In seiner Not konnte der "Herr der Zahlen" die genauen Bundesliga- Spieltermine zuletzt jedoch nur noch im Vier-Wochen-Rhythmus bekanntgeben.
Nicht nur Noack gehört zu den Leidtragenden. Auch die Formkurve der auf internationaler Bühne tätigen Profis zeigt deutlich nach unten. Am 12. Spieltag verbuchten nur zwei der sieben deutschen Europapokal-Clubs einen Sieg, am vergangenen Wochenende konnte sich mit Leverkusen gar nur ein Team durchsetzen. Zudem häufen sich die Krankmeldungen. So beklagt der entthronte Spitzenreiter Hertha BSC vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt am Samstag den Ausfall von sechs Profis. Der Terminhatz überdrüssig forderte Nationalspieler Marco Bode (Werder Bremen) bereits in der vorigen Woche ein Umdenken: "So kann es nicht weitergehen. Das ist unverantwortlich. Die Regeneration ist einfach zu kurz."
Selbst dem Luxuskader des FC Bayern München helfen die Rotations- Künste vergangener Jahre in dieser Saison offenbar nicht weiter. Auch beim glanzlosen 1:0-Sieg über Olympique Lyon wirkte der deutsche Rekordmeister saft- und kraftlos. Zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge haben für eine gereizte Stimmung gesorgt. Selbst der ansonsten zurückhaltende Trainer Ottmar Hitzfeld redete vor dem Spiel beim SC Freiburg Tacheles: "Wir sind in einer gefährlichen Situation. Gewinnen wir in Freiburg nicht, rutschen wir ins Mittelfeld ab, und das ist keine gemütliche Situation für uns."
Dem Titelverteidiger fehlen Mehmet Scholl und Willy Sagnol. Patrik Andersson und voraussichtlich Weltmeister Bixente Lizarazu sollen der zuletzt kritisierten Abwehr wieder mehr Sicherheit geben. Durch die Vorfälle in der vorigen Saison, als der Golfball-Wurf eines Freiburg- Fans an den Kopf von Bayern-Torhüter Oliver Kahn für Schlagzeilen sorgte, gewinnt die Partie zusätzlich an Brisanz.
Wie der FC Bayern steht auch Borussia Dortmund vor einem Richtung weisenden Spiel. Mit einem Erfolg über den seit acht Punktspielen ungeschlagenen VfL Wolfsburg könnte das Team von Trainer Matthias Sammer nicht nur für eine positive Heimbilanz, sondern auch für eine gute Ausgangsposition in der Tabelle sorgen. Die anhaltende BVB- Abschlussschwäche soll Rückkehrer Fredi Bobic beheben, der vor seinem vierten Saisonspiel steht. Im Aufsteiger-Duell bei Energie Cottbus wollen die Profis vom 1. FC Köln ihren jüngsten Höhenflug fortsetzen. Ein Blick auf die FC-Auswärtsbilanz, die nur zwei Punkte in sechs Spielen aufweist, lässt jedoch nichts Gutes erahnen.
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