Das Phänomen 1. FC Köln: Die Liebe zu sich selbst
VON KOMMENTAR VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 09.11.2007 - 06:48Köln (RPO). Es ist nicht mal annähernd überraschend, wenn die Presseabteilung des 1. FC Köln 48 Stunden vor einem Heimspiel diese Meldung verschickt: "Für die Partie gegen Aue sind bereits über 35.000 Karten verkauft worden." Denn egal, was der rennomierte Zweitligist noch verbricht, für die Fans heißt es auch an diesem verdammten Freitag: "Komm, me jonn zum FC."
Es stürmt, es regnet, das Thermometer zeigt Werte nahe der null Grad an. Auf dem Platz laufen elf Angestellte des Vereins herum, deren Leistung nicht selten eine Einstellung nahe der Arbeitsverweigerung vermuten lässt - alles egal. Ein Fan des geforderten "Champions-League-Teilnehmers" ist offensichtlich nicht zu verschrecken. Bei allem Respekt für das Erzgebirge, es ist jetzt auch nicht so, dass ein Klub aus Aue die Massen mobilisiert.
In der einzigen Millionenstadt Europas, in der kein Erstliga-Fußball gespielt wird, ist der Fan so sehr in sich verliebt, dass der Klub mit dem netten Geißbock vermutlich weitere Grausamkeiten anstellen darf, ohne dass er an Zuneigung verliert. Schon weit vor dem Anpfiff zelebrieren die Anhänger ihre Gefühle für einen Klub, der seit über zwei Jahrzehnten selten schönen oder erfolgreichen Fußball erlebt hat.
Ein 63-jähriger Kaarster (seit 63 Jahren Mitglied beim 1. FC Köln) zeigte sich vor einer Woche einsichtig: "Jetzt reicht's. Den Scheiß guck ich mir nicht mehr an!" Heute um 18 Uhr (wir berichten im LIVE!-Ticker) fährt er wieder ins fast ausverkaufte, wunderschöne RheinEnergie-Stadion.
Liebe Gladbacher, liebe Dortmunder oder wo auch immer ein Klub in den vergangenen Jahren den Erwartungen des geneigten Fans nicht vollständig entsprochen hat, ihr musstet auch leiden, aber an die Nehmerfähigkeiten eines FC-Fans kommt niemand ran.
"Komm, me jonn zum FC".
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