Mainz-Trainer Jörn Andersen: Der perfekte Klopp-Ersatz
VON SOHRAB DABIR - zuletzt aktualisiert: 04.03.2009 - 15:04Düsseldorf (RPO). Er kam vom Zweitliga-Absteiger Kickers Offenbach und trat eines der schwersten Erbe im deutschen Profi-Fußball an. Nun ist Jörn Andersen der neue Held in Mainz und lässt den alten Halbgott Jürgen Klopp fast vergessen machen.
Der größte Gegner eines Trainers ist die zu hohe Erwartung an eine Person. Der Norweger Jörn Andersen kann davon sicher ein Liedchen singen. Im Sommer trat der 46-Jährige das Erbe vom Ur-Mainzer Jürgen Klopp an, der seine alte Liebe nach über 18 Jahren verließ und in die große weite Fußballwelt aufbrach: nach Dortmund.
Nach dem verpassten Aufstieg in der Saison 2007/2008 war es für den ZDF-Experten der WM 2006 an der Zeit sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Ein neuer Trainer musste gesucht werden, was bei all der Sympathie und Liebe zu Jürgen Klopp alles andere als ein leichtes Unterfangen war.
Mit Jörn Andersen holte sich Mainz einen Trainer, der gerade mit seinem Verein aus der 2. Liga abgestiegen war. Auf dem ersten Blick keine Glanzlesitung, der Karnevalsverein ging das Risiko dennoch ein, trotz aller Bedenken aus dem Umfeld.
Ausgerechnet Klopp gab seinem ehemaligen Klub den Rat, sich Andersen unter den Nagel zu reißen. "Wenn ihr ihn bekommen könnt, nehmt ihn", waren seine Worte an den Mainzer Manager Christian Heidel. Dieser hörte auf den ehemaligen Trainer und wurde, so wie es aussieht, dafür belohnt.
Mittlerweile steht Mainz 05 nicht nur in der Liga in einer äußerst aussichtsreichen Position im Kampf um den Aufstieg (derzeit Zweiter hinter dem SC Freiburg), am Dienstag warf die Andersen-Elf sogar den selbsternannten Spitzenverein aus Schalke aus dem DFB-Pokal und steht im Halbinfale. Eine Sensation und ein Novum in der 109-jährigen Klubgeschichte.
Andersen hat es tatsächlich geschafft, sich aus dem Schatten seines Vorgängers zu entreißen und seinen eigenen, erfolgreichen Weg zu gehen. Er lässt attraktiven Offensivfußball spielen; hat den nach Dortmund abgewanderten Neven Subotic mit Niko Bungert ersetzt, der momentan eine makellose Saison spielt; Stürmer Aristide Bancé warf mit seinem Siegtreffer im Pokal nicht nur Schalke aus dem Wettbewerb, er traf auch bisher siebenmal in der Saison. In Markus Feulner steht dem Norweger im Mittelfeld noch weiteres Juwel zur Verfügung, der möglicherweise irgendwann bei Spitzenklubs landen wird.
"Mainz ist ein Glücksfall für mich", betont Andersen. Das selbe werden womöglich nun Fans und Verantwortliche von Mainz 05 über ihn sagen. Die Konstellation scheint zu passen. Sollte jetzt auch noch der Aufstieg gelingen, kann Jörn Andersen seinen Vorgänger endgültig vergessen lassen und seine Kritiker Lügen strafen. Dann wäre er der neue Messias.
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