Uefa-Cup-Sieger St. Petersburg: Warum sind die Russen plötzlich so gut?
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 16.05.2008 - 10:12Manchester (RP). Nach dem Sieg im Uefa-Pokal strebt St. Petersburg höhere Ziele an. Mit Mehrheitseigner Gazprom wollen die Russen in die europäische Spitze vorstoßen. Sie sagen Real Madrid, AC Mailand und Manchester United den Kampf an.
Mit großer Freude vernahm Alexius II., Patriarch von Moskau und ganz Russland, gestern Morgen zu früher Stunde die frohe Kunde aus Manchester. „Der russische Vereinsfußball schließt zu den stärksten Mannschaften in Europa auf“, ließ das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche über seinen Sprecher mitteilen. Zenit St. Petersburgs 2:0-Sieg im Uefa-Cup-Finale gegen die Glasgow Rangers darf als Kampfansage an die Großen in Europa verstanden werden.
„Die haben Champions-League-Format. Durch die finanziellen Möglichkeiten wird Zenit in Kürze schon europäische Spitze sein“, prophezeite Rudi Völler bereits nach der 1:4-Niederlage seiner Leverkusener im Viertelfinal-Hinspiel, „die haben Spitzenspieler wie Kapitän Tymoschtschuk, der für 15 Millionen aus Donezk kam, oder die Top-Stürmer Arschawin und Pogrebnjak. Die würden für kein Geld nach England oder Italien wechseln, weil sie in Russland bereits genug verdienen.“
Auch wenn Zenits Trainer Dick Advocaat derzeit doch um den Verbleib seiner Stars bangt, deutet sich an, dass in der nördlichsten Millionenstadt der Welt eine neue Fußballgroßmacht heranwachsen könnte. Mit rund 15 Millionen Fans - unter ihnen der neue Staatspräsident Dmitri Medwedjew - gilt St. Petersburg als der beliebteste Verein Russlands.
Wichtiger als dieser Rückhalt ist der durch den Geldgeber. Der Konzern Gazprom, auch Hauptsponsor des FC Schalke 04, übernahm vor zweieinhalb Jahren für knapp 30 Millionen Euro 51 Prozent der Anteile am Verein.
Nach Angaben der Kölner Fachagentur „Sport + Markt“ pumpt Russlands größter Arbeitgeber seitdem jährlich rund 40 Millionen Euro in den Klub. Der Erfolg stellte sich rasch ein: Meister in der im Herbst abgeschlossenen Saison, nun Uefa-Cup-Sieger, im nächsten Spieljahr Teilnehmer an der Champions League. Die Klubspitze hat einen Zehnjahresplan aufgestellt, demzufolge der Verein auf Dauer zu den besten drei Klubs auf dem Kontinent gehören soll.
Advocaat sprach in der Stunde des Erfolgs davon, dass die Zeit für einen russischen Champions-League-Sieger reif sei. Womöglich schwebte ihm dabei der FC Porto als Beispiel vor Augen, der unter Trainer Jose Mourinho 2003 den Uefa-Cup und ein Jahr später die Champions League gewann.
Unter mangelndem Selbstvertrauen leidet der frühere Mönchengladbacher Bundesliga-Coach, der sich mit seiner Elf im Halbfinale eindrucksvoll gegen Bayern München durchsetzte, nicht. Überliefert ist der Wortlaut eines Telefonats, das er unmittelbar nach Ende der Partie im „City of Manchester Stadium“ mit Ministerpräsident und Zenit-Anhänger Wladimir Putin führte. Advocaat sagte zum starken Mann seiner Wahlheimat: „Sie haben Großes für Russland und ich habe Großes für St. Petersburg geleistet.“
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