Entscheidung über Operation in den kommenden Tagen: Tumorerkrankung von Herrlich löst Betroffenheit aus
zuletzt aktualisiert: 14.11.2000 - 18:40Dortmund (sid). Eine Gehirntumor-Erkrankung von Borussia Dortmunds Stürmerstar Heiko Herrlich hat Fußball-Deutschland erschüttert. Bei dem 28-Jährigen, in dieser Saison schon siebenmal für den fünfmaligen deutschen Fußballmeister erfolgreich, wurde ein Geschwür im Mittelhirn festgestellt. Herrlich wird bis auf unbestimmte Zeit ausfallen. Noch ist keine Entscheidung darüber gefallen, ob tatsächlich eine Operation vorgenommen werden muss oder eine andere Therapieform - Bestrahlung etwa - angewandt werden kann. Dies hängt auch davon ab, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist.
"Wir sind sehr betroffen. Die Entwicklung zeigt, dass es Wichtigeres als Spielergebnisse und Tabellensituationen gibt. Allerdings haben uns die Mediziner die Hoffnung gegeben, dass Heiko Herrlich völlig wiederhergestellt werden und seinen Beruf als Fußballer weiter ausüben kann", sagte Vereinspräsident Dr. Gerd Niebaum auf einer Pressekonferenz.
Der BVB-Boss gab auch eine Aussage von Herrlich wieder: "Er hat die Mannschaft aufgefordert, sich von seiner Krankheit nicht schocken zu lassen. Sie soll in den nächsten Wochen und Monaten für ihn spielen." Nicht nur in Dortmund wurde die Meldung von der Herrlich-Erkrankung mit großer Betroffenheit aufgenommen.
"Wir sind von der Nachricht über die schwere Krankheit sehr schockiert. Das sind Dinge, dagegen sind die Ausfälle bei der Nationalmannschaft nur Kleinigkeiten und überhaupt nicht vergleichbar. Herrlich gehört zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Wir hoffen, dass sich die nächsten Wochen für ihn positiv gestalten", sagte Teamchef Rudi Völler vor dem Abflug der Nationalmannschaft zum Länderspiel nach Dänemark.
Aufgrund von akuten Sehstörungen hatte der fünfmalige Nationalstürmer Herrlich, verheiratet mit der Inderin Sangita, am vergangenen Freitag gegen Tabellenführer Hertha BSC Berlin nicht mitwirken können. Bei den daraufhin eingeleiteten Untersuchungen war der Tumor im Mittelhirn festgestellt worden. Die Diagnose wurde vom Leiter der neurologischen Klinik, Michael Schwarz, vorgenommen. Laut Darstellung des BVB sei ein etwaiges finanzielles Risiko für den Fall der Invalidität sowohl für den Spieler als auch für den Klub Borussia Dortmund "ausreichend versichert".
Dortmunds Cheftrainer Matthias Sammer bat um Verständnis, dass er zurzeit keine Stellungnahme abgeben könne und den Kopf erst frei bekommen müsse. "Jetzt muss sich Heiko vor allem selbst helfen. Das Wichtigste ist, dass er positiv denkt und den Kampf gegen die Krankheit aufnimmt. Ich bin überzeugt: Er kommt wieder", sagte Mittelfeldspieler Miroslav Stevic. Nationalspieler Jörg Heinrich meinte: "Das ist natürlich ein Schock für uns. Ich hoffe, dass Heiko bald wieder bei uns ist."
Vereinsarzt. Dr. Michael Preuhs informierte das Präsidium und die Spieler des westfälischen Traditionsvereins über das Ergebnis der Untersuchung. "Man kann sich ungefähr vorstellen, was jetzt in einem solchen Menschen vorgeht. Sportler haben aber immer Hoffnung auf Besserung", sagte Dortmunds Manager Michael Meier.
Der Vertrag von Herrlich, der 1995 für 11,5 Millionen Mark Ablöse von Borussia Mönchengladbach zu den Schwarz-Gelben gewechselt war, läuft am Ende der Saison ab. Die Borussia und Cheftrainer Matthias Sammer bemühten sich zuletzt verstärkt darum, den Kontrakt mit Herrlich zu verlängern. Allerdings buhlte auch Ligakonkurrent Bayer Leverkusen, von 1989 bis 1993 bereits Arbeitgeber des Stürmers, um die Gunst Herrlichs. Angeblich soll der Werksklub mit dem BVB-Star weitestgehend Einigung über einen Wechselt erzielt haben. Herrlich erzielte in 243 Bundesligaspielen 75 Tore.
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