Rosicky: "Müssen das Spiel gewinnen": Tschechien-Lettland: Zum Siegen verdammt
zuletzt aktualisiert: 15.06.2004 - 13:00Porto (rpo). Die einen hoffen auf eine Sensation, die anderen spüren enormen Druck aus der Heimat. Tschechien will gegen Lettland unbedingt die "Operation EM-Titel" siegreich eröffnen.
Die Erwartungshaltung in der Heimat ist riesig, der Druck auf das Team von Trainer Karel Brückner immens: Wenn Tschechiens Fußball-Nationalmannschaft zum Auftakt der "deutschen" Gruppe D am Dienstag gegen Außenseiter Lettland in Aveiro die "Operation EM-Titel" in Angriff nimmt, ist der Europameister von 1976 zum Siegen verdammt. Bei einer Niederlage oder einem Unentschieden stünde der Mitfavorit bereits vor den Duellen gegen die Niederlande (19. Juni) und die DFB-Auswahl (23. Juni) mit dem Rücken zur Wand.
"Der erste Schritt in das Turnier ist immer der wichtigste. Wir müssen gegen die Letten gewinnen. Aber unser erster Gegner ist mit Sicherheit kein Punktelieferant", sagte Mittelfeldspieler Tomas Rosicky, derzeit noch beim Bundesligisten Borussia Dortmund unter Vertrag, dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Wer in dieser Gruppe weiterkommt, der kann auch die EM gewinnen." Sein BVB-Vereinskollege Jan Koller träumt vor dem Auftaktmatch bereits vom großen Wurf. "Die Fans in der Heimat sind heiß auf die EM. Außerdem ist es meine letzte Chance, einen großen internationalen Titel zu gewinnen", sagte Koller dem sid.
Endgültig rehabilitieren
Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2002 in Südkorea und Japan will sich die Brückner-Elf endgültig rehabilitieren. Allerdings ist nach der souveränen EM-Qualifikation und 20 Spielen in Serie ohne Niederlage, darunter Siege gegen Frankreich und Italien, bei den Tschechen Ernüchterung eingekehrt. Die beiden Pleiten in Irland (1:2) und gegen Japan (0:1) haben dem Selbstvertrauen des EM-Finalisten von 1996 ordentlich zugesetzt. "Unsere Mannschaft ist gut, aber zu den Topfavoriten zählen wir nicht mehr", meinte Europas Fußballer des Jahres Pavel Nedved von Juventus Turin, der in den vergangenen Tagen auf Grund der großen Hitze physische Probleme hatte. Auch der Rest des Teams wirkt nach der langen Saison geschlaucht.
Zudem scheint der 2:1-Auftakterfolg der Griechen gegen die Gastgeber beim Eröffnungsspiel in Porto den Tschechen zusätzlichen Respekt vor den Letten eingeflößt zu haben. "Wer dieses Spiel gesehen hat, weiß, dass es keine schlechten Teams mehr gibt. Sollten wir nicht gewinnen, war das erste Spiel gegen Lettland alles andere als ein Vorteil", meinte Nedved.
Taktisch wird Brückner in der Defensive nach dem misslungen Experiment mit der Dreierkette wieder auf eine Viererkette setzen. Aus "deutscher" Sicht ist neben Koller und Rosicky Bundesliga-Profi Tomas Ujfalusi (Hamburger SV) gesetzt. Vratislav Lokvenc, der in der neuen Saison für den VfL Bochum auf Torejagd gehen wird, steht als Koller-Ersatz bereit, und Roman Tyce (1860 München) ist die erste Alternative im defensiven Mittelfeld.
"Underdogs" aus Lettland geben sich völlig entspannt
Während beim Favoriten der wachsende Druck allgegenwärtig ist, gehen die "Underdogs" aus Lettland völlig entspannt in das erste EM-Spiel ihrer Geschichte. In den Trainingseinheiten in Anadia wird viel gelacht, das Team vom Baltikum scheint die EM-Premiere in vollen Zügen zu genießen. "Es wäre eine Sensation, wenn wir ins Viertelfinale kämen. Für unser Land war es bereits eine Sensation, dass wir uns überhaupt qualifiziert haben", sagte Coach Aleksandrs Starkovs, der beim Erstligisten Skonto Riga jahrelang bereits 19 der 23 Spieler im Kader unter seinen Fittichen hatte.
Zudem möchte sich Starkovs die Griechen von Trainer Otto Rehhagel zum Vorbild nehmen. "Sie haben es beim 2:1 gegen Portugal vorgemacht und sind für uns ein sehr gutes Beispiel. Dieses Spiel hat uns gezeigt, dass der Underdog einen Favoriten schlagen kann", sagte Starkovs: "Kein Team, das bei der EM dabei ist, hat sich zufällig qualifiziert."
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Tschechien: 1 Chech - 2 Grygera, 5 Bolf, 21 Ujfalusi, 6 Jankulovski - 8 Poborsky, 10 Rosicky, 4 Galasek, 11 Nedved - 9 Koller, 15 Baros
Lettland: 1 Kolinko - 7 Isakovs, 4 Zemlinskis, 2 Stepanovs, 6 Blagonadezdins - 8 Bleidelis, 3 Astafjevs, 5 Laizans, 10 Rubins - 9 Verpakovskis, 11 Prohorenkovs
Schiedsrichter: Gilles Veissiere (Frankreich)
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