Klinsmann zuversichtlich: Baldige Rückkehr Deislers wahrscheinlich
zuletzt aktualisiert: 21.10.2004 - 12:49München (rpo). Der gesundheitliche Rückschlag des an Depressionen leidenden Nationalspielers Sebastian Deisler ist offenbar weniger gravierend als befürchtet. Der 24-Jährige wollte allerdings im Gegensatz zu Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick noch keine Aussage über den Zeitpunkt seines Comebacks treffen.
Während Hörwick im DSF davon ausging, dass Deisler bereits in der kommenden Woche wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen wird, sagte der Mittelfeldspieler der "Bild", dass es ihm "gut geht". Auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann äußerte sich nach einem Gespräch mit Deisler optimistisch.
"Ich habe mit Sebastian länger telefoniert. Er hat mir gesagt, dass das ein normaler Prozess sei. Ich bin sehr, sehr zuversichtlich", sagte Klinsmann am Donnerstag. Allerdings will der Bundestrainer keinerlei Druck auf den Mittelfeldspieler ausüben: "Wir werden die nächsten Tage abwarten. Ich werde dann auch noch einmal mit Sebastian telefonieren. Wir werden ihm die nötige Zeit geben."
Auch in Bezug auf eine psychologische Betreuung der Nationalelf sei derzeit keine Eile geboten, so Klinsmann. "Der Bereich ist zwar sehr wichtig. Aber wir werden uns Zeit lassen und erst einmal mit Fachleuten darüber diskutieren." Professor Florian Holsboer vom Max-Planck-Institut für Psychatrie in München hatte derweil erklärt, dass Deisler "unter Medikamenten-Einfluss die volle sportliche Leistung bringen kann". Angeblich soll Deisler die Medikamente zuletzt jedoch abgesetzt haben. Wegen der neuerlichen Probleme soll sich der 24-Jährige zudem einer Verhaltenstherapie unterziehen.
Bayern-Verantwortliche sauer auf Holsboer
Das Mitteilungsbedürfnis von Holsboer, bei dem Deisler wegen einer schweren Depression von November 2003 bis Januar 2004 bereits stationär behandelt worden war, hatte zunächst in der Chefetage des FC Bayern für Kritik gesorgt. "Bei einem Gespräch mit Professor Holsboer am Mittwochabend haben wir diese vermeintlichen Irritationen und Unstimmigkeiten ausgeräumt", teilte Bayern-Manager Uli Hoeneß am Donnerstag mit. "Wir sind uns einig, dass wir für Sebastian Deisler den besten Arzt haben und wir weiter vertrauensvoll mit ihm in dieser Sache zusammenarbeiten", sagte Hoeneß weiter.
Zuvor hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der tz erläutert, dass der Professor besser daran täte, "die Angelegenheit mehr defensiv als offensiv zu behandeln". Grund für den Unmut bei Rummenigge war wohl, dass Holsboer am Dienstag offensichtlich ohne Rücksprache mit dem Patienten und dem Verein vor die Presse getreten war.
"Holsboer hätte Sebastian erst untersuchen sollen, bevor er an die Öffentlichkeit geht. So etwas muss abgestimmt sein", hatte auch Hoeneß in einer ersten Reaktion erklärt. Alles habe seine Grenzen. Wenn man Deisler im Hinblick auf die WM 2006 in Topform sehen wolle, dann müsse man Rücksicht auf ihn nehmen.
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