Cholera-Todesfälle überschatten Afrikameisterschaft: Turnier beginnt Samstag / 21 Deutschland-Legionäre dabei
zuletzt aktualisiert: 20.01.2000Neuss (sid). Cholera, Chaos und Korruption: Die Vorzeichen für die 22. Fußball-Afrikameisterschaft vom 22. Januar bis 13. Februar in Ghana und Nigeria sind alles andere als günstig. Anstatt wie vom Afrikanischen Fußball-Verband (AFC) erhofft, eine gelungene Werbeveranstaltung für die Bewerbungen von Südafrika und Marokko für die WM 2006 zu bieten, droht das Turnier von Problemen und Skandalen überschattet zu werden.
Im nigerianischen Spielort Kano sind erst in dieser Woche zwei Cholera-Todesfälle bekannt geworden. "Kein Problem", spielen Offizielle des nigerianischen Verbandes das Auftreten der Lebens bedrohenden Erkrankung jedoch herunter.
In Nigerias Fußball-Verband regiert zur Zeit das Chaos. Eine Woche vor dem Eröffnungsspiel zwischen Ghana und Kamerun wurde der erst seit drei Monaten im Amt befindliche Präsident Anthony Kojo Williams von seinem Posten enthoben. Differenzen mit dem Sportminister des Landes hatten den Ausschlag gegeben. Politische Einmischung in den Sport hatte es in Nigeria schon früher gegeben. 1996 verzichteten die Nigerianer auf die Teilnahme an der Afrika-Meisterschaft, die wegen Menschenrechtsverletzungen im eigentlich als Gastgeberland vorgesehen Nigeria vom AFC nach Südafrika umdirigiert wurde. Zwei Jahre später wurde Nigeria, Olympiasieger von 1996, daraufhin vom Turnier ausgeschlossen. Erst jetzt melden sich die "Super Eagles" zurück, nun wieder mit Trainer Jo Bonfrere, der die Afrikaner 1996 zum Olympiasieg geführt hatte.
Peinliche Pannen gibt es auch bei Mitausrichter Ghana. Der Rasenplatz in der Hauptstadt Accra, wo unter anderem das Eröffnungsspiel, ein Halbfinale und das Spiel um Platz drei stattfinden, wurde Mitte Dezember vom AFC gesperrt. Die Bodenverhältnisse seien einer Afrikameisterschaft nicht würdig und werfen ein schlechtes Licht auf den Fußball auf dem schwarzen Kontinent, hieß es von Verbandsseite.
Und schließlich hat Südafrika, Titelträger von 1996, einen Korruptionsskandal im Gepäck. Der frühere Chef der Profiliga PSL, Joe Ndhlela, wurde wegen Betrugs und Bestechung verhaftet. Zuvor hatten Unbekannte auf das Privathaus des Funktionärs gefeuert. Ndhlela selbst bringt die Schüsse mit seinem Engagement als Boss der PSL in Verbindung.
Ghana kein FavoritTrotz aller Komplikationen sollen Afrikas über ganz Europa verstreuten Top-Spieler, darunter auch 21 Deutschland-Legionäre, für ein Fußball-Fest sorgen. Dazu gehört auch Afrikas Vize-"Fußballer des Jahres 1999", Sammy Kuffour vom deutschen Rekordmeister Bayern München, der für Ausrichterland Ghana am Ball ist. "Deutsche" Unterstützung erfahren die Gastgeber außerdem von den Bundesliga-Profis Charles Akonnor (VfL Wolfsburg) und Otto Addo (Borussia Dortmund) sowie Zweitliga-Spieler Daniel Addo (Karlsruher SC). Als Favorit gelten die Westafrikaner dennoch nicht.
Ganz im Gegensatz zu Nigeria: Auch ohne der verletzten Wolfsburger Jonathan Akpoborie schickt der Olympiasieger ein hochkarätiges Star-Ensemble ins Rennen. Neben Borussia Dortmunds Millionen-Stürmer Victor Ikpeba gehören unter anderem Afrikas "Fußballer des Jahres" Nwanko Kanu von Arsenal London und Taribo West von AC Mailand zum Aufgebot. Außerdem für Nigeria am Ball sind die Ex-Bundesligastars Sunday Oliseh (früher Köln, jetzt Juventus Turin) und Jay-Jay Okocha (früher Frankfurt, jetzt Paris St. Germain).
Ägypten mit vier Bundesliga-SpielernGleich mit vier Bundesliga-Spielern versucht Ägypten als erstes Land seit Ghana 1965 einen Afrika-Titel erfolgreich zu verteidigen. Neben dem Kaiserslauterer Hany Ramzy und den beiden Rostockern Mohamed Emara und Radwan Yasser gehört auch Ahmed Salah Hosny vom VfB Stuttgart zum Kader. Ex-Bundesligaprofi Rainer Zobel, heute Trainer des ägyptischen Meisters Al Ahly Kairo, räumte den Fußballern vom Nil in einem Interview mit dem "Kicker" allerdings keine großen Chancen ein. "Der neue Nationaltrainer Gili hatte zu wenig Zeit, mit der Mannschaft zu arbeiten", meinte Zobel.
Die tunesischen Hoffnungen lasten auf den Schultern zweier Freiburger Legionäre. Neben Mittelfeldspieler Zoubaier Baya sollen vor allem die Tore von Adel Sellimi, der Führenden in der Bundesliga-Torjägerliste, für einen Titelgewinn der Nordafrikaner sorgen.
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