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Hoeneß-Laudatio für Heynckes
Ein Freund, ein guter Freund

Heynckes erhält den Ehrenring – Hoeneß' Laudatio
Heynckes erhält den Ehrenring – Hoeneß' Laudatio FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Uli Hoeneß hält die Laudatio auf Mönchengladbachs Ehrenringträger Jupp Heynckes. Es ist ein Loblied auf die Freundschaft. Von Robert Peters

Es ist das Treffen der Klasse von 1970. Günter Netzer kommt mit seinem alten Wasserträger Hacki Wimmer. Berti Vogts verteidigt seinen Sitzplatz im vornehmen Haus Erholung in Mönchengladbach wie einst den Strafraum der Borussia. Horst Köppel geht über den Flügel, Rainer Bonhof besetzt das hintere Mittelfeld. Es ist ein Treffen der legendären Fohlenelf, die sich in den 70er Jahren einen Zweikampf mit Bayern München um die deutsche Meisterschaft lieferte. Ein Duell, das die Nation entzückte, in Lager spaltete und das ein Jahrzehnt andauerte.

Gekommen sind die Mitglieder dieses großen Ensembles, weil einer ihrer Größten geehrt wird. Jupp Heynckes, bis heute mit 220 Bundesligatreffern der erfolgreichste Gladbacher Stürmer, wird mit dem Ehrenring der Stadt Mönchengladbach ausgezeichnet. Heynckes sagt: "Ich bin sehr gerührt, dass ihr alle gekommen seid." Das sieht man.

Der Oberbürgermeister ist fast ebenso stolz wie der Jubilar. Hans Wilhelm Reiners legt Wert auf die Feststellung, dass nicht nur ein außerordentlicher Sportler, ein Welt- und Europameister, ein Trainer, der mit Bayern München in einem Jahr (2013) alle drei Titel (Meisterschaft, Pokal und Champions League) gewann, geehrt wird. Er betont auch, "dass sein Name für Bescheidenheit und Anstand, für Bodenständigkeit, Fleiß, Ausdauer, Willensstärke und soziale Kompetenz steht". Heynckes lächelt.

Beim emotionalen Höhepunkt der Feierstunde in Mönchengladbachs guter Stube muss aber auch er tüchtig schlucken. Denn die Laudatio auf den 33. Ehrenringträger der Stadt hält sein alter Freund Uli Hoeneß. Es ist der erste öffentliche Auftritt des ehemaligen Bayern-Präsidenten nach seiner Entlassung aus der Haft. Und er hat es in sich.

Bevor Hoeneß seinen Freund preist, bedankt er sich bei der Klasse von 1970. "In dieser für mich sehr schwierigen Zeit hat es gerade aus Mönchengladbach unglaubliche Unterstützung gegeben - und das, obwohl ich früher so viele Spieler hier weggeholt habe", sagt Hoeneß, "Günter Netzer hat mir unheimlich beigestanden. Rainer Bonhof hat mir viele handschriftliche Briefe geschickt. Da habe ich mit Tränen in den Augen auf meinem Bett gesesessen."

Hoeneß hat das nicht vergessen. Die größte Stütze in den zurückliegenden beiden Jahren aber hat er auch nicht vergessen. Heynckes sei immer "für mich und meine Familie da gewesen. Da haben manchmal die Telefondrähte zwischen seinem und meinem Haus geglüht, wenn ich nicht da war, wenn meine Frau allein war". Jetzt steht Hoeneß am Rednerpult, und er versichert: "Wenn man wie ich einen großen Fehler gemacht hat, für den man gebüßt hat, dann ist das eine ungeheure Freude und Ehre. Es zeigt mir, dass Freundschaft mehr wert ist als alles andere."

Diese Freundschaft hat einige Belastungsproben ausgehalten. Die, als der Manager Hoeneß 1991 den Trainer Heynckes auf Druck des Bayern-Präsidiums entlassen musste ("der größte Fehler meines Sportlebens"). Oder jene, als der Präsident Hoeneß dem Coach Heynckes mitten in dessen letzter Saison für die Münchner erklären musste, dass er Pep Guardiola verpflichten werde. "Du warst sauer, aber du hast nicht verzagt. Du hast gesagt: Diesen Deppen werde ich es zeigen", sagt Hoeneß. Heynckes hat es damals allen gezeigt. Er schweißte sein Team nach der Winterpause 2013 noch enger zusammen, und er führte es zum größten Erfolg, den je ein Bundesligatrainer errungen hat, zum Triple. Sein Freund Hoeneß erklärt: "Ich möchte mich vor deinem Lebenswerk verbeugen. Du bist ein Vorbild, wie es der Fußball selten hervorgebracht hat, es gibt keinen besseren Protagonisten, der seine Heimatstadt so verkörpert." Dann verlässt er die Bühne, fällt seinem Kumpel um den Hals und kann die Tränen der Rührung nicht mehr zurückhalten. Es gibt langen Beifall, und als Heynckes die Bühne betritt, stehen die Gäste auf und klatschen minutenlang. Natürlich muss der Jubilar schlucken. Aber bei aller Rührung arbeitet er sich tapfer durch seine Dankesliste. Er spricht seine ehemaligen Mitspieler an, "Netzer, das Genie am Ball", "Berti Vogts, diesen Klassemann", "Rainer Bonhof, den Selbstbewussten", "Horst Köppel, den Dribbelkönig". Er blickt vom Podium und wundert sich ein bisschen. "Wir haben uns früher nicht vorstellen können, dass wir mal älter werden können", sagt Heynckes, "aber heute sind wir doch schon betagte Herren."

Umso mehr bedeute es ihm, dass alle mit ihm feiern. Heynckes grüßt den ehemaligen Masseur Charly Stock und Peter Hermann, seinen Assistenten bei den Bayern. Er freut sich, dass der frühere Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ("eine Ikone der Sportmedizin") ebenso wie der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ("ich bedauere, dass du nicht mehr Präsident bist") und der Sternekoch Alfons Schuhbeck in Gladbach zu Gast sind. Und er vergisst seine Frau Iris nicht. "Es war nicht immer einfach, aber du hast mich immer unterstützt", sagt Heynckes, "meine Erfolge sind auch deine Erfolge." Dann darf er durchatmen. Und als der offizielle Teil vorbei ist, sagt er: "Bei so viel Lob braucht man ordentlich Bodenhaftung, dass man nicht abhebt."

Keine Angst, er ist nicht abgehoben.

Quelle: RP
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