Uefa-Cup-Vorschau: Zenit hofft auf seinen "Turbo-Stürmer"
zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 16:38Manchester (RPO). Mancher Fußballer beschäftigt sich privat mit Börsenkursen, andere gehen Angeln oder sitzen vor ihrer Playstation. Andrej Arschawin kann mit all dem nichts anfangen.
"Mein Hobby sind Tore", sagt der Stürmer vom russichen Meister Zenit St. Petersburg, "ob ich selbst treffe oder auflege, spielt dabei keine Rolle." Wenn Zenit am Mittwoch im Uefa-Cup-Finale in Manchester (20.45 Uhr/LIVE!-Ticker) auf die Glasgow Rangers trifft, will der 26 Jahre alte Angreifer seiner Leidenschaft wieder einmal nachgehen.
Dass sich Arschawin aufs Toreschießen versteht, musste bereits Bayer Leverkusen schmerzlich erfahren: Er leitete die 1:4-Heimpleite der Werkself im Viertelfinale mit seinem vierten Uefa-Cup-Tor ein, den zweiten Treffer bereitete er vor. "Er ist absolute weltklasse, ein Ausnahme-Turbo-Stürmer", lobte Bayers Sportchef Rudi Völler.
Gegen die Rangers ist Arschawins Klasse vor allem deshalb sehr gefragt, weil Zenit in Pawel Pogrebnjak seinen Top-Torjäger ersetzen muss. Pogrebnjak führt die Schützenliste im Uefa-Cup gemeinsam mit Bayern Münchens Luca Toni mit zehn Treffern an, doch beim 4:0-Sieg gegen den neuen deutschen Meister im Halbfinal-Rückspiel sah er die dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb.
Rein äußerlich wirkt Arschawin nicht wie ein Stürmer, vor dem die Rangers-Defensive - die beste im Uefa-Cup - Angst haben müsste. Er ist 1,72 Meter groß und 70 Kilogramm schwer: Ein Bürschchen. Doch auf dem Platz überspielt er seine körperlichen Schwächen. Er ist schnell, wendig, beidfüßig - und einfach nicht zu fassen.
Arschawins größte Stärke ist aber wohl seine Variabilität. Er hat als rechter Mittelfeldspieler angefangen und schlüpfte später in die Spielmacher-Rolle, ehe er jetzt als Außenstürmer agiert. Mit zehn Toren und elf Vorlagen hatte er 2007 großen Anteil am Titel, in 33 Länderspielen für die Sbornaja traf er neunmal.
"Er hat die Qualität für europäische Topligen", schwärmt der frühere Bundesliga-Torwart Stanislaw Tschertschesow. Die englischen Top-Klubs FC Arsenal, Tottenham Hotspur und Newcastle United sollen interessiert sein, doch Arschawins Vertrag läuft bis 2010. Unter 15 Millionen Euro ist die russische "Rakete" kaum zu haben.
Doch es gilt ohnehin als eher unwahrscheinlich, dass er seine Geburtsstadt St. Petersburg verlässt. Der milliardenschwere Sponsor des Klubs (Gasprom) entlohnt ihn fürstlich, von drei Millionen Euro im Jahr ist die Rede. Und Russlands Fußballer des Jahres 2006 fühlt sich mit seiner Julia und den beiden Kindern an der Newa wohl.
Die Fans lieben ihn sowieso, Arschawin ist in Russland mehr als nur ein Star. Er gehört der Regierungspartei "Einiges Russland" an, ist Botschafter der SOS-Kinderdörfer und durfte unlängst sogar die Olympische Flamme beim Fackellauf durch St. Petersburg tragen.
Sein einziges Laster ist sein Temperament. In Nachtklubs kennt er sich aus und in der EM-Qualifikation sah er gegen Andorra eine unnötige Rote Karte, weshalb er in den ersten beiden Spielen bei der EURO gesperrt ist. Sein zweites Hobby neben dem Toreschießen passt in das Bild des extravaganten Typen: Arschawin hat ein abgeschlossenes Studium in Modedesign.
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