Seeler: Deutscher Fußball hinkt in Europa hinterher: HSV und Hertha BSC blamieren die Bundesliga
zuletzt aktualisiert: 16.10.2003 - 14:01Hamburg (rpo). Ein schwarzer Abend für Hertha, den HSV und den deutschen Fußball. Die beiden jämmerlich ausgeschiedenen Clubs haben die Bundesliga bis auf die Knochen blamiert. Auch Idol Uwe Seeler zürnt: "Der deutsche Fußball hinkt im europäischen Vergleich ganz schön hinterher."
Der Hamburger SV und Hertha BSC haben Fußball-Deutschland einen "schwarzen Mittwoch" beschert und der blamierten Bundesliga im Kampf um einen zusätzlichen Europapokal-Platz herbe Rückschläge versetzt. Während der verhinderte Champions-League- Starter Borussia Dortmund wenigstens in der 1. UEFA-Cup-Runde gegen Austria Wien (1:0/2:1) seine Pflicht erfüllte und durch Lars Ricken sogar ein Tor schoss, schieden der HSV (2:1/0:3 gegen Dnjepr Dnjepropetrowsk) und Hertha (0:0/0:1 gegen Groclin Grodzisk) gleich zum Einstand nach desolaten Leistungen gegen allenfalls zweitklassige Gegner sang- und klanglos aus.
"Der deutsche Fußball hinkt im europäischen Vergleich ganz schön hinterher. International bewegt sich das alles offenbar auf niedrigem Niveau. Das scheint mir so deutlich wie nie", sprach Uwe Seeler im "Kicker" (Donnerstag-Ausgabe) Klartext. Borussia Dortmunds Manager Michael Meier meinte mit besorgtem Blick auf die Auslosung am Freitag. "Für den deutschen Fußball ist das ein ungesunder Aderlass. Nun sind die verbliebenen DFB-Clubs aufgefordert, die nötigen Punkte für die Fünfjahreswertung der UEFA reinzuholen."
Knallhartes Urteil
In seinem Fernsehsessel musste das HSV-Idol Seeler mit ansehen, wie sein von Torhüter Martin Pieckenhagen vorher großspurig als "klar besser" bezeichneter Verein am Dnjepr total unterging. "Jahre hat man auf die internationale Bühne hingearbeitet, jetzt fängt man wieder von vorne an. Vielleicht wurde das eigene Potenzial überschätzt", urteilte "Uns Uwe" knallhart. "Dies ist der bitterste Moment meiner Karriere als Spieler und Trainer", gestand Kurt Jara, der beim Vorstand offenbar noch nicht in der Schusslinie geraten ist. Aus der Nachfeier seines 53. Geburtstags beim Rückflug wurde aber nichts.
Dass seine Akteure sich beinahe wehrlos ihrem Schicksal ergaben, dürfte Folgen haben. Den finanzschwachen HSV, der drei Runden und wichtige Einnahmen zum Ausgleich des 14,5 Millionen-Defizits aus der vergangenen Saison einkalkuliert hatte, "beschneidet das Aus ganz erheblich in wirtschaftlicher Hinsicht", gab Club-Vorstand Bernd Hoffmann zu. Über Gehaltskürzungen bei den Profis und selbst einen Spieler-Notverkauf (z.B. Tomas Ujfalusi) wird bereits spekuliert.
Genauso düster sieht es bei Hertha BSC aus. Nach dem ersten Erstrunden-K.o. seit 1964 ist die Schonzeit für Trainer Huub Stevens, der selbst "ein Desaster" konstatierte, nun wohl auch für die Offiziellen abgelaufen. "Wir führen keine Diskussion über den Trainer, aber wir prüfen kontinuierlich, ob wir richtig aufgestellt sind", sagte Präsident Bernd Schiphorst. Und forderte: "Unsere ganze Konzentration gilt nun der Bundesliga, und da müssen wir am Samstag endlich Punkte machen. Dann reden wir weiter."
Schicksalsspiel für Stevens
Das Heimtreffen gegen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen wird zum Schicksalsspiel. Nach acht Bundesliga-Spielen ohne Sieg und dem Desaster gegen Polens Vizemeister Grodzisk muss endlich ein Erfolg her. Sonst dürfte aus Stevens (Vertrag bis 2005) wohl ein "fliegender Holländer" werden. Fredi Bobic nahm von den hochgesteckten Saisonzielen Abschied: "Das gibt ein langes, graues Jahr." Manager Dieter Hoeneß will weiter kämpfen, "selbstverständlich mit dem Trainer."
Mit Thomas Häßler, der Austria Salzburg (0:1/2:1 bei Udinese Calcio) mit einem Freistoßtor zum Weiterkommen verhalf, konnte immerhin ein im Ausland beschäftigter Deutscher jubeln. Anderen erging es dagegen ebenfalls schlecht. Der verletzte Markus Babbel erlebte Blackburn Rovers K.o. gegen Türkei-Vertreter Genclerbirligi (1:1/1:3). Und Bernd Schuster musste mit Schachtjor Donezk nach Verpassen der Champions League nun auch das UEFA-Cup-Aus hinnehmen.
"Das war Folge der Leichtsinnigkeit. Mein Team ist noch nicht gut genug für Europa", so der Coach nach dem unerwarteten Ende gegen Dinamo Bukarest (2:3/0:2). Auch auf ihn könnten schwierige Zeiten zukommen: Zwar liegt er im nationalen Titelkampf souverän vorn. Doch auch Vorgänger Nevio Scala führte den Club zum Meistertitel und musste dann nach dem internationalen Aus gehen. Immerhin genießt der Coach in den Medien noch eine Schonfrist: "Das Problem ist nicht er, sondern die Mannschaft", kommentierte der TV-Sender "Inter".
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