Schmährufe gegen Dietmar Hopp: Daum distanziert sich von den Kölner Fans
VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 - 11:01Sinsheim (RP). Die Würdigung des sportlichen Auftritts war Christoph Daum genau zwei Sätze Wert. "Ich schließe mich Ralf Rangnick an", kommentierte der Trainer des 1. FC Köln den dürftigen Kick seiner Mannschaft, die "etwas mehr Leidenschaft hätte zeigen müssen", um gegen die spielstarken Hoffenheimer insbesondere in der zweiten Hälfte hätte gewinnen können.
Daum war mächtig sauer. Seine Miene wie versteinert. Und noch bevor er überhaupt zu seiner kurzen, aber dennoch trefflichen Analyse angesetzt hatte, musste er sich entschuldigen. Denn mehr noch als die 0:2-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim ärgerte den 55-Jährigen das Verhalten einiger vermeintlicher FC-Anhänger, die unüberhörbar über die Stränge geschlagen hatten ("Das ist unterste Schublade"). Mal wieder, muss man sagen.
Denn nach Fan-Krawallen im rheinischen Derby gegen Mönchengladbach, als es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kam, quittierte diese Gruppierung die Tore von Sejad Salihovic und Demba Ba auf eine besonders hässliche Art. Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp wurde mit Schmähgesängen derart beleidigt, dass nach dem Abpfiff sogar Kölns Manager Michael Meier herbeieilte, um die Wogen zu glätten. "Das war beschämend. Im Fußball herrschen raue Sitten. Aber die verwendeten Verbalinjurien haben die Toleranzgrenze überschritten. Das Ansehen des Vereins ist durch das Verhalten einer kleinen Gruppe beschädigt worden", erklärte der Manager.
Hopp hingegen, der fortwährend mit Anfeindungen konfrontiert wird, wollte sich nicht die Laune verderben lassen. Immerhin war Hoffenheim als bis dato schlechtestes Rückrunden-Team zuvor zwölf Partien ohne Sieg geblieben. "Entsprechend groß ist die Erleichterung. Einige Spieler wussten gar nicht mehr, wie sich Siege anfühlen", sagte Coach Ralf Rangnick, der sich angesichts der "schweren Zeit" sogar zu einer für ihn ungewöhnlichen Stadionrunde hinreißen ließ. Wohl wissend aber, dass es die Kölner seinem Team auch nicht sonderlich schwer gemacht hatten. Statt endgültig den Verbleib in der Liga zu sichern, brachte sich Köln auch mit Blick auf das morgige Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin (20 Uhr) selbst ins Hintertreffen. Daum muss Youssef Mohamad (Rote Karte), Milivoje Novakovic (fünfte Gelbe Karte) und Marvin Matip (Leisten-Operation) ersetzen. Und ganz nebenbei auch diplomatisches Geschick beweisen. Denn der Trainer kündigte nach den Entgleisungen Gespräche mit den Fanbeauftragten an. "So etwas darf nicht wieder vorkommen", sagte er. "Unsere Fans haben doch ganz andere Lieder drauf."
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