2. Bundesliga: Köln - ein Verein in der Krise
zuletzt aktualisiert: 05.11.2007 - 12:43Köln (RPO). Es haben schon turbulente Mitgliederversammlungen beim 1. FC Köln stattgefunden, die in weitaus ruhigeren Zeiten lagen. Insofern dürfte es am Dienstag in der Kölner Messe (19 Uhr) hoch hergehen, wenn sich die Verantwortlichen des dreimaligen deutschen Meisters um Präsident Wolfgang Overath dem unzufriedenen Anhang stellen müssen.
Denn für Zündstoff ist gesorgt nach dem bislang enttäuschenden Saisonverlauf. Nach zwölf Spieltagen in der 2. Fußball-Bundesliga verliert der große Aufstiegsfavorit sein Ziel zunehmend aus den Augen und liegt nun schon vier Punkte hinter den Aufstiegsrängen.
Wen wundert es da, dass es gewaltig rumort beim FC. Erst am vergangenen Freitag hatte es die nächste Krisensitzung gegeben, diesmal musste sich Daum vor den Klub-Verantwortlichen erklären. Offenbar ist das Vertrauen in den vor einem Jahr als "Magier" (Manager Michael Meier) titulierten Coach nicht mehr grenzenlos. Und auch bei den Fans ist längst nicht mehr vom "Messias" Daum die Rede.
Der frühere Meistertrainer des VfB Stuttgart, der bereits in der vergangenen Saison immer wieder mit seinem vorzeitigen Abschied gedroht hatte, will den Weg weitergehen - allerdings unter einer Bedingung: "Ich werde bis zum Geht-nicht-mehr die Mannschaft unterstützen und ihr helfen. Wichtig ist jetzt ein eindeutiger Schulterschluss oder man trennt sich", sagte Daum im Kölner Express.
Eine Trennung von Daum ist in Köln derzeit (noch) kein Thema. Wohl auch, weil Overath dann vollends vor den Scherben seiner verfehlten Vereinspolitik stehen würde. Nach den Fehlgriffen mit Uwe Rapolder und Hanspeter Latour hatte sich der Weltmeister von 1974 noch großspurig mit der Verpflichtung seines Wunschtrainers Daum geschmückt, dem 54-Jährigen viel Geld für Neuverpflichtungen in die Hand gegeben und ihn mit allen Kompetenzen ausgestattet.
Doch der Erfolg stellte sich keineswegs auf Knopfdruck ein, zuletzt wirkte Daum wie nach dem 1:2 beim VfL Osnabrück ratlos. Ein Patentlösung habe er auch nicht. Die sucht der einstige Erfolgscoach fast schon seit einem Jahr. 12 Siege in 32 Spielen stehen in der Ära Daum bislang zu Buche. Falls gewünscht will Daum an der Jahreshauptversammlung teilnehmen: "Ich weiß aber nicht, ob es auch etwas bringt."
Finanzgeschäftsführer Claus Horstmann stellte vor der Mitgliederversammlung im Express nochmals klar: "Die Situation ist nicht einfach. Es gibt aber keinen Grund zur Panik. Die Lage ist nicht so dramatisch, dass Handlungszwänge da wären."
Im Gegensatz zur sportlichen Misere können Overath und Co. wenigstens im wirtschaftlichen Bereich positive Zahlen verkünden. Bei einem Gesamtetat von 44 Millionen Euro ist ein kleiner Überschuss von 15.400 Euro übrig geblieben. Darin enthalten sind allerdings auch größtenteils die Erlöse aus dem Zehn-Millionen-Transfer von Nationalspieler Lukas Podolski zu Bayern München.
Eine weitere Sorge ist Overath im Vorfeld losgeworden. Der Präsidiums-kritische Verwaltungsrat-Chef Helmut Haumann tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Insbesondere Haumann war es, der im Sommer unangenehme Fragen der Spitze stellte. Unangenehme Fragen, die auch am Dienstag von den Mitgliedern kommen könnten.
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