1. Bundesliga 16/17
| 20.30 Uhr

Erfolgszwang
(K)ein "Endspiel" für Gisdol: Hoffenheim-Coach muss liefern

Porträt: Markus Gisdol: Als Amateur zum Bundesliga-Coach
Porträt: Markus Gisdol: Als Amateur zum Bundesliga-Coach FOTO: dpa, dan
Trainer Markus Gisdol von 1899 Hoffenheim steht vor dem Spiel gegen den Hamburger SV unter großem Druck. Es gibt sogar Gerüchte über ein Ultimatum für den 46-Jährigen.

Markus Gisdol muss um seinen Job bangen, doch von einem Ultimatum oder gar "Endspiel" gegen den Hamburger SV will der Trainer von 1899 Hoffenheim nichts wissen. "Das ist reine Spekulation. Mir ist davon nichts bekannt", sagte er dem kicker. Doch die Unruhe rund um den Klub von Milliardär Dietmar Hopp ist groß, offenbar kann Gisdol nur ein Dreier im Heimspiel gegen den Bundesliga-Dino am Freitag (20.30 Uhr/Live-Ticker) vor dem Rauswurf bewahren.

Befeuert wurden die Gerüchte über einen nahenden Abschied des 46-Jährigen von der Tatsache, dass Hopp unter der Woche einige Akteure um Nationalspieler Kevin Volland zu sich rief, um sich über die Lage zu informieren. Nach nur sechs Punkten aus neun Saisonspielen stehen die Kraichgauer auf Tabellenplatz 17.

"Natürlich lässt mich die aktuelle Situation nicht kalt", antwortete der angezählte Gisdol auf die Frage, wie sehr ihn die Berichte über seine angeblich bevorstehende Demission belasten. Der Retter von einst scheint zu wissen, was die Stunde geschlagen hat.

Sein Kredit bei Boss Hopp ist offenbar so gut wie aufgebraucht. Sollte der Vorletzte, der nach dem neunten Spieltag noch nie so wenige Punkte auf dem Konto hatte, nicht gewinnen, könnte für Gisdol Schluss sein. "Ich versuche, das auszublenden, um mich auf das Wesentliche zu konzentrieren - und das ist die Arbeit mit der Mannschaft", meinte Gisdol bei der Spieltags-Pressekonferenz ruhig und sachlich - anstatt wie sonst gewohnt witzig und eloquent.

Besonders weh tun Gisdol, der sich schon mit den Namen seiner potenziellen Nachfolger Tayfun Korkut, Mirko Slomka oder Thomas Schaaf konfrontiert sieht, die Gerüchte über sein angeblich zerrüttetes Verhältnis zum Team. "Es ist nicht schön, so etwas zu lesen", sagte der 46-Jährige: "Es ist wichtig, dass das Verhältnis zur Mannschaft gut ist. Ich habe den Eindruck, es ist sehr gut."

Davon wollte sich Hopp persönlich überzeugen. Nach dem Gespräch mit dem Boss sprang Kevin Volland dem Trainer zur Seite. "Wir stehen hinter unserem Coach, und ich bin mir sicher, dass wir zusammen wieder aus der Situation rauskommen können", sagte der Nationalspieler.

Dabei ist die sportliche Krise nicht der einzige Grund für das drohende Ende der Gisdol-Ära. Der Coach, der die TSG nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im Mai 2013 vor dem Abstieg in die 2. Liga bewahrt hatte, manövrierte sich bereits zu Beginn des Jahres ins Abseits. Damals verärgerte er die Chefetage bei den Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit hohen Gehaltsforderungen. Der Vertrag wurde zwar bis 2018 verlängert, das Verhältnis zwischen dem gebürtigen Geislinger und Hopp gilt seit dieser Zeit aber als angespannt.

Dazu kommt, dass die Spieler den Coach zuletzt indirekt kritisiert hatten. Die Profis klagten mehrfach darüber, dass ihnen in den letzten Spielminuten die Luft ausgegangen sei und sie deshalb viele Punkte liegen gelassen hätten.

Die Probleme begannen schon in der Rückrunde der vergangenen Saison, als die TSG leichtfertig einen Europacup-Platz verspielte. Was folgte, war der von Gisdol forcierte Umbruch mit den Abgängen von Roberto Firmino, Kapitän Andreas Beck, Sejad Salihovic, Anthony Modeste und Sven Schipplock. Die Neuzugänge, allen voran Kevin Kuranyi, enttäuschten bisher.

(sid)
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