Kölns Coach vor Bayern-Spiel unter Hochspannung: Daum: "Da stehst du nachts dreimal auf"
zuletzt aktualisiert: 12.09.2008 - 16:08Köln (RPO). Acht Jahre lang musste er auf ein Duell mit Bayern München und seinem langjährigen Intimfeind Uli Hoeneß warten, nun kann es Christoph Daum kaum mehr aushalten.
"Das ist das Spiel der Spiele. Das merkt man schon am Tag vorher. Da stehst du nachts dreimal auf, und das hat nichts mit der Blase zu tun. Morgens beim Brötchenschmieren denkst du nur an die Taktik und beim Einkaufen vergisst du die Hälfte. Man steht tagelang unter Hochspannung, die Familie muss darunter leiden. Die ganze Stadt vibriert", sagte er vor dem Aufeinandertreffen mit den Bayern am Samstag (15.30 Uhr/LIVE-Ticker).
Auf einen verbalen Schlagabtausch mit Hoeneß wollte sich Daum nicht einlassen, doch für Zündstoff ist auch so gesorgt. Erstmals seit der Kokain-Affäre vor acht Jahren kreuzen sich wieder in einem Bundesliga-Duell die Wege von Daum und Hoeneß.
Am 1. Oktober 2000 hatte Hoeneß die Kokainaffäre um Daum ins Rollen gebracht, als er Zweifel an der Eignung des "verschnupften Daum" als Bundestrainer äußerte. Es war der Beginn eines der größten Skandale im deutschen Fußball: die positive Haarprobe von Daum, Rauswurf in Leverkusen, das Ende aller Bundestrainer-Träume, und, und, und. Sechs Jahre verschwand Daum von der Fußball-Bühne in Deutschland, bis er schließlich im November 2006 einen Neuanfang beim 1. FC Köln wagte, den er in der vergangenen Saison zurück in die Bundesliga führte.
"Von meiner Seite ist das ein ganz normales Verhältnis. Ich schätze ihn als Person und auch in seiner Funktion, die er bei Bayern München hat. Damit ist eigentlich eine Normalität hergestellt, die im Fußball mit dazu gehört", äußert sich Daum im DSF-Interview ganz diplomatisch zu Hoeneß, mit dem er fast zwei Jahrzehnte lang regelmäßig aneinandergeraten war. Unvergessen bleibt etwa der Schlagabtausch im Sportstudio im Mai 1989.
Am 9. Februar 2000 hatte Daum letztmals ein Pflichtspiel mit Bayer Leverkusen gegen die Bayern bestritten und mit 1:4 verloren. Sportlich zog Daum fast immer den Kürzeren gegen den Rivalen von der Isar. Mit dem FC und Leverkusen wurde er insgesamt fünfmal Vizemeister hinter dem Rekordchampion aus München. "Bayern hat mir keinen Titel geklaut. Wenn sie Meister geworden sind, waren sie eben einen Tick besser. Es ging oft um Kleinigkeiten", sagte Daum im Bild-Interview ohne Groll.
Giftpfeile werden in diesen Tagen auch von Hoeneß nicht abgeschossen. Was er vom "Lautsprecher aus Köln" denkt, ist ohnehin bekannt. Als "Selbstdarsteller mit dem Hang zum Größenwahn" hatte der Bayern-Manager den Kölner Coach in der Vergangenheit beschrieben.
Über Daum redet Hoeneß wenig, über Lukas Podolski schon mehr. Er solle aufhören zu jammern, hatte der Manager dem Stürmer unlängst mit auf den Weg gegeben. Es gebe schwierigere Schicksale auf der Welt, als beim FC Bayern zu spielen.
Am momentanen Schicksal Podolskis wird sich beim Spiel in Köln wohl kaum etwas ändern. Wenn am Samstag um 15.30 Uhr in der mit 50. 000 Zuschauern ausverkauften Kölner WM-Arena der Anpfiff ertönt, wird der Nationalspieler wohl wieder nur auf der Bank Platz nehmen, wie Bayern-Coach Jürgen Klinsmann durchblicken ließ: "Lukas hat keinen Köln-Bonus wie noch beim Testspiel. Er ist nach wie vor der Herausforderer der beiden Platzhirsche (Luca Toni und Miroslav Klose). Lukas muss zeigen, dass er besser ist. Das kann ein langfristiger Prozess sein - über mehrere Monate oder Jahre."
Wie lange Podolski das noch mitmacht, bleibt offen. Bereits in der Sommerpause wurde in Köln eine Rückholaktion des einstigen FC-Publikumsliebling heiß diskutiert. "Das wird mein erstes Pflichtspiel gegen meinen Heimatverein werden, bisher habe ich dort nur Freundschaftsspiele gemacht. Klar, natürlich freue ich mich auf das Spiel", sagte Podolski.
Seit dem 1. April 1995 (3:1) wartet der FC bereits auf einen Heimsieg gegen die Bayern. Während bei den Gästen ein Einsatz des Mittelfeldstars Franck Ribery noch zu früh kommt, muss der FC auf Kapitän Ümit Özat verzichten. Der Türke war vor zwei Wochen beim Spiel in Karlsruhe (2:0) auf dem Platz zusammengebrochen. Wie sich herausstellte, war eine Hermuskelentzündung der Grund. Ümit, der sich vor der Partie mit einer Rede für die Anteilnahme der Fans bedanken will, muss noch mindestens sechs Wochen pausieren.
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