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Wichtiger Schritt oder absolute Grenze?
Hawk-Eye-System feiert Bundesliga-Premiere

Übersicht: Die Phantomtore im deutschen Profi-Fußball
Übersicht: Die Phantomtore im deutschen Profi-Fußball FOTO: afp, DANIEL ROLAND
Frankfurt/Main. In der Bundesliga entscheidet künftig das Hawk-Eye-System über Tor oder kein Tor. Ob die Torlinientechnik das einzige Hilfsmittel für Schiedsrichter bleibt, ist derzeit völlig offen.

Für Ligapräsident Reinhard Rauball ist die Einführung der Torlinientechnik nur ein erster "wichtiger Schritt nach vorne", für DFB-Boss Wolfgang Niersbach hingegen schon "die absolute Grenze." Der Beginn einer neuen Zeitrechnung, da sind sich jedoch alle Beteiligten einig, wird der 14. August 2015 zweifelsohne sein.

Wenn Rekordmeister Bayern München und der Hamburger SV an jenem Abend die 53. Saison der Bundesliga eröffnen, geschieht das nämlich zum ersten Mal in der Bundesliga unter dem wachsamen "Falkenauge". Und Fehlentscheidungen "bei einer Angelegenheit, die nur schwarz oder weiß ist", versicherte Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel, "wird es in Zukunft nicht mehr geben."

Das aus dem Tennis bekannte britische Hawk-Eye-System, das bereits seit der Saison 2013/14 in der englischen Premier League zum Einsatz kommt, basiert auf der Verwendung von sieben Hochgeschwindigkeitskameras pro Tor, die meist am Dach des Stadions angebracht sind. Beim DFB-Pokalfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund (3:1) kam es erstmals zum Einsatz, auch am Samstag beim Supercup zwischen Wolfsburg und Meister Bayern München erfassen die Kameras den Spielball in Tornähe ständig aus verschiedenen Winkeln, sodass die exakte Position des Balls berechnet wird. Sobald sich der Ball hinter der Torlinie befindet, sendet das System ein entsprechendes Signal an die Armbanduhr des Schiedsrichters.

"Ich habe seit Jahren betont, dass wir Schiedsrichter die Torlinientechnik befürworten. Darüber hinaus waren die Erfahrungen bei der WM in Brasilien äußerst positiv. Ich bin sehr froh, dass der Wunsch der Schiedsrichter erfüllt worden ist", sagte ausgerechnet Referee Felix Brych.

Der WM-Schiedsrichter hatte mit dem schon legendären Phantomtor von Sinsheim, als er fälschlicherweise einen Treffer von Stefan Kießling anerkannt hatte, am 18. Oktober 2013 den Stein erst so richtig ins Rollen gebracht. Bei einer ersten Abstimmung im März des vergangenen Jahres hatte die Ligaversammlung noch die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit verfehlt, nach einem Erdrutschsieg bei einer erneuten Abstimmung im Dezember war die Einführung aber perfekt. Im Pokalfinale leitete ausgerechnet Brych die Premiere.

Bei den Vereinen stößt die Einführung auch im Liga-Alltag auf große Zustimmung. "Es macht das Spiel gerechter und hilft den Schiedsrichtern", sagte Weltmeister Thomas Müller. Alexander Rosen, Sportdirektor von 1899 Hoffenheim, ergänzte im SID-Gespräch: "Die Technik verändert nicht den Charakter unseres Sports, sondern regelt im Sinne aller Beteiligten einfach und schnell die elementare Entscheidung über Tor und kein Tor."

Ob die Torlinientechnik wie von Rauball erwähnt nur der Anfang ist und die Büchse der Pandora tatsächlich öffnet, oder wie von Niersbach erhofft das einzige Hilfmittel bleibt, ist derzeit völlig offen. Fandel beispielsweise will sich weiteren Innovationen nicht komplett verschließen. "Wir sind gut beraten, wenn wir uns über die Technik selbst informieren", sagte der 51-Jährige, "aber nur, wenn wir das Gefühl haben, das etwas Sinn macht."

Und das tut es für viele eben nicht. "Wenn man sich mit dem Thema Videobeweis oder Videoschiedsrichter auseinandersetzt, bleiben derzeit sehr viele offene Fragen", monierte unter anderem DFL-Schiedsrichterexperte Hellmut Krug bei bundesliga.de. Eintracht Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen merkte an: "Es wird auch dann immer wieder strittige Situationen geben, und ich befürchte, dass die Diskussionen dann noch härter werden."

(sid)
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