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Sportmediziner Blecker
"Nach zehn Jahren ist der Körper am Ende"

Ulf Blecker: "Nach zehn Jahren ist der Körper am Ende"
Ulf Blecker ist seit über zwei Jahrzehnten im Profisport als Arzt tätig. FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf. Sportmediziner Ulf Blecker, Mannschaftsarzt von Fortuna Düsseldorf, der DEG und des deutschen Fed-Cup-Teams, fordert längere Erholungszeiten für Profis. Von Kilian Treß

Irgendwann war es soweit. Nach 20 Jahren und fünf WM-Teilnahmen beendete Rekordnationalspieler Lothar Matthäus seine Karriere als Nationalspieler. Er ist mit 39 Jahren und 91 Tagen Deutschlands ältester Auswahl-Spieler. Sein Karriereende markiert einerseits das Ende der einstigen goldenen Generation um die Welt- und Europameister, der Klinsmanns und Kohlers. Gleichzeitig steht sein Abgang am Anfang einer neuen Zeit.

Es folgten neue DFB-Helden wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker oder Lukas Podolski, die jetzt ebenfalls das Ende ihrer Karriere im DFB-Dress bekanntgegeben haben. Nicht nach 20 Jahren, wie Matthäus, sondern schon nach zehn (Lahm, Mertesacker), im Fall von Schweinsteiger und Podolski nach zwölf. Alle waren zu dem Zeitpunkt ihres Rücktritts erst zwischen 29 und 32 Jahre alt. Aber warum haben es die Spieler so eilig im Gegensatz zu früher?

Für Sportmediziner Ulf Blecker liegt der Grund auf der Hand, warum die Spieler kürzer treten: Es ist der Verschleiß. "Nach zehn Jahren Profisport ist der Körper am Ende", sagt der Mannschaftsarzt von Fortuna Düsseldorf, der DEG und des deutschen Fed-Cup-Teams. Er behandelt seit über zwei Jahrzehnten Profisportler. Tennis, Handball, Eishockey - alle Sportarten seien um ein Vielfaches athletischer geworden. Die stetig steigende Trainingseffizienz gehe aber zulasten der Gelenke. "Vor allem im Fußball", sagt Blecker. Am stärksten beansprucht werden die Knie, gefolgt von den Sprunggelenken. Mehr als ein Dutzend plötzliche Vollsprints, ständiges Abbremsen, abrupte Richtungswechsel, harte Zweikämpfe - von Woche zu Woche in Spielen, im Training von Tag zu Tag - die Gelenke arbeiten permanent an der Belastungsgrenze. "Der Knorpelverschleiß ist in den Knien so stark wie bei einer Arthrose", sagt Blecker. "Heute laufen Spieler bis zu 14 Kilometer pro Spiel, vor 20 Jahren waren es noch fünf", vergleicht er.

Die internationalen Spiele erhöhen die Belastung. Durch mehr Länderspiele, die Erweiterung der Champions- und Europa League hat der heute erst 32-jährige Bastian Schweinsteiger 687 Spiele gemacht. Lahm, der im Gegensatz dazu in den vergangenen Jahren von schweren Verletzungen weitgehend verschont wurde, kommt auf 728. Je nach Saison haben die beiden im Schnitt zwischen 50 und 60 Partien absolviert. Zum Vergleich: Jürgen Klinsmann, insgesamt 17 Jahre im Profisport, lief deutlich seltener in seiner Laufbahn auf. Im Schnitt machte er pro Saison nur etwa 40 Spiele - wenn man die Einsatzminuten als Bezugsgröße nimmt. Jürgen Kohler oder Franz Beckenbauer bringen es nur auf 37. Lothar Matthäus hat in seiner Karriere im Schnitt immerhin 43 Spiele pro Saison absolviert. "Die Anforderungen eines heutigen Profis sind nicht mit denen von früher zu vergleichen", sagt Blecker.

Dass junge Spieler heute schneller ihre Karriere beenden als noch vor 20 Jahren schlägt sich auch in der Statistik nieder. 1998 lag der Alterschnitt der Nationalelf noch bei 30,9 Jahren. Der Schnitt der Bundesliga-Startformationen bei 27,55. Das hat sich gewandelt. Der jetzige EM-Kader war im Schnitt 25,9 Jahre alt, in der Bundesliga 25,77. Bleckers Forderung: Mehr Urlaub: "Früher konnte sich ein Spieler mal drei bis vier Wochen auf den Malediven regenerieren. Heute muss er sich im Urlaub mit Laufprogrammen fit halten." Das wollen die Trainer so. "Das ist der Regeneration des Körpers aber nicht förderlich."

Quelle: RP
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