1. Bundesliga 16/17
| 11.55 Uhr

Hoffenheim-Trainer
Nagelsmann bekommt großes Lob von Tuchel und Merk

Fotos: Geburtstagskind Rudy sieht Rot
Fotos: Geburtstagskind Rudy sieht Rot FOTO: dpa, bt htf
Julian Nagelsmann hat 1899 Hoffenheim wiederbelebt - trotz der Niederlage in Dortmund. Das größte Lob bekam er von seinem früheren Förderer – und von einem ehemaligen Schiedsrichter.

Von der größten Bühne des deutschen Fußballs hetzte Julian Nagelsmann gleich wieder in den kleinen Klassenraum. Um 19.21 Uhr wurde am Sonntagabend vor 81.359 Zuschauern das Spiel bei Borussia Dortmund abgepfiffen - um 8.30 Uhr am Montagmorgen schrieb der junge Trainer von 1899 Hoffenheim beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) seine Klausur in Sportpsychologie. Am Mittwoch steht die nächste Prüfung in der Trainerausbildung an: am Morgen des so wichtigen Spiels gegen den FC Augsburg.

Zwischen Ausbildung und Job

Abstiegskampf, Schule und zurück, dann wieder alles von vorn: Julian Nagelsmann, 28, mutet sich sehr viel zu, und dies in einer Phase, die für seinen Verein alles bedeutet. Aber er bewegt auch viel. "Das war ein extrem guter Gegner. Die Hoffenheimer Mannschaft hat mit der, die vor vier Wochen noch gespielt hat, sehr, sehr wenig zu tun", sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel, aus seiner Stimme sprach große Anerkennung.

Die beiden Trainer kennen sich, sie schätzen sich, Tuchel hat Nagelsmann einst beim FC Augsburg II trainiert und als Spielbeobachter gefördert. Nun begegneten sie sich auf Augenhöhe. Sie verabschiedeten sich lachend und klopften sich gegenseitig vor die Brust: "Alles Gute!"

Fotos: Nagelsmann jüngster Bundesliga-Trainer der Geschichte FOTO: dpa, crj

Die Ziele aber sind noch sehr unterschiedlich. Nagelsmann ist eingesprungen, nachdem Huub Stevens wegen Herzrhythmusstörungen zurückgetreten war - eigentlich sollte er ab dem Sommer in Ruhe etwas aufbauen. Nun muss er in kürzester Zeit einen Ruck auslösen, der zur Rettung führt. Es scheint zu funktionieren.

"Wir fanden unseren Plan nicht schlecht", sagte Nagelsmann nach dem Abpfiff, er grinste breit. Nach einer überraschenden Führung bis zur 80. Minute hatte 1899 in Unterzahl noch 1:3 verloren, aber es ist offensichtlich, dass der jüngste Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte verschüttete Stärken freigelegt hat.

"Wir waren bis zur Roten Karte richtig, richtig gut, überragend", sagte Stürmer Kevin Volland. Mutig, flexibel, gefährlich, schnell - die Zeit des angstgetränkten Ballgeschiebes, des Ja-keine-Fehler-Machens ist vorbei.

Nagelsmann findet Rote Karte vertretbar

Nagelsmann antwortet stets taktisch-analytisch, er geht gerne ins Detail, auch während des Spiels. In der 35. Minute steckte er Kevin Volland ein Taktikzettelchen zu ("Der BVB hatte die Spieleröffnung umgestellt. Ich musste reagieren") - es wanderte von Hand zu Hand und fand interessierte Leser, ehe Nadiem Amiri es zerknüllte und vorne in seine Hose steckte.

"Wir haben unseren Plan gut umgesetzt, ich bin mit der ersten Halbzeit hochzufrieden", sagte Nagelsmann. Mit der umstrittenen Roten Karte gegen Sebastian Rudy, die in der 58. Minute die Wende auslöste, ging er souverän um: "Das war vertretbar."

Der Sky-Experte Markus Merk äußerte daraufhin seine Bewunderung für Nagelsmann, der als Vorbild für seine Zunft gelten könne. Der frühere Referee würdigte mit Blick auf das derzeit angespannte Verhältnis zwischen Trainern und Referees den gelassen Umgang des 28-Jährigen mit dem umstrittenen Platzverweis. "Ganz toll", sagte Merk.

Seine erste Niederlage im dritten Spiel hatte zumindest den Vorteil, dass Nagelsmann sein theoretisches Wissen für die Sportpsychologie-Klausur auch gleich praktisch anwenden konnte. "Ich habe ein paar Worte an die Mannschaft gerichtet", berichtete er: "Ich musste sie aufbauen. Sie hat lange an einen Sieg geglaubt. Wir müssen das Spiel aus dem Kopf und aus den Knochen kriegen."

Denn bei allem Bohei drumherum - der Klassenerhalt mit dem Tabellen-17. hat Priorität. Er ist die schwierigste von vielen kniffligen Aufgaben, die Nagelsmann derzeit zu bewältigen hat. "Das mit den Medien und den Klausuren - das kriege ich schon irgendwie hin."

(areh/sid)
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