Dokumentation über Homosexualität im Fußball: Wirbel um Daums Äußerungen
zuletzt aktualisiert: 23.05.2008 - 18:31Köln (RPO). Riesen-Wirbel um Christoph Daum: Der Trainer des 1. FC Köln hat in einer Fernseh-Dokumentation mit dem Tiotel "Homosexualität und Fußball" mit Aussagen zur Behandlung von Schwulen Irritationen ausgelöst. Grünen-Politiker Volker Beck ist außer sich: Der Trainer rücke Homosexuelle in die Nähe von Kinderschändern.
Das Zitat von Daum hat es in sich: "Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt sind, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegentreten, dass gerade die, die sich um diese Kinder kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen", sagte Daum in der Dokumentation, die am 28. Mai ausgestrahlt wird.
Worauf sich Daum mit seiner Äußerung bezieht, ist unklar. Die Zitate stammen von einer Vorabveröffentlichung diverser O-Töne zum Thema Homosexualitiät und Fußball. Der Sportsender DSF hat in Kooperation mit der Akademie für Fußball-Kultur nach eigenen Angaben monatelang recherchiert und mehrere Prominente zu dem Thema befragt. Unter anderem äußern sich Rainer Calmund, Theo Zwanziger, Mario Basler und Jogi Löw.
Die Aussagen von Christoph Daum haben bereits für ein großes Echo gesorgt. So wirft Grünen-Politiker Volker Beck dem Trainer die Diffamierung von Homosexuellen vor. Daums Arbeitgeber, der 1. FC Köln, solle sich von den Äußerungen distanzieren, forderte Beck. Schwule und Lesben würden damit in die "Nähe von Kinderschändern" gerückt, da Daum ausdrücklich zum Schutz von Jugendlichen aufgefordert habe.
Der 54-Jährige relativierte allerdings am Freitag in einer FC-Pressemitteilung seine missverständlichen Äußerungen. "Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben."
"Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob von homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden. Deswegen arbeite ich auch aktiv bei der Organisation Power-Child e.V. mit", wird Daum auf der Homepage des Klubs zitiert.
In der DSF-Dokumentation brachte Daum auch DFB-Präsident Theo Zwanziger ins Spiel. "Und ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen."
DFB-Präsident Zwanziger hatte am Donnerstag im Interview mit der Berliner Zeitung angemerkt, dass die Zeit reif sei, dass sich homosexuelle Fußballer in der Öffentlichkeit outen können.
Der 1. FC Köln bezeichnet sich in der Pressemitteilung als "weltoffenen und toleranten Verein". So unterstütze der Klub aktiv den 2. Aktionsabend gegen Homophobie im deutschen Fußball, der am 23. Mai um 17 Uhr in Köln stattfindet. An der Veranstaltung wird auch DFB-Präsident Theo Zwanziger teilnehmen.
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