Pleite gegen Udine im Uefa-Cup: Der BVB im Schockzustand
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 12:49Dortmund (RPO). Als der Schlusspfiff ertönte, hallten nur vereinzelte Pfiffe durch den Signal-Iduna-Park. Dabei hatte Borussia Dortmund gerade das zum "Spiel des Jahrzehnts" hochstilisierte Erstrunden-Hinspiel im Uefa-Cup gegen Udine Calcio mit 0:2 vergeigt. Ein Ergebnis, das die Chancen auf den Einzug in die Gruppenphase auf ein Minimum senkt.
Und doch empörte sich niemand im Stadion, die Südtribüne hatte auch schon während des 90-minütigen Offenbarungseides munter weiter ihre Liedchen gesungen. Die Spieler lobten in den Interviews nach dem Spiel den italienischen Gast für seine schnellen Konter, klar habe man selbst nicht gut gespielt, aber eine knallharte Fehleranalyse gab es nicht.
Dortmund war im Schockzustand, es herrschte tiefe Resignation angesichts einer Vorführung nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Für Wutanfälle war da kein Platz mehr. Nach fünf Jahren durfte der BVB endlich wieder im internationalen Geschäft ran, über 50.000 Fans waren mit großen Erwartungen gekommen - und dann das.
Der Tabellensiebte der Serie A zeigte den so gut in die neue Saison gestarteten Schwarz-Gelben auf schmerzhafte Art und Weise seine Grenzen auf. Dieses Spiel war nicht ein entschuldbarer Ausrutscher nach einer Erfolgsserie in der Bundesliga und im Pokal, sondern gleichbedeutend mit der Erkenntnis, dass der BVB noch nicht so weit ist.
In der Vorsaison fast abgestiegen
Nur als Pokal-Finalist hatten die Dortmunder die Qualifikation für den Uefa-Cup geschafft, in der vergangenen Meisterschaftssaison dagegen bangte der Klub lange Zeit sogar um den Klassenerhalt. Am Ende stand Tabellenplatz 13, von internationalem Format war der BVB meilenweit entfernt.
Unter Klopps Führung ist man zwar auf einem guten Weg und wird mittelfristig möglicherweise wieder an alte Erfolge anknüpfen, für den Moment aber ist der Kampf um einen Platz im oberen Tabellendrittel in der Bundesliga das Höchste der Gefühle - und Udine Calcio noch eine Nummer zu groß.
Die Italiener konnten sich sogar den Luxus erlauben, die zwei Weltmeister Antonio di Natale und Fabio Quagliarella erst einmal auf der Bank zu lassen. Trotzdem düpierten sie die gegnerische Defensive vor allem bei schnellen Kontern mehrfach, auch hinten brannte überhaupt nichts an.
Und das obwohl sich die Gastgeber redlich mühten und sich damit den Respekt beim Publikum verdienten. Immer wieder schlugen sie das Leder nach vorne, versuchten es über die Außen, durch die Mitte, aber erfolgreich waren sie damit nicht. Es mangelte an Ideen und Durchschlagskraft, mit seinen Mitteln kann Dortmund zwar in der Bundesliga für Furore sorgen, aber nicht gegen ein Team aus der Serie A.
Klopp empörte sich zwar hinterher über die Leistung seiner Mannschaft ("Eine Katastrophe") und konnte nicht verstehen, warum die Außenbahnen in der Rückwärtsbewegung so offen waren. Aber auch im Rückspiel wird er diesem ungleichen Duell aller Voraussicht nach nur mit Hilflosigkeit begegnen können.
Kommt der BVB doch noch weiter, wäre das keine Überraschung, sondern ein Wunder.
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