"Der Schock sitzt tief": Daum hält Köln zum Narren
VON MARTIN BEILS UND STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 03.06.2009 - 07:34Köln (RP). Bei seinem Amtsantritt noch als "Messias" gefeiert, gab der 55-Jährige überraschend seinen Abschied vom Fußball-Bundesligisten bekannt. Den Trainer zieht es in die Türkei, wo er bereits mehrfach tätig war.
Die Saison bewegte sich für den 1. FC Köln gemütlich aufs Ende zu, als Trainer Christoph Daum kundtat: "Ich bleibe. Ich will Großes aufbauen." Am 21. April war das. Daum kündigte jetzt seinen Vertrag mit dem Bundesligisten. Er wechselt angeblich zu Fenerbahce Istanbul, wo er die Nachfolge des spanischen Europameisters Luis Aragones antritt.
Die Gründe für seinen überraschenden Sinneswandel verbreitete er in einer schriftlichen Erklärung, in der er auf die Möglichkeit abhob, im Europacup arbeiten zu können: "Meine Entscheidung ist keine gegen den 1. FC Köln, sondern eine für die neue Herausforderung. Meine Mission in Köln ist mit dem Aufstieg und dem Erreichen eines Mittelfeldplatzes ohne Abstiegsgefahr in der abgelaufenen Bundesliga-Saison erfüllt."
In Köln sorgt er mit derlei Aussagen für kollektives Kopfschütteln. "Das Entsetzen ist groß. Der Schock sitzt tief", sagt Heinz Schwarzer. "Von wegen Herzblut." Seit 20 Jahren ist er Mitglied im Verein. "Aber so was? Christoph Daum hat uns richtiggehend veralbert." Wie Schwarzer versammelten sich bereits am Morgen Dutzende Anhänger vor dem Geißbockheim, um ihrem Frust Luft zu machen und auf Erklärungen zu warten. Erklärungen, die gestern Mittag aber nicht einmal Manager Michael Meier zu finden vermochte.
Mit gesenktem Kopf und starrer Mimik wagte er gegen 14.10 Uhr den Gang aus der Geschäftsstelle und gab Einblicke in sein angekratztes Seelenleben. "Jetzt ist der Profi Meier gefordert", sagte er. "Persönliche Bindungen zu Christoph Daum müssen jetzt außen vor bleiben." Meier betonte, dass er von der aktuellen Entwicklung zu diesem späten Zeitpunkt überrascht sei.
Anhaltspunkte habe es nicht gegeben. "Wir haben bis zuletzt die neue Saison geplant. Aber wir als FC sind nun gehalten, professionell mit dieser Situation umzugehen. Vielmehr müssen wir uns dafür bedanken, dass Christoph als Retter zum FC kam, und was er für den Verein getan hat." Versuche, Daum umzustimmen, seien misslungen.
Auch die Mannschaft reagierte "irritiert über die Art und Weise" des Abschieds, wie Marvin Matip bestätigte. "Das ist typisch FC. Eben nicht ganz so normal. All das hat einen faden Beigeschmack. Doch ich bin mir sicher, dass der FC auch ohne Daum weiterbestehen wird."
Einen Nachfolger gebe es noch nicht, sagte Meier. "Aber bei den Verhandlungen werden wir sicher den einen oder anderen Trainer treffen, den man kennt." Mit Mirko Slomka, Ex-Coach des FC Schalke 04, soll der Manager bereits im vergangenen Jahr Kontakt aufgenommen haben, als Daum die Kölner mit seiner Zusage hatte zappeln lassen. Laut Vertrag besaß er in jedem Halbjahr ein Kündigungsrecht. Jetzt machte er davon Gebrauch.
Der heute 55-Jährige war vor zweieinhalb Jahren zum zweiten Mal beim FC angetreten. Als "Herzensangelegenheit" hatte er den Klub bezeichnet. Und als "Messias" feierte ihn die Stadt. Beim ersten Training in Müngersdorf wurden ihm Kinder zum Küssen gereicht. Daum führte Köln zurück in die Bundesliga. Gegen ein üppiges Gehalt von 2,4 Millionen Euro brutto, bei Fenerbahce soll er 3,5 Millionen ohne Abzüge bekommen. Bereits von 2003 bis 2006 arbeitete er bei dem Klub, zudem zeichnete er in zwei Phasen beim Stadtrivalen Besiktas verantwortlich.
Zum Abschied aus Köln sagte er: "Ein Teil meines Herzens wird immer hier bleiben." Womöglich muss er sich den FC-Fans schon bald wieder stellen. Im Abschiedsspiel für Ümit Özat trifft Köln auf "Fener". "Das wäre keine angenehme Situation, aber der FC ist für besondere Dinge bekannt", sagte Meier, dem dann doch noch ein Lächeln enthuscht. "Aber wir würden auch diese Pikanterie mit Humor nehmen."
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